travel-pregnancy

brisbane5

Im achten Monat. Sieben Monate sind rum. Und dieses Reisebaby ist dermaßen in mir gewachsen, dass man die Klamotten, die früher so gut gepasst haben, abgelegt hat; und das sehr gerne. Rückblickend scheint es, als war damals alles so eng, so Tunnelblick, dass man von jetzt an da nie wieder hereinpassen will. Vor sieben Monaten saß man im Flieger, der Test positiv, sich dafür entschieden, wissend, dass von nun an alles anders wird. Und diese Reise ist so sehr ein Baby, es verändert sich ein Leben, wenn man sich dafür eintscheidet. Inzwischen ist alles dran am Reisekind und es ist theoretisch lebensfähig.

byron2

Und inzwischen sehen es die Menschen mir von weitem an. Ich bekomme Sitzplätze oder vielmehr ein Upgrade im Hostel angeboten. Und Familie und Freunde unterstützen mich mit so viel Liebe, Musik, Worten und Finanzspritzen, dass man noch gefühlsduseliger wird. Und die Anflüge von Was-mach-ich-hier-eigentlich-Übelkeit sind längst Geschichte. Auch der Heißhunger nach Alles-auf-einmal ist inzwischen verflogen. Ich habe Zeit und wenn Geld Blattgold ist, dann ist Zeit ein Goldbarren. Ich bin ohne Zweifel verliebt in dieses Reisebaby. Und es macht mich glücklicher als jede Entscheidung, die ich zuvor gefällt habe. Es lässt mich Dinge anders sehen, Wunder erkennen und Menschen lieben. Es zeigt mir, dass ich nur wenig von all dem wirklich brauche, was ich vorher für bedeutend gehalten habe. Und es bringt mich dem einzigen Ziel näher, das ich habe: Später einmal, kurz bevor der Vorhang fällt nichts zu bereuen.

byron3

english
Being eight months pregnant. Seven months behind me. And this travelbaby has grown so much, that it’s impossible to wear the old skinny clothes i was wearing a long time ago. Seems like everything was so tight, so tunnel view, that i never ever wanna fit in again. Seven months ago i was sitting in the aircraft, test result positive, knowing that everything will change from now on. And this journey became so much a baby, because it changed a life. By now the baby theoretically is ready for living.

p1040084

And meanwhile people can see my travelpregnancy. They offer me a seat or even better an upgrade in the hostel. And family and friends are already supporting me with so much love, music, words and cash injections, that i’m getting even more sentimental than i already am. The what-am-i-doing-here-sickness left long ago. Even the all-at-once-munchies is gone now. I got time and if money is beatgold, time is a big gold bar. Without a doubt i’m deeply in love with that travelbaby. And it makes me happier than every decision i made before in my life. It makes me looking different at things, realizing wonders, loving people. And it shows to me, that i need nearly nothing of all the things i thought they would be important in life. And it brings me close the only goal i really got: to regret nothing in the end.

[nggallery id=31]

Raustralien

sydney23

Australien, du machst es einem nicht leicht. Irgendwie schwankt man bei dir zwischen „ganz schön hier“ und „gehts noch?!“. Australien, du stehst im Supermarktregal auf Augenhöhe. Du bist das Teuerste weit und breit und jonglierst auf deiner bunten Verpackung mit großen Begriffen wie „Paradies“ und „traumhaftes Reiseland“. Dabei weiß ich doch, dass sich das Paradies nicht in deiner Nähe befindet.

magnetic7

Australien, dir müsste die Hose im Schritt schon reißen, so sehr machst du auf dicke Hose. Und: Ja, du bist schön, hast so manches zu bieten, was ich nicht missen möchte. Aber das steigt dir so zu Kopfe, dass du alle um dich herum bluten lässt, wenn sie dich haben wollen. Australien, du schneidest mir gerade dermaßen Löcher in die Hosentasche, dass es einem nicht nur vor Rührung die Tränen in die Augen treibt. Australien bisher rechne ich dir drei Dinge hoch an: Du hast mir zum Geburtstag Familie vorbeigeschickt, du hast Koalabärmädchen, die so charmant faul auf Bäumen schlafen, dass man in ihrer Gegenwart beginnt, in Kinderstimmen drölfhundert Mal „cuuuuuute“ zu rufen und du hast das üppig ausgestattete Sydney. Aber ehrlich mal Australien, du verkaufst dich ein bisschen über Wert. Irgendwann greift keiner mehr nach dir im Regal. Und dennoch weiß ich jetzt schon, dass mir das Herz wieder schwer wird, wenn ich dich verlasse. Und ich weiß auch warum: nicht weil ich die teuren Hostels vermissen werde, nicht wegen der teuren Inseln oder wegen des teuren Rests, den du zu bieten hast, sondern weil ich in einen anderen Flieger steigen werde als die Familie.

(Ach ja: Ihr könnt in ner Werbepause oder bei Langeweile oder gar bei Gefallen gern rechts über den orangefarbenen weg.de Link bis zum 18.9. für dieses Blogbaby abstimmen. Das Baby wird vergnügt grinsen vor Freude.)

[nggallery id=30]

stranger new zealand

new-zealand23

Man kann nun vieles behaupten, nicht aber, dass man Neuseeland wirklich kennengelernt hat. Neuseeland war der Gast auf meiner Party, den ein guter Freund mitgebracht hat. Wir haben uns einander kurz vorgestellt, ich hab ihm ein Bier angeboten und wenn er da so auf dem Balkon stand, sein Bier mit dem Feuerzeug geöffnet hat und dabei von seinem bisherigen Leben erzählt hat, hab ich das nur so halb mitbekommen. Ich war abgelenkt, hab mich an der Tür wehmütig von guten Freunden verabschiedet, die die Party schon verlassen und hab mich schon auf Familie gefreut, die jeden Augenblick vorbei kommt.
Neuseeland, ich bin froh, dass du hier warst. Die wenigen Sätze, die wir gewechselt haben, geben eine Ahnung davon, was für ein großartiger Mensch du bist. Aber irgendwie war das Timing schlecht. Zwischen neue Familie vermissen und kennenlernen, arbeiten, Pläne schmieden und auf Besuch freuen, bist du mir irgendwie durch die Lappen gegangen. Und dass wir uns diesmal nicht so richtig kennengelernt haben, tut mir umso mehr Leid, weil die Menschen sagen, du bist bezaubernd. Aber es besteht kein Zweifel, dass wir uns irgendwann mal im Supermarkt an der Kasse treffen und dann werd ich dich sowas von auf ein Bier einladen und erst wieder gehen, wenn ich dich wirklich gesehen und kennengelernt habe.

P.S. Sorry, liebe Vegetarier. Danke für alles, Monika!

new-zealand15

english
I can affirm a lot, but not that I really got to know New Zealand. New Zealand was the guest at my party, i offered a beer. We shortly introduced ourselves but we never really had enough time to speak to each other. I was too busy with spending time on missing new family, getting to know new family, working a bit, making future plans and being excited for family visiting me in couple of days. New Zealand, somehow it was bad timing. The few sentences we spoke to each other gave me an idea how great and beautiful you are. And there is no doubt, that if i meet you again someday, i’ll invite you to a beer and won’t leave till i really know you. Because, people who know you, told me, you are an amazing guy.
P.S. Sorry to all vegetarians. Thanks to Monika! You made my stay! And don’t forget: It’s just milk.

[nggallery id=34]

VIDEO: