Hinter den Kulissen

Vom Kap der guten Hoffnung ins Tonwnship, vom Strand auf den Burj Khalifa, von der Christusstatue zum Zuckerhut, von Ipanema zu den Iguazu-Wasserfällen, von La Boca nach Recoleta. – Durch die Fensterscheibe betrachtet, könnte man wahrscheinlich den Eindruck bekommen, dieses Weltumrundungsprojekt kommt ohne jeden schnöden Alltag aus. Das ist so nicht ganz richtig, es ist sogar falsch. Auch wenn man ohne eigene Butze und dazugehörigen Briefkasten lebt, schleicht sich eine Form von Alltag in diese Reiserei, die man wegen ihrer Beständigkeit allmählich zu schätzen weiß, die zugleich aber auch nervt wie schnarchende Dorm-Genossen, die bei offener Tür pinkeln. Womit wir auch schon beim ersten Alltagspunkt wären:

Die Dorms:
Bis auf eine Nacht in Dubai habe ich in den vergangenen zwei Monaten in Dorms geschlafen. Vom 4-12-Bettzimmer war alles dabei. Am Besten checkt man schnell die Steckdosengegebenheiten und sucht sich das Bett daneben aus. Faustregel ist aber: Unabhängig von der Anzahl der Betten gilt: einer schnarcht immer. Hinzu kommt, dass die Bio-Rhythmen zwischen den meisten Backpackern so harmonieren wie zwei sehr, sehr schlechte Freestyletänzer. Einer macht Siesta und der andere macht sich verzweifelt an seinem Safe-Schloss zu schaffen, weil er den Code vergessen hat, einer geht früh ins Bett und der andere macht sich drei Stunden zwischen Tuben und Cremes für die Partynacht zurecht, einer schläft und der andere kommt in den Morgenstunden vom Feiern zurück, einer steht früh auf und sucht in seiner atemberaubenden Rascheltütensammlung seine Radler um zum Sonnenaufgang durch die Landschaft zu fahren und der andere schläft seinen Kater aus. Das Leben im Dorm ist eine Nervenprobe und ein Experiment auf der Suche nach größtmöglicher Anpassungsfähigkeit, Toleranz und den perfekten Ohropax.

Ich packe meinen Koffer:
Aus einem Rucksack zu leben, der 20kg fasst, ist schwer. Für ein Mädchen doppelt so sehr. Und alle paar Tage wird erneut Tetris gespielt und man zieht sich beim Rollen und Stopfen erneut eine Sehnenscheidenentzündung zu. Und irgendwie wird das Gepäck immer mehr. Ab und zu ist Frühjahrsputz angesagt, dann wird Inventur gemacht und alles auf seine Daseinsberechtigung kritisch überprüft. Nun sind Flip Flops aus- und eine dritte Strickjacke neu einsortiert worden. Denn Cordoba igelt sich bewölkt und bei 10 Grad mächtig ein. Außerdem wird man als Backpacker zum Chemiker. Regelmäßig steht man mit allerlei Tuben und Dosen im Bad und friemelt alles in kleinere Behälter um Gewicht zu sparen. Das dauert dann eine Stunde und danach fühlt man sich, als hätte man Feuer und das 3D-Kino erfunden.

Laundry-Christmas:
Ein ganz eigenes Kapitel verdient die Sache mit dem Waschen. Je weniger Klamotten desto öfter steht man vor der Frage, ob die Hose ernsthaft noch “tragbar” ist.
Option 1: Einfach so lange tragen, bis sich die Klamotten von selbst zersetzen und vom Körper fallen. (Soweit bin ich noch nicht.)
Option 2: Die im Vorfeld streberhaft besorgte Wäscheleine quer durchs Zimmer spannen und die Klamotten mit Handwaschmittel im Waschbecken waschen. Das Problem: Oft dauert es ewig bis die Sachen trocken sind, dann verliert man die Nerven und findet sich T-Shirt-fönend im Dormzimmer wieder. Ein sehr bezaubernder Das-glaubt-mir-zu-Hause-Keiner-was-ich-hier-mache-Moment.
Option 3: Die geliebte Laundry. Manche, also die guten Hostels bieten direkt einen Wäscherei-Service an. Da packt man dann alles, was nicht unbedingt benötigt wird in einen Beutel und gibt die Wäsche an der Rezeption ab. Wenn alles, wie hier in Cordoba fabelhaft läuft, findet man sich 12 Stunden später mit einem breiten Grinsen und Weichspülergeruch in der Nase wieder. Wie überall verbergen sich aber auch hier Risiken: Manche bekommen ihre Klamotten bei 60 Grad gewaschen und zwei Kleidergrößen kleiner zurück. Andere (ich) finden sich nach Rückgabe der Kleidung an der Rezeption wieder und müssen dem Hostelmanager auf spanisch (yeha) erklären welche Kleidungsstücke nun leider nicht mehr zurückgekommen sind, die man aber doch schon ganz gern wieder hätte.

Die Technik:
Ohne sie geht nichts. Das Heimweh lässt sich damit wunderbar verarzten. Außerdem ist das Internet bei der Planung unverzichtbar: Wo will ich überhaupt als nächstes hin? Fährt da ein Bus? Welches Unternehmen ist da seriös? Gibts eine Flugverbindung? Welches Hostel ist gut? Wie komm ich vom Busterminal zum Hostel? Wo will ich in drei Monaten hin und muss heut schon ein Visum beantragen? Was sagt eigentlich das Konto? Wie lautet die Hotline der DKB, denn alle Automaten spucken jede meiner Karten direkt wieder angewidert aus? Hat irgendwer meine Karte gefisht? Gibt es meinen Blog noch, oder hat wieder einer die Seite gehackt? (Wer ist grad bei Facebook online? Welche Quote hatte Hart aber Fair? Soll Lanz nun “Gottschalk Live” moderieren und Harald Schmidt “Lanz kocht”?)
Ein besonders großes Eis mit bunten Streuseln hat der Erfinder von Skype bei mir gut. Inzwischen habe ich schon in deutschen, argentinischen und U.S.-Amerikanischen Hotlines gehangen. Wofür? Das erzähle ich euch gern. So viel Zeit muss sein: Das Ramsch-Multi-Media-Unternehmen, das es bei der Namensgebung nicht unter einem Planetennamen macht, hat mir ein vermeintliches Quadbandhandy verkauft, welches sich hier nur noch als perfekte Diebstahlbeute eignet – denn es ist, natürlich, nur ein Dualbandhandy. Nun ja, nachdem ich das großzügige und der konkreten Situation natürlich völlig angemessene Angebot ausgeschlagen habe, extra nach Deutschland zu fliegen um das Handy dort zurückzugeben und mir mit Rabatt (Ui) ein wirkliches Quadband-Handy zu kaufen, haben wir uns nun auf die Rücküberweisung einer Teilsumme geeinigt.

Das ist der Alltag. Derzeit wird er noch genossen, denn bald begleitet mich mein Freund Internet für einige Zeit nicht mehr (- ist ihm zu anstrengend, tz, Lusche). Außerdem ist der Alltag besonders schön wenn man für Ende Juli die Flüge Mexico- City – San Francisco und L.A. – Rarotonga (Cook Islands) bucht.

8 thoughts on “Hinter den Kulissen”

  1. Die armen Billabongs und ich sag dir, wenn du zurückkommst ist der Rucksack voller Mützen. Und wo hast du Tetrismäßig jetzt den Schlafsack verstaut?

  2. Hey,
    Einen schönen Blog hast du da. Bin gestern Abend drauf gestoßen und hab nun alles durch. Schöne Bilder, schöne Texte und ein ansprechendes Design, Macht Spass hier zu sein 🙂
    Ich wünsch dir dann noch eine gute weiterreise und viel viel Spass noch in Argentinien und all den anderen tollen Ländern wo du dich noch hin verirren wirst 😉

    Gruß, Jensen

    1. Dankeschön. Die Freude ist auf meiner Seite, wenns gefällt. Die Weiterreise wird erstmal kalt, aber dafür warten großartige Momente. Grüße!

  3. Wow – ich kann nur sagen … “In 80 Tagen um die Welt” habe ich schon sehr gemocht, aber Dein Buch ist amüsanter und mind. genauso spannend. Weiterhin eine wundervolle Reise und viel Glück! LG, Thomas

    1. Vielen, vielen Dank. Ich hab dein Formular-Wirrwarr mal sortiert. Hoffe, das ist okay. Ja, jetzt brauch ich nur noch einen Verleger…

  4. hallo siola !

    Wir haben Deine Reiseberichte bis jetzt verfolgt und finden es sehr interessant.Falls Du in den nächsten
    Jahren wieder mal nach Hause kommst und nicht in irgenteiner Jurte hängen bleibst,laden wir Dich in unseren Garten ein,damit Du wieder mal was ordentliches zu Essen bekommst

    1. Ja, dann lasst uns doch Nägel mit Köpfen machen und ich sag euch hiermit verbindlich zum Grillen im Sommer 2013 zu! 😉 Viele Grüße!

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