Reisepubertät

addo_lion14

Es ist naiv, zu glauben beim Reisen würde man automatisch ruhiger, sicherer und gefestigt. Das Gegenteil ist der Fall. Reizüberflutet steht man bis zu den Kniekehlen im Meer der Möglichkeiten und schielt auf jede Welle weil man nicht weiß ob sie die beste ist oder ob man lieber noch abwartet. Und dann springt man vor und zurück und versucht ein Gefühl für die Dinge zu bekommen: weiterziehen, noch dableiben, gehen wenn es am Schönsten ist oder den Teller so lange wie möglich in der Luft behalten.

addo_zebra7

Das Reisen ist die Rückkehr der Pubertät. Wohl weil der Kopf ähnlich überfordert ist.
Da gibt es Tage, von denen man überzeugt ist, dass für sie das Wort perfekt erfunden wurde. Gestern war einer davon. Inzwischen auf der Garden Route von Sedgefield über Plettenberg Bay in Jeffreys Bay angekommen, ging es kurz nach Sonnenaufgang in den Addo Elephant Park. Und würde jemand beteuern, dieser Tag hätte 48 Stunden gehabt, ich würde ohne einen Funken Zweifel meine Hand dafür ins Feuer halten. Sich auf einem Gelände, dass wahrscheinlich größer als alle Zoos in Europa zusammen ist, Elefanten, Giraffen und Löwen auf bis zu drei Metern zu nähern, macht einen so demütig, wie man es nicht abschätzen kann. Und als bräuchte man nicht schon dafür 200 Seiten voller neuer Dudenwörter, zieht dann auch noch der Himmel ein Milchstraßenspektakel ab, als hätte er ein halbes Jahr Stromausfall gehabt und würde in nur einer Nacht alle gesparten Stromkosten verballern.

addo_elephant3

Zwischen Zooparks und diesem Gelände verhält es sich in etwa wie zwischen durchchoreografierten Drei-Tages-Trips mit einem am hochgehaltenen Regenschirm erkennbaren Gruppenleiter und einer selbstgeplanten Weltreise.
Dieser Tag allein braucht einen Monat Schlaf um verarbeitet zu werden. Und wenn nach nur zwei Wochen Reisen eines schon gelernt ist, dann dass auf so einen Tag meist ein Blues-Tag folgt. Heute war so einer, gepaart mit einer völlig unangemessenen Erkältung. Es ist wie ein Kater nach der ersten Party. Man steht schon gedimmt auf weil man weiß, so was passiert nicht zweimal kurz hintereinander. Und dann schiebt man sich wehmütig durch die Stunden und wartet auf den nächsten guten Tag. Und dann klebt man wieder das alte Plaster drauf: So ein Tag in Moll ist Teil des Ganzen. Sonst wären die atemberaubenden Tage nicht so besonders. Das tröstet. Das ist okay. Das muss wohl so. Und so schwankt man zwischen „Es gibt so viel Schönes“ und „Woanders is auch Scheiße“.

addo_giraf4

Das Reisen ist die Rückkehr der Pubertät. Und das Aushalten der Stimmungen ist wohl die Zahnspange. Und mit ein bisschen Glück bleibt am Ende doch ein bisschen Weisheit am Zahn hängen.

addo_giraf1

addo_sundowner

[nggallery id=7]

8 thoughts on “Reisepubertät”

  1. Bei den Fotos bekommt man ja Gänsehaut, so schön sind sie. Traumhaft, wenn man sowas life erleben kannn. Genies den Blues-Tag und träume noch ein bißchen.
    ich umarme Dich!! deine MOM

  2. Der Wahnsinn!!! Unglaublich schöne Bilder…bin ich bissl neidisch :)) aber ich gönne es dir… genieße die Zeit!!! Liebe Grüße aus FTL 🙂

  3. @mutti: für dich gibts nen extra diaabend wenn ich zurück bin!
    @mar tina: gern geschehen. freue mich über jeden, der sich hierhin verirrt und hängen bleibt!
    @skadi: dankeschön! inzwischen ist ja auch in deutschland das wetter warm genug damit tyson nicht mit der zunge an der laterne kleben bleibt!
    @ stephan: dankeschön, aus deinem munde, is das immer doppelt schön. okay, von dir lass ich es mir sagen! und nur von dir! ja, die schwäche für tild-shift. du würdest durchdrehen, wie viel phänomenalen wind man hier am einsamen strand für den drachen hat!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *