Rock’n’Roll in Vietnam

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Thailand. Boom. Und dann fliegt man raus aus Bangkok. Übermüdet, mit Übergepäck im Burstkorb und dann auch noch bei Regen. Und irgendwie ist trotzdem alles gerade unheimlich famos. Damit kommt man sich vor wie in einem Mittelklasseroman, der es auf Bestsellerlisten zwar nie bis ganz nach oben schafft, sich dank schmökerfreudiger Best-Ager-Frauen aber über Jahre stets in der Liste hält. Vietnam, also. Saigon. Und man wird aufgeregt. Hier wartet nicht nur ein fremdes Land sondern auch Freunde, auf die der Begriff Familie ohnehin viel besser zutrifft. Und diese Familie meint es gut mit einem, bucht ein Vier-Sterne-Hotel für eine Nacht. Es ist ein Kodakmoment, wenn man dann da schwitzend mit Backpackerrucksack und 2Dollar-FlipFlops reinschlunzt. Und dann nimmt einem der Portier den Rucksack ab, man wird in die weichen Polster der Lobbysessel komplimentiert und bekommt auch noch einen Welcomedrink in die Hand gedrückt. Diese Welt ist surreal und mir seit neun Monaten fremder geworden denn je. Aber irgendwie ist das RocknRoll und dann gibt man sich seinem Schicksal hin. Im Zimmer bekomme ich dann die Eigenheiten diverser Geräte erklärt. Spätestens seit ich die Dusche beim Schielen ins Badezimmer entdeckt hab, ist an Zuhören aber nicht mehr zu denken. Das Ding erinnert an vieles: Star Trek Beamer, Zeitmaschinen, stehende Solarien. Aber Duschen geht wohl auch. Dann macht man das mal.

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Und dann kommen die Mädels und handeln erstmal die Kioskmutti mit dem Bierpreis gekonnt runter. Als dann im Hotelzimmer Original Lidl-Wein aus der Tasche gezogen wird, menschelt es ausufernd. Das ist Freundschaft. Neben Hotelzimmerverwüstung (Stichwort: Rock n Roll Credibility) wird die ohnehin schon fortgeschrittene Gefühlsduseligkeit nun endgültig von der Leine gelassen. Ein Video mit Freunden und Familie aus der Heimat. – Man braucht nun definitiv mehr Wein und Bier. Die Minibar wird geleert und dann mit günstiger gekauftem Kioskbier wieder aufgefüllt. Profis, die Beiden.
Am Morgen danach wird am Frühstückstisch über das weitere Vorgehen der Hotelangestellten mit unserem Zimmer nach dem Checkout gemutmasst. Eine zweitägige Quarantäne kommt uns dabei nicht abwegig sondern vielmehr angebracht bis wahrscheinlich vor. Rock n Roll ist aber kein Rock n Roll ohne Bademantel. Deshalb wird vorm Auschecken noch mal ne Runde im Hotelpool auf der Dachterasse gedreht. Das süsse dekadente Leben. Fast wäre es einem abhanden gekommen. Die letzten Minuten werden dann im Zimmer ausgeschöpft bis die Rezeption einen freundlichen Checkoutaufforderungsanruf tätigt. Aber es braucht halt Zeit, bis man das doch eigentlich auch bezahlte Duschbad, Shampoo, Rasierer, Nagelfeilen, Conditioner, etc. im Backpackerrucksack verstaut hat. Für Bademantel und Hauspuschen war leider kein Platz.

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Und dann fällt man wieder in ein Dorm, tropfende Aircon, Gedränge im Bad, quietschende Bunkbeds aus Metall. Und irgendwie ist es doch auch wie nach Hause kommen. Und diesmal mit ein bisschen Familie. Und mit der will man ja auch was sehen. Also ganz oben stand Halong Bay auf der Liste. Und was soll man sagen, grosses Kino, vor allem wenn das Wetter mitspielt. Und wieder: RocknRoll in der Kajüte. (Ja wirklich, diese beiden vorangegangenen Sätze sind alles, was es in diesem Eintrag über Halong Bay zu lesen gibt. Ja, das ist ein Reiseblog. Aber nein, es ist nicht der Lonely Planet.)
Danke schon jetzt fürs Besuchen, für dieses Hotel, für diese offenen Ohren, fürs Familiesein, fürs Verständnis in diesen Tagen in denen ich neben mir stehe und für den RocknRoll.

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