Paradise-Credibility: Video Cook Islands

aitutaki15

Ja, sie haben mich durchgescannt, die Cooks. Wenn man nicht gerade unheimlich in sich ruht, schieben diese Inseln die Kuh an die dünnste Stelle auf dem Eis, werfen das Kind in den Brunnen und stellen Schäfchen in den Regen. Die Cook Islands waren Virenscanner, MRT, Rechtscheibprüfung,TÜV, Darmspühlung, Klassenarbeit, GEZ-Besuch , Verkehrskontrolle und Wind für ein Kartenhaus. Sie reißen ein, was ohnehin nicht auf festem Fundament steht. Aber: Sie setzen die Steine auch wieder neu aufeinander.
Die Cooks waren mein erstes Ashram auf dieser Reise und, man weiß noch nicht genau was, aber sie haben etwas mit einem gemacht.
Zu behaupten, die Cooks seien die atemberaubende, unglaublichste, surrealste, bezauberndste, großartigste, famoseste, unfassbarste real existierende Wandtapete, ist natürlich auch nicht falsch. Für die paradise-credibility gibt’s sogar den Videobeweis. Genau hier:

Nacktscanner Cook Islands

aitutaki28

Wenn man sich im Flieger auf die Cook Islands umsieht, trifft man vieles: wieder einmal zahlreiche Deutsche, Paare Mitte 50 mit Gürteltaschen und Hawaiihemd, frisch verheiratete Pärchen, die es kaum erwarten können, ihren Bettlakenschwan im 5 Sterne-Resort zu zerwühlen. Und dann war da ich. Unglücklich als würde ich einer Zukunft auf Alcatraz und Robben Island zusammen entgegen fliegen.

aitutaki14

Man hat gelernt sich nicht zur Vorfreude zu zwingen in solchen Momenten. Weil es nicht funktioniert. Man reist seit nunmehr fast sechs Monaten und wer das nicht selbst getan hat, kommt nicht umhin dieses Verhalten als undankbar, Leiden auf hohem Niveau und unangebracht zu bezeichen. Und jeder tut richtig daran. Es ist aber auch so, dass man sich nach sechs Monaten ab und an in Momenten verliert, in denen man mehr zurück als nach vorn schaut, in denen man Menschen will und keine Orte, in denen das Weiterziehen temporär verhasst ist wie 7 hungrige Mücken und 7 ausdauernde Schnarcher in einer Dormnacht auf einmal. Und das ist nicht gut und auch nicht schlecht. Das ist einfach so.

a_aitutaki9

Und dann stand man da, morgens sechs Uhr auf Rarotongas Flughafen und mächtige Männer mit mikrigen Ukulelen bestätigen nächtliche Urlaubsreportagen auf Phoenix. Der Flughafen kommt in seiner Größe etwa der Küchenabteilung im kleinsten vorstellbaren Ikea gleich. Ukulelenmänner, Blumenkettenfrauen – Cook Islands also. Rarotonga ist die Rush Hour der Cook Islands. Als größte Insel pulsiert hier im Vergleich zu den kleineren Inseln der Cooks das Leben. Das bedeutet nicht mehr als dass es eine Straße gibt, die kreisförmig die Insel umrundet und auf der stündlich ein Bus in beide Richtungen vorbeibremst. Rasen wäre hier völlig unangemessen. Ich gebe mein bestes und versuche den Slow Motion Rhythmus der Insel in mich auszusaugen. Für den Kaffee am Morgen brauche ich in den folgenden Tagen drei Stunden – vom Entschluss Kaffee zu kochen bis zum Spühlen der Tasse. Ich bin stolz darauf.

aitutaki4

Das Hostel liegt direkt am Strand. Die Olympischen Spiele wirken hier dank der Griesbreiempfangsqualität wie eine Dokumentation über die Spiele zu Blütezeiten Athens. Und 50MB Internet kosten hier 15Dollar. Aber die Menschen sind gut. Jeder winkt von seinem Roller und lächelt. Wer hier ernst guckt, muss große Probleme haben. Während man also auf Rarotonga neben den erblindend türkis farbenen Stränden allerlei Menschenkontakt hat, nachts im Sand unter den Sternen schläft, neue Palmenblätter ins Strandlagerfeuer wirft, mit lieb gewonnenen dreibeinigen Hunden um seinen Platz auf der Decke im Sand kämpft (erfolglos) oder nachts von der Town (3 Bars) zum ersten Mal im Leben zum Hostel trampt (erfolgreich), denn die Insel zu umrunden sind immerhin doch 32km, wartet mit Aitutaki der Nacktscanner für Seelen auf mich.

a_aitutaki11

Der Flug erinnert ein bisschen an Kai Pflaume. Alles ist so surreal und Sonntagabendwehmütig, dass man erwartet, gleich wird Olaf-Torben von seiner Silke überrascht, die dölfhundert Blumenketten quer über die Insel in Herzform gelegt hat. – Meine Fernsehkonsumvergangenenheit holt mich immer wieder ein. Wie auch immer. Ich habe Sitz 1A. Und das ist er auch. Meine Kamera schielt die gesamten 50 Flugminuten aus dem Fenster. Meer, Meer, Meer und dann: Palmen, so viele dass man nur schwer Sandboden sehen kann. Wir landen. Der Flughafen erinnert in seiner Größe nun nur noch an einen dieser blauen Ikea-Tüten. Dennoch: Blumenkettenfrauen und pfundige Ukulelenmänner. Auch das Tempo ist hier noch einmal mehr gedrosselt. Rarotonga ist der Usain Bolt der Cooks im Vergleich. Ich passe mich dem an. Meine Schilddrüsenunterfunktion kommt mir dabei zu Gute.

aitutaki36

Im Guesthouse angekommen, stelle ich zufrieden fest, dass ich der einzige Gast bin. Gut so, ich bin so unschlagbar im Menschen-Vermissen. Und das tue ich gerade sehr. Also brauche ich nicht noch mehr Menschen, die ich ohnehin bald erneut vermissen werde. Ich habe ein Doppelbett und keine Dormgenossen. Mein Rücken und meine Ohren sind im Paradies. Wären da nicht die Hähne, die jeden Morgen in einer Lautstärke krähen als wollten sie Menschen in Grönland wecken. Die folgenden Tage umrunde ich die Insel mit dem Fahrrad, schleuse mich erfolgreich als vermeintlicher 5-Sterne-Hotelgast auf kleine eigene Inseln, peitsche meine Pigmente zum Hauttyp Schwarzafrikanerin oder stürze mich mühelos in finanzielle Unkosten: Burger=8Dollar, Internet=15Dollar. Was ich aber vor allem mache, ist in einer Weise allein sein, wie man es wohl irgendwann im Leben mal sein sollte. Den gesamten Tag an einem einsamen Strand zu verbringen, zieht einem die emotionalen Schuhe aus. Was war damit wurde, was ist? Was war gut? Was soll nie wieder sein? Wer will ich sein und wenn ja, wo? Aitutaki zerschlägt mich in tausend Teile und ich verbringe die Tage damit, mich wieder zusammenzubasteln, Stück für Stück. Ab und zu kommen kleine Jungs vorbei und angeln ein paar Fische. Ab und zu kriechen ein paar Muscheln vorbei. Ab und zu weiß ich was ich will. Ab und zu weiß ich dass ich nicht weiß was ich will. Ab und zu drehe ich mich in der Sonne liegend um gleichmäßig zu verbrennen. Man muss das aushalten können. Man kann das lernen. Oder man kapituliert für einen Tag und kauft sich für 36 Dollar 150MB Internet. Dort im Post Office trifft man beim Surfen dann auch gleich wieder fünf Deutsche und mag dann doch wieder zurück zum Grübeln an den Strand.

aitutaki37

Aitutaki ist ein Nacktscanner für die Seele. Manch einer kommt lachend hierher und erhält sich das, manch einer fällt unbedarft hier ein und merkt, erst einmal auf sich selbst zurückgeworfen, dass da doch die eine oder andere Flüssigkeit mit mehr als 100ml abgegeben werden muss und manch einer kommt traurig hier an, wird tagelang zum alternativlosen Grübeln gezwungen, und verlässt die Insel mit einem klareren Kopf. Vor allem aber mit Bildern von einem Türkis, dass sich durch die Pupillen direkt in die Hirnrinde brennt, und das auf Lebenszeit.

[nggallery id=29]

USA – the video

Es ist schwer mit Worten zu sagen, was in den Staaten gefunden wurde. Und was ich dort gefunden habe, ist schwer ohne die Worte Familie, Liebe und Magie zu beschreiben. Und es ist unvorstellbar, nicht zu erwähnen, dass der Blues kam, nachdem ich das Land verlassen habe. Und wahrscheinlich wird mich dieser Blues wieder dorthin treiben. Insofern ist er sogar gut für etwas, irgendwie. Aber jetzt sind Worte noch nicht einmal nötig. Denn es gibt ein Video – in Farbe und in Liebe. Music choice is not by mistake, it’s by design! (Don’t hassel the Hoff)

english:
Hard to put into words what I found in the States. Hard to try it without using the words family, love and magic. And impossible not to mention the fact that the big BLUES followed after I left. But probably this Blues will lead me back to them. So it’s good in some way. But now there’s no need for words. This video shows everything. Music choice is not by mistake, it’s by design! (Don’t hassel the Hoff)

crossing borders

santa-cruz16

Als ich diese Weltreise vor zweieinhalb Jahren vom Luftschloss-Level auf solides Fundament gehoben habe, war eines der Länder die ich unbedingt besuchen wollte, die USA. Nachdem mich New York vor zwei Jahren umgehauen hat, wollte ich sehen, was San Francisco und Los Angeles vermögen mit mir anzurichten. Nun stellt sich heraus, dass ich nicht den Hauch einer Ahnung hatte, was ein guter Grund ist, um in die Staaten zu fliegen.

dodgers

Die vergangenen 11 Tage sind so schnell an mir vorbeigerauscht, dass mich der Verdacht beschleicht, jemand hat am ganz großen Zeiger gedreht. Während dieser Zeit habe ich nichtsdestotrotz beide Stäte gesehen. Und beide waren atemberaubend auf ihre eigene Art. Ich hatte die besten Reiseführer, die dieses Land zu bieten hatte. Sie haben mich über die Golden Gate Bridge gefahren, zeigten mir unglaublich hohe Bäume, wir haben gemeinsam großartige Sonnenuntergänge gesehen, sie haben mich ihren phantastischen Familien vorgestellt, ich bin mit ihnen die Mission entlang gelaufen, den Hollywood Boulevard, sie haben mir Bel Air und ihre frühere Uni gezeigt (wo derzeit übrigens Real Madrid trainiert), sie haben mich berechtigter Weise zu einem Hike hoch zum Observatory gezwungen um einen atemberaubenden Blick über Los Angeles zu bekommen, sie haben mich in die Welt es japanischen Reis-Eis-Wunders entführt (Ich lote die Chancen aus, damit in Tulum einmal Geld zu machen.), sie haben mich an des Deutschen liebsten Fernsehstrand Malibu gefahren und sie haben mir sogar die Baseball-Regeln am lebenden Dodgers-Beispiel erklärt. Und wenn das alles wäre, wäre ich schon ein glücklicher kleiner Flummy. Aber ich war auch in Charlotte. Und sie haben mir gezeigt, dass sich Magie wiederholen lässt, sie haben mir die Stadt mit der Vespa gezeigt, sie haben die Kunst Geburtstags-Cookies zu backen formvollendet, sie haben mir Bier und das Gefühl, zu Hause zu sein, geschenkt.

alvin-and-the-water

Ich habe mich in jeden dieser Orte schwer verliebt. Aber um ehrlich zu sein: Ich hätte diese Menschen am kältesten und hässlichsten Ort in Alaska treffen können, und ich hätte es geliebt, einfach weil ich diese Menschen um mich gewusst hätte. Ich hätte für immer bleiben können. Während dieser Reise habe ich kein Reiseland mit einem derart schweren Herzen verlassen. Vorher hat sich keine Stewardess erkundigt ob alles okay sei und mir ein Taschentuch in die Hand gedrückt. Und ernsthaft: In Sachen Abschiede bin ich die schlechteste Person auf Erden. Mein Herz ist für so etwas nicht gemacht. Ich muss also wirklich etwas ändern wenn das Herz weiterhin derart glüht. Ich habe absolut keine Ahnung wie die Geschichte enden wird. Alles, was ich weiß, ist, dass meine Vorstellungskraft gerade sehr kreativ (oder verrückt?) wird, wenn es ums Schmieden von Zukunftsszenarien geht. Vielleicht will ich auch einfach nur die Grenzen des Realisierbaren austesten. Aber vielleicht gibt es diese Grenzen auch nur in unseren Köpfen.

eduardo

ENGLISH

When I started planning this world trip, one of the countries that had to be visited was the States. Main reason for it was, that I really wanted to visit San Francisco and Los Angeles. Well, it turned out, that I had no idea what a good reason for entering the States was.

emma-and-daniel

The last 11 days passed so fast, that I’m pretty sure, somebody moved time fast forward. During these days I saw the two cities I wanted to see. And both of them were awesome in their own way. I had the best travel-guides on my side anyone could imagine. They passed with me Golden Gate Bridge, showed me incredible high trees, we shared amazing sundowners, they introduced me to their beautiful families, they showed me the Mission, Hollywood Boulevard, their universities, Bel Air, they forced me (thanks!) to do a simple hike to the observatory to get an amazing view over L.A., they showed me the world of Rice-Icecream-Balls (I figure out the chances of running this business in Tulum.), they drove me to the most important beach for Germans Malibu (sorry for freakin out there, Paolo!) and they even showed me the world of baseball. And thats not all: I was in Charlotte. And they showed me how magic can be repeated, they showed me the city during a vespa ride, they fullfilled the art of baking birthday-cookies, they gave me beer and the feeling of being home.

In the end, I fell in love with all the places I’ve seen during these days. But to be honest: I could have met them in the coldest and worst part of Alaska, and would have loved it. Just because I had these people around me. I could have stayed for ever. During this trip I never, never, never left a country with such a heavy heart and a stewardess asking me if everything is okay and giving me a tissue. And seriously, I’m the worst person who ever existed in leaving and saying goodbye. My heart is not made for situations like this. So I really have to change something. And I don’t know how this story ends. All I know is, that right now, my mind is getting more than creative (or crazy?) while thinking about options. Perhaps I just wanna check out the borders of reality. But perhaps there are only borders in our minds.

Pictures San Francisco
[nggallery id=36]

Pictures Los Angeles
[nggallery id=35]

Pictures THE PEOPLE
[nggallery id=33]