Outtakes – Der letzte Arbeitstag

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Der letzte Arbeitstag vor einer Weltreise ist alles das, was nach der letzten Szene des Kinofilms auf der Leinwand passiert. Dieser Film war ein guter, ein anstrengender, ein anspruchsvoller, sowohl bodenständiges Programmkino als auch Original mit Untertitel. Das letzte Popcorn ist irgendwo in die Sitzritzen oder Zahnzwischenräume gewandert, die Luft ist geschwängert mit Hollywoodmelancholie und Tacogestank und der Großteil der Kinobesucher schlunzt bereits auf direkten Weg zum Ausgang.

Die guten Menschen aber bleiben noch sitzen. Erst einmal ist alles schwarz und das macht irgendwie ratlos, weil man zwar wusste, dass das irgendwann zu Ende geht, aber man hat vergessen auf die Uhr zu schauen, und dann ist man doch irgendwie überrascht. Und dann rollt noch mal Stab und Besetzung an einem vorbei. Und man saugt sich mit den Augen an jedem Namen fest und versucht sich kurz noch einmal an wichtige Momente zu erinnern, bis sie aus dem Bildschirm wandern. Und irgendwie wird einem erst einmal klar, mit wie vielen guten Namen man es da zu tun gehabt hat. Die Augen stolpern von Name zu Name. Und dann wieder schwarz.

Und dann beginnen diese fabelhaften Outtakes, die vielleicht sogar wertvoller sind als der Hauptfilm und die unter die Haut gehen: ein Premiereabend im Ersten, Tischtennis im Keller, eine Currywurst am Berliner Flughafen, eine überdimensional große Flagge im Hof, ein ‚Scheiß die Wand an’ und ein ‚in der Wolle gefärbt’, ein Mittagessen in der Geissel und eine Nacht im Schwarzen Café in Berlin. Und dann wieder schwarz.

Inzwischen gehen schon die Kinomitarbeiter durch die Reihen und puhlen Popkorn aus den Sitzen. Und dann steht man auf und geht; gerührt und versöhnt. Weil jetzt draußen das große Leben in der extended Version auf einen wartet. Und weil es den Film samt Outtakes in der Hirnrinde auf DVD gibt.

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