Bingopacker

sunglasses

Man sagt Backpacker sind ein seltsamer Schlag Mensch. Man erkennt sie an der Mc Gyverschen Multifunktionsausrüstung, den seltsamen Reisezielen, die man mindestens nicht aussprechen kann oder für die wenigstens eine Impfempfehlung vom RKI besteht, deren Namen man dann nicht aussprechen kann. Sie kaufen sich ihr Mittagessen nur an einheimischen Straßenständen und verbuchen das anschließende Magen-Darm-Remmi-Demmi als das unverzichtbare Eintauchen in fremde Kulturen. Sie übernachten in Hostelschlafsälen und auf dem unermesslich großen Ohropaxmarkt kann ihnen niemand etwas vormachen. Unterm Strich: Sie bezeichnen sich als wirklich alles, nur nicht als Touristen.

Pauschaltourist und Backpacker

Einiges davon mag stimmen, vieles ist Quatsch. Ich mag Backpacker; werde nächstes Jahr selbst einer sein; und das mit Stolz und Multifunktionsklamotte. Dieses Jahr bin ich aber für eine Woche Pauschaltourist. – Und das ist alles andere als inkonsequent.
Man ist etwas müde, vom Arbeiten, vom Geldsparen, vom Studieren, vom Planen. Die Lampe im Aufladegerät blinkt seit einiger Zeit schon rot. Es ist Zeit für Bingo, Buffet, All inclusive, Pools und Strand im Bewegungsradius von 200m, Zeit für Pauschalurlaub und den kühnen Plan, sieben Tage lang nicht mehr zu tun, als sich broileresk in der Hitze zu wenden. Selbst Animations- und Bingoabenden stehe ich aufgeschlossen gegenüber. Ich erwarte das genaue Gegenteil von einer Weltreise: einen durchchoreografierten Urlaub, Monotonie des Strandlebens, keine Überraschungen. Damit das Akkulicht wieder grün blinkt. Und danach ist die Vehemenz wieder am Start, um noch ein schönes halbes Jahr ranzuklotzen, Geld zu sparen, final zu planen, für das große Abenteuer, das ohne Bingoabend und 4 ½ Sterne auskommen wird.

Der Kontrast definiert den Unterschied. Howdy.

Festlegen aufs Überall

himmel

Derzeit wechseln sich unumstößliche Überzeugung und zweifelndes Amkopfkratzen ab. Flucht? Immer auch, irgendwie. Hab ich was entdeckt oder was nicht verstanden? In welche Richtung wird hier gefahren, und ist das auch für mich das Richtige? Alle, die vorbeiziehen, schauen so angespannt an ihren Duftbäumen vorbei durch die Frontscheibe. Ich zähle Mittelstreifen, schaue blinzelnd zum Seitenfenster hinaus nach oben wo die Sonnenstrahlen durch Baumkronen rieseln wie Sand durch Finger. Merken: eigene Straße bauen, dann kann keiner überholen.

Niederlassen im Rastlosen

Der Zweifel klebt noch immer wie Kaugummi am Profil der Schuhsohle: Bin ich umgeben von Menschen, die verstanden haben, dass es so einfach nicht ist: Geld sparen, Flug buchen, Festlegen aufs Überall, Niederlassen im Rastlosen, Laune als Kompassnadel, Instinkt als Schlafsack, verliebt in Unsicherheit, Neugier in Fülle. Ein Fehler? Naivität? Weisheit? Was ist Einsatz und was der Preis? Geht es nicht ums Spielen an sich? Sollte wirklich eine Weltkarte an der Wand hängen oder nicht doch lieber ein Fünf-Jahres-Plan? Im Briefkasten liegen zwei Kataloge: Globetrotter und Ikea. Es ist keine Entscheidung, es ist ein Reflex: Billy oder Regenjacke, Duftkerze oder Kompass, Nest oder Flügel, Sicherheit oder Freiheit?
Billy ist Holz. Ich will den Baum sehen.

“Alltag ist Treibsand, du steigst ab, je stärker du trittst
Zeit, um zu gehen 
soweit es mich trägt
Der Trick ist atmen, die Antwort: einfach nicht zu fragen”

casper_auf und davon