Dreifelderwirtschaft

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Familie ist ja ein weites Feld. So weit, dass da das unterschiedlichste Gemüse querbeet wächst und gedeiht. Das eine wird zum lebenswichtigen, konkurrenzlosen Grundnahrungsmittel, das andere kreuzt nur selten den Weg. Und manche Teile des Feldes liegen jahrelang brach, bis man fast vergisst, dass da noch was in der Erde steckt. Dennoch ist da die Überzeugung, dass sich das Gießen und Pflügen, wenn auch in größeren Abständen, lohnt. Und ich tue gut daran, kurz vor der Weltreise noch mal durch das gesamte Feld zu springen. Dadurch fällt die Ernte ungemein reich aus. Hätte gar nicht gedacht, dass ich derart gerührt auf ein prall gefülltes Gemüsefach schauen kann. Und weil das Feld bis nach Mozambique reicht, und das ja quasi umme Ecke von Südafrika ist, kann ich im Portemonnaie schon mal 10 Rand Probetragen.

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Hals über Kopf

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Da ist es also nun, endlich oder schon. Das ist ja immer so: Man wartet ewig drauf, lunst immer schon aufgeregt durch den Türspion und dann ist man doch völlig durch den Wind wenn es unten klingelt und man den Summer drückt. Oben angekommen, hat es sich dann sehr freundlich vorgestellt, dieses 2012, hat sich sogar die Schuhe am Fußabtreter sauber gestrichen und es hat mir sogar eine kleine Aufmerksamkeit mitgebracht: EINE WELTREISE!

Derzeit bewegt sich die Stimmung zwischen Huch und Yehaa, Hmpf und Wouw. Das scheint mir durchaus angemessen: Denn ich lasse einen mit phantastischen Menschen und Möbeln eingerichteten Lebensabschnitt hinter mir, für den ich sehr gekämpft und in dem ich mich bequem eingerichtet habe. Und ich tue gut daran, so viel wie nur möglich mit in den neuen rüberzuretten. Dennoch: vor mir liegt eine Bambushütte mit einem Dach aus Bananenblättern, die aus den Nähten platzt vor unberechenbaren Augenblicken, Weggefährten, Kulissen und Möglichkeiten.

Die vergangenen Wochen waren ein bisschen wie durch Milchglas gucken. Man deutet Formen und Farben, Verbindlichkeit und Bedeutung von dem, was man dahinter vermutet. Und am vergangenen Freitag hat sich der Hebel umgelegt. Inzwischen sehe ich alles in HD und höre in Dolby Surround. Alles wird aufgesaugt wie von einem Schwamm, ich versuche so viel wie möglich zu speichern. Da will ja auch was vermisst werden, wenn man in Kürze faul an den Stränden dieser Welt liegt und sich im Stress des Welcher-Wochentag-ist-heute-eigentlich?-Alltag suhlt.

Es sind die letzten Tage in der Redaktion, es ist die letzte Sendung im mütterlich-journalistischen Schoß, es sind die letzten Konferenzen mit Arbeitskollegen, die nie Leute sondern immer Menschen waren oder gar Freunde wurden. Letzteres müssen sie unter allen Umständen bleiben. Drunter gehts nicht; geht nichts. Es sind die letzten Tage, an denen ein Anruf bei der Familie kein Ferngespräch ist. Und es sind die letzten Tage, an denen ich in einer WG wohne, in der man sich gegenseitig Überraschungseier als Nachtisch mitbringt.

Und trotzdem, oder deswegen fühlt sich alles sehr richtig an. Man muss an den Seilen ziehen, um zu sehen ob sie halten. Aber wenn sie halten, dann auf ewig. Wenn man so viel Gutes trifft, ist man irgendwann verwöhnt und besoffen von der Vorstellung, dass in jedem noch so toten Winkel dieses Globus’ ein Überraschungsei mit Bastelanleitung auf einen wartet. Für ein paar Wochen schläft dieses 2012 aber noch provisorisch auf der Luftmatratze im Wohnzimmer bevor ich mir den Rucksack schnappe und wir die Tür von außen schließen.