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Part 1

Neun Monate also. Neun Monate Wachsen, Reisen, Lernen und vom Leben so hungrig sein, dass man Gefühle für zwei isst. Nach irgendeinem Kalender wäre diese Reiseschwangerschaft also bald vorbei. Das Kind fertig, mit Kultur aus so vielen Ländern in den Adern, dass Heimat höchstens nur noch auf den Begriff Erde eingegrenzt werden könnte.
Doch dieses Reisebaby ist vieles, nur kein Mensch. Und deshalb dauert die Schwangerschaft hier zum Glück viel länger als neun Monate. Diese Reisebaby versucht an die Schwangerschaftsdauer von Elefanten ranzukommen. Dass der neunte Monat vollgestopft mit Thailand war, konnte besser nie passieren.
Thailand, du hast mich erwischt – erst auf dem falschen Fuss, dann in einem schwachen Moment und nun hast du dem Reisebaby noch was mitgegeben, wonach man sucht, womit man aber zur Schadensbegrenzung des angeschlagenen Muskels nicht gerechnet hat. Vor lauter Chaos hat man sogar oft vergessen, die Dinge mit der Kamera zu streifen. Das Beste lässt sich unmöglich angemessen abbilden. Das fängt keine Kamera ein. Aber genau diese Dinge, sind so sehr in die Hirnrinde gebrannt, die wird man dir nie vergessen.

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Thailand, Pferde kann jeder. – Du hast mich auf den Rücken von Elefanten geworfen. Und das im neunten Monat. Nach dem Trip: Der schönste Muskelkater meines Lebens.
Und Thailand, du hast dem Kind die versteckteste Ecke im Definitionsschrank der Begriffe Zufall und Fügung gezeigt. Vielleicht sind die Schubladengriffe manchmal einfach klebrig vor lauter Emotionskeule. Soll mal einer im neunten Monat reiseschwanger sein und sein Herz nicht wild schlagend wiederfinden. Dieses Herz ist nicht grösser als andere, es wird vom Reisen nur schwerer, vor lauter guten Menschen, vollgesaugt wie ein Schwamm. Dieses Gewicht mit sich rumzutragen, macht die Dinge zwar nicht leichter, aber um nichts in der Welt will man auf diese Pfunde Gewicht je wieder verzichten.
Thailand, du hast mich zwischen “Kapitulation” und “All in” hin- und hergeschleudert. Und du hattest Recht: Dieses Reisebaby ist ein All-Inn-Kind.

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english
Nine months growing, learning, with hunger for life. Somehow this travel-pregnancy should be over soon. But THIS kid is no human being. Its more like an elephant, so I got so much more time.
Spending the 9. month in Thailand was the best thing that could happen to me. And, BOOM, Thailand you not just surprised me, you totally got me. You showed me accident in mirror writing and you pushed yourself through until you reached the big muscle that didn’t want to let you in.
Thailand, so many things you showed me and I forgot my camera so often. But, to be honest no camera can keep these things but I wont ever forget them. Seems like Im soo gooey right now, but hey, this is nine months travel-pregnancy. This heart isn’t bigger than others. It just became heavier because of the people. And I love every pound of my heart. And If I can choose between “capitulation” and “all-in”, I definitely have to say: this travel-baby is an all-in-baby.

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same same, but different

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Man könnte meinen, nach mehr als 30 Stränden steht man irgendwann vor einem und kann damit gar nichts mehr anfangen. Denn im Wesentlichen sind sie alle gleich. Sonne, Sand, Wellen, Strandschirme. Aber irgendwie wird man nicht satt davon. Immernoch steht man nach einer langer Busfahrt im Hostel und es zieht einen als erstes an den Strand. Und im Halbdunkeln sitzt man dann da und freut sich über den weiten Blick, die gute Luft, das Wasser, das nie müde wird, sich alle paar Sekunden den Sand entlang zu hangeln. Und sie sind am Ende auch gar nicht gleich. Schon allein in Thailand: manche sind künstlich mit Strandliegen und Schirmen zugebaut, dass sie an Käseigel erinnern. Andere verstecken sich hinter Palmen. An manchen ist der Sand grosser Mist, an anderen das Müllproblem. An einigen steht eine Holzhütte neben der nächsten. Und am Ende gibt es immer eine Sache, mit der mich ein Strand endgültig kriegt, weil man ja auch nur ein Mädchen ist. Er muss im Westen liegen. Das bedenkt man spätestens bei der zweiten Insel, sowas. Und wenn man dann vor pink-orangefarbenem Himmel sitzt, kommt das breite zufriedene Grinsen. Und auch in Thailand war das wieder mal da.

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Thailand also. Irgendwann hat man dieses Land in der Hirnrinde unter „Mallorca Asiens“ abgelegt. Wenn man im Süden des Landes einerseits ein wenig auf die Socken-in-Sandalen-tragenden Touristen schielt, denen als Urlaubsmotiv ein Foto gemeinsam mit Ronald Mc Donald Figuren genügt, und andererseits das Heer Neonsonnenbrillen tragender Partypeople anschaut, dann ist da durchaus was dran. Aber nach Phuket, Ko Samui und erst recht nach Koh Tao, trifft man so viele Menschen, die aus dem Norden kommen und die versprechen Dinge, von denen man auf Mallorca nur träumen kann.

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Bisher meint es Thailand also sehr gut mit einem, schickt einem einen guten Menschen nach dem anderen vorbei. Und das wurde mal wieder benötigt. Und mit jedem Backpacker mit dem man abends am Strand bei Bier und Sternschnuppenzählen versackt, wächst die Vorfreude auf den Norden. Denn der soll nun aber wirklich mit dem Vorschlaghammer deutlich machen, dass das hier nicht Mallorca ist.

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english version
Normally I would think that after more than 30 beaches, they’re getting boring because in the end they are all the same. But: wrong. After a long bustrip I’m still excited and can’t wait to get to the beach. And then: great view, good air and the waves which are not getting tired of hitting the sand. And in the end, beaches are never “same same”. Some of them got beach chairs, some got palm trees, some got garbage problems. But the most important thing is: they have to be in the west of an island. Its so simple but that makes the difference. It’s the sundowners, baby. And it always happens the same: I’m looking at this great pink and orange of the sky and I’m getting this huge smile. And, yes, Thailand already made me smile.

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I don’t know why but I always thought Thailand is the Mallorca of Asia. Perhaps because of the white socks wearing tourists that are already happy to take a photo together with Ronald Mc Donald sitting on a bank on the one hand and because of the alcohol in buckets drinking party people. But after Phuket, Ko Samui and especially Koh Tao, I met so many people, who promise that in the north of Thailand there are things waiting, which you never gonna find in Mallorca.
However till now Thailand treated me good and sent me one good person after another. And with every night on the beach where I count shooting stars, I cant wait to go north.

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bEAT IT

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Wenn es neben dem Herzen ein Organ gibt, das auf Reisen Muskelkater vor lauter Herausforderung bekommt, dann ist es der Magen. Ab und zu ist er der Headliner beim kulinarischen Reisefestival und verliert sich in Euphorie wenn er die Bekanntschaft mit phantastischem Straussensteak aus Südafrika macht, argentinische Empanadas für sich entdeckt, Lamasteak geniessen darf oder gar nicht genug von den keinesfalls zu hoch gelobten, unvergessenen, legendären, grossartigen mexikanischen Tacos bekommt.
Aber manchmal ist der Magen auch irgendwie der letzte Festivalgast, der verkatert im Zelt rumliegt während alle anderen schon weg sind. Das ist unvermeidbar, wenn man durch Länder reist, die nicht zu den so genannten 1.Welt Ländern zählen. Bezaubernder Weise wachsen einem genau diese Länder aber auch am meisten an Herz und Magen. Ob nun der berühmte Oaxaca-Käse, peruanisches Meerschweinchen, Obst vom lokalen Marktstand oder australisches Bier. – Der Magen dreht sich aus vielen Gründen spektakulär um wenn man reist. Und spätestens wenn man drei Tage unbeweglich im 24er Dorm liegt, lenkt man dann mal eine zeitlang ein und, ja, hält sich ans kleinere aber risikominimierte Übel: Fast Food. Zumindest so lange bis der Magen wieder grünes Licht zum Stage Diving gibt.

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Ein Kapitel für sich sind Insekten. Nachdem die Grashüpfer in Mexico dank Chilli und Zitrone besser als gedacht waren, gabs in den ersten Tagen in Thailand das ganze Programm. Maden, Würmer, undefinierbares Fliegengedöns, bekannte Grashüpfer und – das ist wohl die Königsdisziplin – Kakerlaken. Und der Magen war grosszügig. Dennoch lässt sich die Frage der Frage schwer beantworten. – Es schmeckt nach nicht viel und 99 Prozent des verzerrten Gesichtsausdrucks beruhen auf anerzogene Skepsis und die ungewohnte Vorstellung, dass man nicht Spinat sondern ein Grashüpferbein zwischen den Zähnen hängen hat. Einen Versuch ist es allemal wert.

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Denn auch dafür wird ja gereist. Den Kopf aufmachen, das Herz ebenso und über den berühmten Tellerrand schauen. Und auf dem Teller nebenan liegt halt auch anderes Essen rum. Also: Alles probieren, was einem so über den Teller läut? – NEIN. Ich habe meine kulinarischen Grenzen in Thailand kennengelernt. Wenn man einen lokalen Markt besucht, findet man sehr schnell etwas, das sich unter keinen Umständen dem eigenen Magen nähern wird. Das mag daran liegen, dass in den Märkten, um Freshness-Credibility zu suggerieren, mehr als 50 Prozent der zum Verspeisen angebotenen Tiere noch leben. Weitere 40 Prozent sind bereits tot aber angesichts der Präsentationsform indiskutabel. Dazu zählt etwa halbiertes Huhn, bei dem sämtliche Organe und ungelegte Eier freigelegt sind, Huhnherzspiesse oder aber Frösche, denen bisher lediglich die Haut abgezogen wurde. An Tagen wie diesen tut es auch ein vegetarischer Salat.

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english version

bEAT IT

If there is beside the heart any other organ, that has to do some tough challenges while traveling, it definitely is the stomach. Sometimes this stomach feels like the headliner during a festival, for example when he gets a fantastic steak of ostrich in South Africa or lama in Bolivia, Argentinian empanadas or incredible good, legendary, all time favourite tacos in Mexico.
But sometimes the stomach seems like the last hangover festival visitor, because eating in so called non 1.world countries sometimes means problems. Funny that exactly these countries are the ones my heart and stomach fell in love with. The famous Oaxaca–Cheese, guinea pig in Peru, fruits of some local markets or Australian beer. – There are different reasons why a stomach freaks out sometimes. And after three days of lying in bed I always prefer bad boy fast food as long as necessary.

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Vermin are a special chapter. After I tried grasshoppers with chilli and lemon (of course) in Mexico, Thailand offered me the whole range of vermin. Maggots, worms, grasshoppers, flies and – now comes the premier league – cockroaches. And my stomach has been patient. But to be honest: it all tasted nearly like nothing. The only reason why it’s weird eating things like that is, that we aren’t used to this and the fact that we don’t have spinach in between our teeth but a leg of a cockroach.
In the end that’s one reason why I’m traveling. Open the head, open the heart, and, yes, also the stomach to new things. But that doesn’t mean I’m able to try everything I find on my way. I found my personal No-Go. And that’s easy to find when you enter a local market in Thailand. It may be the fact that more than 50 per cent of the animals in the food market are still living, probably for some freshness-credibility-reasons. Another 40 per cent are already dead but the way they are looking makes it impossible to eat them: half of a chicken, of which you can see all organs and even eggs, chicken-heart-spits or frog without skin. Days like these are perfect for a vegetarian salad.

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Sagrotan-Stadt Singapur

Ich bin unentschlossen. Nach dem ersten Aufenthalt in Singapur weiss ich nicht, was ich von dieser Stadt der Zukunft halten soll. In einem Moment möchte ich mein Zentrum für logisches Denken abschalten, denn das braucht man hier nicht, und mein Nasi Goreng zufrieden vom sauberen Metroboden essen. Und im anderen Moment liegt mir nichts näher, als aus vollster Überzeugung und Blase Kaugummi kauend in einen Fahrstuhl zu pinkeln. Denn, ja, sogar Dinge wie diese sind hier gesetzlich geregelt und damit offiziell verboten. Schon mit dem Import von Kaugummis erarbeitet man sich hier Verbrecher-Credibility.

Wenn man sich 2012 an den Schreibtisch setzt und die Stadt der Zukunft entwirft, kommt man wahrscheinlich unweigerlich bei einem Konstrukt raus, das dem heutigen Singapur ähnelt. Diese Satdt ist sauberer als es ein Operationstisch in Indonesien je sein wird. Parks, Einkaufsstrassen, Malls, Bankenviertel – Dreck ist hier eine bedrohte Art. Alles ist so sauber, dass man sich schon bald dreimal täglich duschen will um dem gerecht zu werden und mithalten zu können. Das alles ist eine gute Sache und wenn man nach so manchem staubigen, stickigen Dorf in diese Stadt fällt, erinnert man sich schnell an die unendlichen Weiten der Definitionsvielfalt von Sauberheit.
Das Metrosystem ist so optimiert, dass man nur noch wie eine Ameise mit der Masse schwimmt. Selbst der Instinkt kann meistbietend verschenkt werden, denn Unmengen an Schildern, Lichtern und Lämpchen reduzieren die Wahrscheinlichkeit, sich zu verfahren auf 0,0001 Prozent. Singapur ist ohne Zweifel eine schöne, durchdacht gebaute Stadt, mit all den Lichtern und Springbrunnen und gebonerten Böden.

Und dennoch: Vor lauter Schildern und formvollendeter Infrastruktur kann ich mich gar nicht mehr verlaufen. Und zu meiner eigenen Überraschung fehlt mir das. Nicht einmal an der falschen Seite der Metro kann ich stehen und erst beim Halten merken, dass der Ausstieg auf der anderen Seite ist. Denn das wird mir gesagt und das wird mir vorher von Lampen signalisiert. Und sicher erinnere ich mich noch an das wütende „Gehts noch?!“ , dass ich in Deutschland im RE1 dem neben mir sitzenden Siebtklässler mit Starwars-Tornister an den Kopf geschmettert habe, nachdem er dreimal wild durch die Bahn genossen hat. Aber ob ich die Singapur-Sensibilisierungs-Offensive bevorzuge, bei der alle Haltestangen und –triangel n in der Metro mit Comic-Bakterien und Comic-Schnodder beklebt sind und wo grossflächig zum Niesen in ein Taschentuch angehalten wird – Ich habe Zweifel.

Ich hänge einfach sehr an der Angewohnheit, zu Denken. Und Pampern ist schön, aber Abhärten doch irgendwie auch. Vielleicht komme ich zu einer abschliessenden Meinung über diese Stadt, wenn ich bald wiederkomme. Aber je mehr ich in diesen Sagrotan-Metros stehe, desto mehr vermisse ich die überfüllte Metro von Mexico City, die mich stets nur schweissgebadet, reizüberflutet, orientierungslos aber stolz, überhaupt angekommen zu sein, liebevoll wieder ausgespuckt hat. (Ja, liebe Menschen, die sich noch an meine hypochodrischen Panikzustände und Sagrotan-Vorräte angesichts der EHEC-Zeit erinnern: traveling changes people!)

english version

Sagrotan-City Singapore

I’m still double-minded. After the first stay in Singapore I don’t know what to think about this city of future. On the one hand I want to switch off my logical thinking (because I really don’t need it here) and eat my Nasi Goreng from the clean floor of the metro. But on the other hand I would appreciate it just for fun to pee in an elevator while chewing chewing gum. Because, yes, they’ve got even for things like that laws here. Even the import of chewing gum increases your crime-credibility.
If you think about how cities gonna look like in future, there’s no other way than end up with Singapore. This city is cleaner than any operation-desk in Indonesia. Parks, shopping streets, malls, financial districts – dirt is hard to find. Everything is clean in a way that I feel like I have to take a shower three times a day to feel like I belong here. That’s a good thing I guess. Singapore sets a benchmark for cleanness. There are so many lights and signs while using the metro – the chance to get lost in Singapore is about 0,0001 per cent. Without a doubt, Singapore is a beautiful city and elaborated built.

But: perhaps I’d like to get lost sometimes. I miss that. The straight ways isn’t always the best one. And yes, I can remember the times when I was sitting in a train in Germany next to a 13-years-old guy screaming to him “are you kidding me?!” when he sneezed all over the train. But I don’t feel more comfortable when they print comic-virus and comic-snot all over the metro to make you remember using a tissue.
I just really like thinking. Perhaps I will get a final opinion about Singapore when I come back in couple of months. But the more I am standing in these Sagrotan-metro the more I miss the crowded metro of Mexico City that made me sweat, losing orientation but proud to finally arrive. (Yes, beloved people back home, still remembering my hypochondriac panic und stocks of Sagrotan when there was EHEC: traveling changes people!)