Mexican Magic

Es ist soweit. Nach zwei Monaten verlasse ich Mexiko. Und Mexiko, du alter, feiner Herr mit den vielen Falten, dem Leuchten in den Augen und dem breiten zufriedenen Grinsen, hast es gut mit mir gemeint. Unvorstellbar, dass ich dich ursprünglich nur zwei Wochen besuchen wollte. Es wurden zwei Monate daraus. Vom ersten Tag an hat du mir Schokolade aufs Kopfkissen gelegt. Du hast mir Geschichten geschenkt, die sich in mein Herz gebrannt haben. Du hast mir die erste Welle meines Lebens geschenkt und ich habe sie gestanden. Du hast mich unter Wasser gezogen und mir dort Wunder gezeigt, von denen ich nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Mexiko, du warst geduldig mit mir und hast mir immer den Weg mit Händen und Füßen erklärt, wenn ich mich verlaufen habe. Und du hast mich mit Tacos versorgt, die mein Magen vermissen wird. Ich war bei dir als ich einen Bruder gefunden habe und du hast mir stabiles Internet geschenkt, den einzigen Weg um ihn schließlich in mein Herz zu schließen. Mexiko, du hast vor meiner Nase Rekorde gebrochen. Mit dir stand ich bis zu den Knien im Wasser und es hat mich nicht einmal gestört, weil du dabei so unfassbar schulterzuckend gegrinst hast.

Mexiko, du musst Zwiebeln in der Tasche gehabt haben, anders kann ich mir nicht erklären, dass du mich so oft zu Tränen gerührt hast. Du bist mir auf die Füße getreten und hast mich umgeworfen und ich habe Tage gebraucht, bis ich wieder aufgestanden bin. Und wahrscheinlich war das ein Test. Du hast mir das Herz gebrochen und dann plötzlich klebst du es wieder mit so viel Liebe und Mühe zusammen, dass es nun doppelt so groß ist. Als hättest du Dünger draufgeschüttet. Mexiko, du warst Wunde und Wunder in einem. Und ich weiß nicht, wie genau du das angestellt hast, aber ich hab dich dabei beobachtet, wie du gezaubert hast. Und es war kein Trick, es war Magie. Mexiko, du alter Herr. Du hast mich angeschaut und wusstest mehr als ich selbst. Und dann schickst du mir nicht nur zwei, drei Menschen, die mein Herz flüchtig streifen, du schickst mir 12 Menschen, die direkt in der großen Herzkammer einziehen. Und sie haben nicht mal ein Jahresabo abgeschlossen. Sie haben den Platz auf Lebenszeit reserviert.

Mexiko, als ich zu dir gekommen bin, hast du gesagt, ich werde dich mit der Zeit mögen. Und nun bin ich ganz verliebt in dich. Du hast mir ein Geschenk gemacht, von dem ich nicht wusste, dass es möglich ist. Aber du bist ein Magier. Und das Größte ist: Weil du weißt, dass ich dich eigentlich nicht freiwillig wieder verlassen würde, machst du mir den Abschied leichter, indem du mir die Wunder erneut im nächsten Land versprichst. Und ich kann es nicht abwarten, ihnen wieder zu begegnen. Mexiko, du hast mich verändert, zum Guten. Und wenn ich im Flieger sitze, werd ich dein breites Grinsen vor mir sehen. Du bist Magier, du weißt wahrscheinlich schon, dass ich zurückkommen werde. Das muss ich dir nicht sagen.

Mexican Magic – english version
It’s time now. After two months I’m leaving Mexico. And Mexico, you’re an old fine chap with many wrinkles, glow in your eyes and a special big smile. You meant well for me. Incredible, that originally I only wanted to spend two weeks with you. In the end it was two months. From day one you put some chocolate on my pillow. You gave me tales as a gift, that are now burned into my heart. You gave me the first wave of my life and I stood. You pulled me under water to show me wonders, I even didn’t know that they exist. Mexico, you was patient with me and explained me the way to go with hands and feet when I was lost. And you gave me tacos, oh my stomach will miss them. I was with you when I found my brother and you gave me a good internet connection, so that he could make his way into my heart. Mexico, you broke records in front of me. We were walking together in the streets, water up to our knees. And you just had this big smile on your face.

Mexico, I’m pretty sure you got onions in your pockets. There’s no other explanation how you could move myself to tears that often. Mexico, you jumped on my feet and you knocked me over. I needed days for trying to stand up again. And probably it was one of your challenges. You broke my heart and suddenly you fixed it with so much love and effort that now it is twice as big, as if you put fertilizer on it. Mexico you made wounds and wonders. And I don’t know how exactly you made it but I saw how you performed magic. And it definitely was no trick, it really was magic. Mexico, you lovely fine chap, you looked at me and knew everything. And no, you didn’t sent me two or three people who lightly touched my heart. You sent me twelve humans, that straightly moved into my big heart chamber. And they not just bought a monthly subscription, they booked this space lifelong.

Mexico, at the beginning you told me, I will like you. And look at me know: I’m completely in love with you. You made me gifts, I didn’t know they existed. And because you know that it’s gonna be hard for me to leave, you make it easier for me by promising me these wonders again in the next country. And I can’t wait to see them again. Mexico, you changed me, for the better. Mexico, you are a magician, so you probably already know that I gonna come back. There’s no need to tell this to you.

Emergency Supply

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Wenn es beim Reisen Tage gibt, die keine guten sind, dann hatte ich die bis vor kurzem. Irgendwie ist das Glas im Kompass so zersprungen, dass man orientierungslos von Ort zu Ort gehechelt ist. Und nirgendwo wollte man bleiben, weil man nirgendwo das gefunden hat, was man gesucht hat. Wenn man das überhaupt wusste.

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Die guten Menschen sagen, man soll mit offenem Herzen reisen, auch wenn es dann ein Leichtes ist, verwundet zu werden. Aber Wunden und Wunder liegen nah beieinander und manchmal kann man die Zwillingsschwestern von weitem zunächst gar nicht unterscheiden. In den vergangen Tagen hat man den Laden nach einem Diebstahl geschlossen und das Closed-Schild hing unmissverständlich in großen Lettern an der Glastür.

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Und in diesem Zustand kann man an den schönsten Stränden den Sonnenuntergang beobachten, man kann die besten Fisch-Tacos essen, man kann in den weichesten Betten schlafen, man kann von türkisesten Wasser geblendet werden und zwischen mandarinengroßen Muscheln im weißen Sand laufen – Es macht mit einem rein gar nichts. Reisen ohne geöffnetes Herz ist nur Ortsveränderung. Und da einen nichts rührt, wird man rastlos. Man guckt durch die Scheibe nach draußen und gut geht es einem dabei nicht. Kein Diebstahl aber Wärme spendet auch nur die Heizung.

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In sechs Tagen saß man in drei Bussen und zwei Fähren und hat in vier verschiedenen Hostels eingecheckt. Und auch nur beim Versuch den Laden wieder zu öffnen, ist man gestolpert oder hat auf dem Weg zur Tür zu viele Zweifel bekommen. So ging das nun ein paar Tage. Und dann passierte TULUM.

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Irgendwie hat man sich gerade an den Gedanken gewöhnt, die Klingel über der Ladentür erstmal nicht mehr so schnell zu hören und dann stürmen plötzlich dreizehn Menschen auf einmal zur Tür herein und bleiben so lange, bis man die Tür freiwillig abmontiert. Diese Menschen haben den Laden komplett auseinander genommen und auf großartige Weise wieder neu zusammengebaut. In drei Tagen haben sie sich mit so viel Leidenschaft für die Dinge, die wirklich zählen, Magie, Humor, Jam Sessions, Liebe zum Detail und guten Worten an der Raufasertapete im geöffneten Herz verewigt, dass einem die Sprachbilder ausgehen.

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Von morgens bis spät in die Nacht hat man die Zeit gemeinsam in der Sanduhr rieseln gesehen und keiner wollte irgendwo anders sein, als genau dort. Dreizehn Leute mit Rad auf dem Weg in die Stadt – wir waren legendär. Tauchen in der Cenote, den Proberaum beschallen, Reden darüber, wie die Welt sein müsste und was man selbst dafür tun muss, Kartenspielen, auf leere Bierdosen springen, gemeinsam unter der Dusche singen, weinen vor Freude, weil der Regen uns einen Tag mehr in dieser Gruppe geschenkt hat. Wenn es nur wenige gute Menschen gibt, dann zählen diese zu den besten, die man nur finden kann. Und so ist ein 12 minütiges Video entstanden, das sicher in Ton und Licht ausbaufähig ist, aber ich war auf diese Energie nicht vorbereitet und dennoch: Dieses Video ist für mich mein emotionaler Perser unter den Videoteppichen. Ich entschudige mich für Licht und Ton, nicht aber für Emotion, Magie und das Verliebtsein in jede Sequenz.

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english version, just for you guys:

If there are bad days while traveling, I had them a few days ago. It seemed like the glass of the compass was broken and I was drifting from one place to another. And there was no place where I wanted to stay because I didn’t find what I was looking for. Unsure if I really knew what it was.
Good people say, you should travel with an open heart, even though it becomes easy to get hurt. But wounds and wonders are twins and sometimes you can hardly differ between. Anyway, during the last days there was a steal and so I closed the door of my heartstore.

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And with a locked heart, you can see amazing sundowners, eat the best fish-tacos, sleep in comfortable beds, be dazzled by the beautiful turquoise colour of the water and can go for a walk in between mussels as big as apples. – It doesn’t touch your heart. Traveling with a locked heart is just change of places. And because there was nothing that really touched me, I became restless.
In six days I was sitting in three busses and two ferries and I checked in in four different hostels. And when I attempted to open the heart again I stumbled or had doubts. And then TULUM happened to me.

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Somehow 13 people overran my heart and stayed so long, that I had no choice to stay locked. They broke off everything and created everything new in an amazing way. During three days they eternalized themselves in my heart with humor, passion for the things that really matter, magic, jam sessions, love for detail, good words and so many hugs, that it’s hard to describe.

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We rode our bikes all together into the center – and we were legendary. Snorkeling in the cenote, doing jam sessions, speaking about how world should be and what we can do to make it better, singing while taking a shower and jumping on cans. And rain was with us, so we had one day more together. If there is only a few really good people, then they belong to the best of the best. – That’s how I became able to create a 12 minute video of energy and definetely the best days of my journey till now. That video is the emotional perser carpet of all my video carpets. I apologize for bad sound and light, but not for all the emotions, magic and falling in love with each scene. Guys, I told you – you fixed my heart!

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0 Promille Wahlbeteiligung

Heute ist ein großer Tag. Und das hat so gar nichts mit einem Ball und Haargummiitalienern zu tun. In Mexico wird heute gewählt. Dieser Information konnte man sich in den vergangenen Wochen schwer entziehen. Denn der Wahlkampf läuft hier eher guidomobilesk ab. Autos mit Boxen auf dem Dach heizen durch die Dörfer und versuchen einem mit Dezibel die Wahlentscheidung zu vereinfachen, kaum eine Mauer die nicht in bunten Farben für irgendeine Partei wirbt. Und dann sind da noch die Wahlplakate an jeder Ecke. Und die sind so plump wie amüsant. Da wird mit Kindern auf dem Arm, mit Daumen nach Oben, mit Mutti im Arm oder mit der Hand am Bauch der schwangeren Frau für die Partei gemenschelt. Und die Kandidaten posieren in so außergewöhnlichen Kostümen wie es in Deutschland nur Claudia Roth vermag.

Und in noch einem Punkt unterscheidet sich die Wahl in Mexico von der in Deutschland. Am Tag der Wahl und oft auch am Tag zuvor wird nirgends Alkohol verkauft. Mexico geht also nüchtern an die Urne. Und alle Backpacker dürfen das EM-Finale mit Wasser genießen. Vielleicht sollte man das in Deutschland durchsetzen. Könnte ja sein, dass dann mal die Guten die Wahl gewinnen.