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table mountain 6

„Die Hürde ist ein Luder, das die Stirn gern in Falten und jede Veränderung in Ketten legt. Dabei muss man sie eigentlich nur dazu bringen, ein Glas Träume gemixt mit Mut und Kompromisslosigkeit zu trinken. Dann hat selbst sie ein Einsehen und lässt einen dorthin ziehen, wo einem die Freiheit jeden Morgen wachküsst und jeden Abend zufrieden erschöpft ins Bett fallen lässt.“
Mein Luder hab ich längst hinter mir gelassen.

Baaam – Schwüles Wetter tackert meine Klamotten an die Haut, als ich nach einer schlaflosen Nacht im Flieger in Windhoek umsteige. Dort ist dann auch alles gleich geschmeidiger als in Deutschland. Man durchläuft eine provisorische Kontrolle, bei der ich mich so weit aus dem Fenster zu lehnen wage, dass der Sicherheitsmann keine Gepäckscans auf dem Monitor verfolgt hat, sondern irgendein afrikanisches Fußballspiel. Man darf hier quer übers Rollfeld zum anderen Flieger laufen und das ist ja auch eine Form von Freiheit.

In Kapstadt angekommen, gibt mir der Fahrer ein Rätsel auf. Wir reden über die Fußball-WM und er will den Namen dieser lustigen, deutschen Frau wissen, die man oft gesehen hat. Ich brauche bis zum Fahrtende um auf Angela Merkel zu kommen. Das Hostel ist eines der guten Sorte. Das erkennt man am friedlichen Hund und am kostenfreien Wlan. So, und jetzt? Ja, was eigentlich. Achso: Genießen. Den ersten Tag bringe ich mit Wasser einkaufen (inklusive verlaufen), staunen und skypen. Meine Matratze hat in etwa die Form einer Banane. Aber das muss wohl so für die Hostel-Credibility.

Den zweiten Tag: Robben Island. Schon auf der Fährfaht von der Waterfront zur Insel freue ich mich wie ein Kleinkind, dem man Brausepulver in den Mund schüttet. Das hier ist es. Und das ist erst der Anfang. Und ich weiß schon gar nicht mehr welcher Wochentag, geschweigedenn welcher Monat ist. So muss das sein. Robben Island beherrscht die Kunst zwischen Beklemmung und Aufbruch zu balancieren. Die Reise hier zu beginnen ist in etwa wie aus der Wüste zum Wasser auszubrechen. Hier gibt es etwas abzuholen: Wurzeln, Respekt, Bewusstsein. Ein ehemaliger Inhaftierter führt uns durch das frühere Gefängnis: Er erinnert mich an Bill Cosby, was an dem lustigen Pullover und seinem Humor liegen kann. Kurzum: ich mag ihn. Am Ende steht der Gedanke wie kurz im Vergleich mein Weg zur Freiheit war. So schnell geb ich die nicht wieder her.

Im Hostel dreht mir Jonathan, ein Baum von einem Mann mit langen roten Haaren und einer glasklaren Stimme, eine Kette an. Die Kette ist schön, so ist es nicht. Aber ich habe sie wegen der Story gekauft. Das Material soll aus Weltraumraketenkittstoff sein. Und der Stein hat so viele gute Bedeutungen, dass ich sie nicht wiederzugeben vermag. Aber ich mag Jonathan. Gestern hat er Lotto gespielt. Und er war sicher, dass er gewinnt. Wenn, dann würde er nach Berlin ans Meer (?) ziehen und sich Frau oder Mann (hauptsache schön) suchen und im Adlon wohnen. Nun: Jonathan wird Kapstadt mit seinem Kristallkettenimperium erhalten bleiben.

Ich werde vorerst auch nicht nach Berlin gehen, habe ich mir auf dem Tafelberg überlegt. Dort oben angekommen, wird man demütig vor allem, dem Leben, dieser Flause Weltreise, dem großen Ganzen. Man könnte dort tagelang sitzen und der Natur beim Natursein zusehen. Und man würde am Ende wahrscheinlich total kitschig heulen vor Ergriffenheit. Ich bin rechtzeitig runtergegangen. Dieser Ort macht selig.

Dass man am gleichen Tag 1070 Meter oben stehen kann und kurz darauf unten das Meer zwischen den Zehen spürt ist der Gipfel meiner neugewonnenen Freiheit, die ich mit Tesa an mein Herz geklebt habe. Dieses Baby Weltreise ist erst wenige Tage alt, liegt also noch auf der Säuglingsstation und kann noch nicht einmal 100 prozentig scharf sehen und dennoch werd ich es wie einen Pokal durch die Welt tragen. Und wenn mich jemand fragt, ob es sich lohnt: Es verdichten sich die Hinweise: Ja!

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10 thoughts on “46664”

  1. Wenn ichs nicht besser wüsste, würde ich ne Tilt Shift Linse vermuten. Dieser extreme Schärfeabfall wirkt teilweise etwas verstörend. Ist das alles Natur? Oder hast Du nachgeholfen? Auch bei der Vignettierung?

  2. @steffen: dankesehr!
    @anna: das is doch n katzensprung!
    @sebastian: das is ein filter! das hast du gut erkannt! zeigt doch ganz schön, wie klein wir eigentlich sind! ich finds schön – das zählt! meine weltreise! 🙂
    @stephan: NEIN! habs gelesen und an dich gedacht! na aber wenn ichs einem gönne, dann dir! awesome! dann viel spaß mit dem baby!

  3. War der Titel die Flugnummer? Ich habe ja tatsächlich bei dem einen Bild gedacht: Ach du Schande, ist das etwa ihr Hostelbett? Aber das nächste Foto ließ mich dann vermuten, dass es sich doch um den Gefängnisinselbesuch handelt 😉 Pass auf dich auf.

  4. Ich bin begeistert und wünsche dir, dass deine Reise noch jede Menge schöne Bilder und liebe Menschen für dich bereit hält.
    pass auf dich auf! Deine MOM.

  5. @kristin: 🙂 das ist die häftlingsnummer, die nelson mandela in robben island hatte.
    @mutti: die nächsten bilder liegen bereit! das glaubt mir ja sonst keiner, was ich hier sehe. glaubs ja selbst kaum! KUSS
    @franzi: 😉

  6. Da kann man echt neidisch werden 😉 Ich finde das so toll wie Du das so durchziehst! Viel Spaß weiterhin und pass auf Dich auf! 🙂 Grüße Bettina

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