Faulenz-Festival

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Die Tage laufen derzeit wie Schmuckverkäufer am Strand an einem vorbei. Sie machen kurz halt vor der eigenen Liege, wollen einen vom Vorhandensein des Wunschs nach zehn Armbändern zum Preis von fünf überzeugen, und ziehen dann träge durch den Sand weiter ihre Bahnen zum anderen Strandende.

Ich bin aus der Welt gefallen, hänge irgendwo an einem Fähnchen auf der Weltkarte. Und die Sonne grinst mich täglich ungläubig irritiert an, weil sie mich täglich an einem anderen Fähnchen gelehnt entdeckt.

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Die vergangenen Tage habe ich meinen Bewegungsradius dermaßen eingedampft, meine Beine nennen das nicht einmal mehr Laufen. Mein Bermudadreieck: Doppelbett – Terrasse – Supermarkt. Man muss die Einzelzimmer feiern wie sie fallen. In einem Leben voller Dorms und Bunkbeds lädt sich ein Einzelzimmer umgehend bedeutungsschwanger zu einem Zuhause auf. Innerhalb von 20 Minuten verbreite ich Klamotten, Getränke und Bücher quer im Zimmer. Hallo laut-Musik-hören, hallo Unordnung, hallo Mittagsschlaf.
Auf der Bettinsel liegt alles Benötigte in Reichweite verstreut und einem fällt gerade gar kein guter Grund ein, diese Insel zu verlassen. Ich habe einen Ort gefunden, der bereit ist, mir für ein paar Tage „Zuhause“ ins Ohr zu hauchen. Also spiele ich faulen Sonntag, nur ohne die Waschmaschine anschmeißen zu müssen.

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Nach mehr als 80.000 Kilometern Reisen und fünfmal den Äquator überqueren, ist dieses Faulenz-Festival so willkommen, wie ein Ventilator bei 40 Grad. Ich mache: gar nichts und davon viel. Wie bezaubernd. Dem Reis beim Wachsen zuschauen, ist noch die komplexeste Aktivität in diesen Tagen. Mein Puls verhält sich gerade umgekehrt proportional zum Meeresspiegel. Und genau das macht den Unterschied zum 14-Tage-Mallorca-hat-auch-schöne-Seiten-Urlaub. Ich bin nicht gehetzt. Ich habe Zeit.

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Das süße Nichtstun. Ich darf das. Es hat ja auch seinen Preis. Davon erzählt mir mein Konto ganze Geschichten drüber. Aber ich habe auch viele Dinge eingetauscht dafür, von manchen wusste ich gar nicht. Andere kaufen sich eine Einbauküche, ich freue mich über einen Wasserkocher, der mir Instant-Noodle-Konsum ermöglicht, andere unfassbar gute Menschen bekommen Kinder, ich, wenn ich Pech habe, einen Magen-Darm-Infekt. Das ist der Deal. Und bevor ich in die nächste Großstadt falle und mich wieder mit großen Augen rastlos durch die Straßen staune, professionalisiere ich das Nichtstun noch ein bisschen.

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Indonesien gehört zu den wenigen Menschen, die so unheimlich ausgeglichen in sich selbst ruhen, dass man ihnen am Liebsten erst einmal auf den Flokati kotzen will vor Empörung.
Zeit gilt hier als überbewertete Koordinate. Und Geld ist ein solches Nullsummenspiel, dass einem auf fast jedem der Scheine mindestens fünf Nullen anschielen. Wenn man den Straßenverkehr in Jakarta überlebt, verpassen einem Java und Bali Ohropax, die es in keiner Apotheke gibt. Prambanan und Borobudur – der größte buddhistische Tempel der Welt, erzählen einem, wie die Welt eine bessere sein könnte. Drunter machen sie es nicht. Und das dürfen sie sich auch rausnehmen. Und all diese klugen Gedanken die zwischen die Tempelmauern gespachtelt sind, hallen wie ein Ohrwurm im Kopf nach.

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In das Grün der Reisterrassen verliebt man sich so über beide Ohren, dass man das Grün jeder Ampel in Zukunft nicht mehr wird ernst nehmen können. Wahrscheinlich stürzt man sich an Kreuzungen zufünftig in leidenschaftliche Diskussionen darüber, dass das doch kein Grün sei und man also nun wirklich nicht fahren könne. Und dann riecht Indonesien auch noch in jeder noch so kleinen Gasse so gut, dass man mit der Nase immer heimlich etwas zu nahe nebenher läuft.

Indonesien, wo andere einem einen Termin in drei Monaten geben, steht bei dir schon die Wohnungstür offen und es liegen vor der Türschwelle schon hunderte Paar Schuhe quer übereinander. Und wo andere mit Reden beginnen, schlägst du erstmal Atmen vor. Und durch die Ohropax hört man sich erst einmal selbst so lauf atmen, dass man es kaum erträgt. Und irgendwann legst du einem die Hand auf die Schulter und dieses Hyperventilieren stoppt. Und es ist eine Frechheit, wie entwaffnend du auf alles eine einfache Antwort hast, die gleichzeitig das Klügste seit langem ist.

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Indoniesien, deine Kinder haben das breiteste Grinsen, das ich je gesehen habe. Ein Wunder, dass die Ohren noch nicht kapituliert und den Weg frei gemacht haben. Und wenn ich randvoll mit Zweifeln bin, dann schmetterst du mir entgegen, dass mein Name für dich Liebe bedeutet. Du verlangst von mir nichts, was ich nicht selbst von mir verlangen sollte. Du bringst mich dazu, Zweifel zu essen und von Katzen gekackten Bohnenkaffee zu trinken. Und dann ist beides auch noch gut. Wie gut, dass du mich noch ein bisschen bei dir wohnen lässt.

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english
Indonesia belongs to the people, who are so scary balanced, that you first wanna throw up on their flokati carpet to voice your indignation.
Time is here classified as an overrated coordinate. And money is here such a zero sum game, that each note has about five zeros after a number. If you survive the traffic of Jakarta, Java and Bali will start to do their magic with you. Prambanan and Borobudur – the world’s biggest buddhistic temple – are telling nothing less than how the world could be a better one. And all the smart thoughts lying in between the rocks of the temples are becoming a catchy song in your head.

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Then you start to be head over heels in love with the green of the rice paddies. Unthinkable that I ever will be able again to drive when the traffic light shows green – because that’s obviously no green anymore. And Indonesia is smelling so good, that you are always walking a bit to close with your nose next to it.
Indonesia, where others tell you, they got time in three months, the door is already open here and there are hundreds of shoes already lying in from of it. And where others start with talking, this country proposes breathing. And once you are in Indonesia you start hearing yourself that loud, that you first hardly can bear it. And what a cheekiness, that Indonesia seems to have a simple answer to everything, which is in the same time the smartest I ever heared.

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Indonesia’s children have the brightest smile that I’ve ever seen. Surprising that their ears haven’t given up yet and cleared the way. And if you’re full of doubts, Indonesia tells you, that your name means love to this country.
Indonesia, all you demand from me, is what I should demand from myself. And you even make me eat my doubt and drink cat-poo-poo-coffee. And unbelieveable: both is even good. I’m so lucky to be allowed to keep on living with you for a while.

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Australia – the video

Sydney Opera, Bondi Beach, Townsville, Brisbane, Cape Tribulation, Magnetic Island, Surfers Paradise, Byron Bay, Nimbin. – Man könnte so manches über all diese Orte sagen. Und irgendwie käme das auf einem Reiseblog gar nicht so unerwartet. Und nicht zum ersten Mal steht die Frage im Raum: Warum schreibt dieses Blogkind nicht einfach nur Tipps zu den Orten, an denen sie war? Und warum zieht sie sich stattdessen immer wieder das Herz aus dem Brustkorb und legt es, nicht einmal zum eigenen Schutz hinter Vitrinenglas, hier auf den Blog? – Die, zugegeben, bessere Frage. Und es ist nicht so, dass ich nicht schon einmal daran gedacht habe hier eine Mauer aus Panzerglas einzuziehen. Man scheitert nur immer wieder bei jedem Beitrag daran. Und das aus Überzeugung.

Dieser Blog ist kein verdammtes Reisemagazin. Und für jeden Eintrag gibt es im Grunde nur ein Gesetz: das Herz soll wie ein Schwamm ausgewrungen werden. Ohne Herz ist das alles doch nur der Buchrücken des Lonely Planet. Das hier ist kein Wandteppich, auf dem nie barfuß rumgesprungen wird, es ist kein Süßstoff sondern Zucker und schon gar nicht ist das hier Malen nach Zahlen. Dieser Blog sollte immer eine pure Hand voll Reis sein, der durch die Finger rieselt und kein Tütenreis mit Perforationsfolie. Und so absurd es sich für einen Reiseblog anhören mag: Es geht hier nicht ums Wo, es geht ums Wie. Ja, das ist ein Herz, das hier immer wieder offen hingelegt wird, mein einziges. Aber man kann nicht anders. Und will auch nicht.

In den vergangenen vier Wochen ist das Herz in Gesellschaft von Familie gereist. Und irgendwie hebelt das alle Konzentration auf Sehenswertes und Superlatives noch mehr aus. Familie macht Orte egal weil sie Eindrücke multipiziert. Insofern hätten die folgenden fünf Minuten durchaus nur auch aus drei Menschen bestehen können. Aber mit seinen Hippies, Koalas und Delphinen hat Australien es doch noch geschafft, unvergessen zu bleiben. Deticated to my sister. Loved it to share one month of this trip with you.

english
Sydney Opera, Bondi Beach, Townsville, Brisbane, Cape Tribulation, Magnetic Island, Surfers Paradise, Byron Bay, Nimbin. – There are some things i could write about these places. And somehow it wouldn’t be surprising if i did so, because this is a travel-blog. And not for the first time there is the question asked: Why does this travelkid not just give some advices for the places? And why is she always putting her heart in between every line of each entry, not even thinking of saving her heart behind bulletproof-glass? – Well, not that i never thought about keepin more distance in my entries. But the way i do it, is the way it feels right.

This blog is no f*ing travel-magazine. And there is only one law for each entry: the heart should be wrung out like a sponge. Without a heart it all would just be the spine of a loney planet. But this is no tapestry, on which nobody ever jumps around barefoot, it’s no sweetener – it’s sugar. This blog always should be a hand full of rice and no boil-in-the-bag rice. And it may sound absurd, but it’s not about „where“ it’s about „how“.

During the last four weeks this heart was surrounded by family. And somehow that made me concentrate less on sights and superlatives. Family makes places equal because impressions are multiplied. That’s the reason why the next five minutes could easily just show three people. But with its hippies, koalas and dolphins even Australia became kind of unforgetable. Deticated to my beloved sister. Loved it to share one month of this trip with you.

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