2-Rucksack-Apartment

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Derzeit wird vom Reisen eine Pause eingelegt. Zurück im alten Leben. Rebürokratisierung auf deutschen Behörden. Rekonstruktion des sesshaften Lebens. Reaktivierung des Fernwehs. Resozialisierung. Eine Sache, die einen wohl am meisten Umstellung abverlangt, ist ein Klingelschild mit dem eigenen Namen. Ich kann mich noch immer nicht daran gewöhnen. Briefkasten, Wohnung, Stromvertrag, Internetanschluss. Farewell Freiheit. Wenn jetzt geputzt wird, dauert das den ganzen Tag, Zimmer für Zimmer. So viel, was man gar nicht braucht. Die chaotische Ordnung des einzigen Hab und Gut während der Reise wird mächtig vermisst. Bei nur zwei Rucksäcken wusste ich stets wo ich alles finde. Nun durchsucht man immer eine ganze Wohnung. Nichts macht so frei und unabhängig wie ein gut sortiertes 2-Ruck-Apartment. Hier nun ein paar Tipps für diejenigen Glücklichen, die kurz vor grossen Reise stehen:

Die Eier legende Wollmilchausrüstung – Muss das sein?

Guter Anfang ist schwer. Man plant eine Reise und die Vorfreude treibt einen immer wieder in diverse Backpackertempel. Denn man ist deutsch und will auf alles vorbereitet sein. Und so tigert man überfordert aber mit grossen Augen durch die Outdoorläden. Und die haben ALLES. Zugegeben, man kann hier locker 2000 Euro lassen. Aber braucht man das alles? Werde ich erfrieren wenn ich keine Jacke kaufe, in der mehr Technologie steckt als in einem Flugzeug? Werde ich verdursten, wenn ich keine Uhr mit eingebautem Kompass kaufe? Werden mich meine Füsse auch ohne Multiatmungsaktive Strümpfe um die Welt tragen? – Die Antwort ist: JA. Wessen Budget also begrenzt ist, sollte die Kreditkarte beim Backpackertempelbesuch lieber zur Sicherheit zu Hause lassen. Doch natürlich habe auch ich Schätze in meinem Rucksack gehabt, die recht schnell wegen Überflüssigkeit wieder rausgeflogen sind. Allen Voran: ein Packsafe. Schon der Name animiert zum Kauf. Wer teueres Equipment dabei hat, wie Laptop oder Kamera wird leicht anfällig für solche Produkte. Das Pacsafe ist im Wesentlichen eine mit Drähten durchwobene flexible Tasche, die man mit Schnur und Schloss an Heizungen befestigen könnte. Das gibt Sicherheit, dachte ich. Wenn man mal schnell duscht, erschwert das Pacsafe den Diebstahl. Die Praxis: Ich habe es nicht einmal benutzt. Denn tatsächlich besitzen mittlerweise fast alle Hostels auf der ganzen Welt Schliessfächer.

Doch auch manche Backpackerklassiker habe ich schnell verbannt. Trekking-Hosen stehen wohl auf jeder Liste. Ich habe sie stehts gemieden. Wenn man lange reist, will man nicht immer wie ein Backpacker aussehen. Also: Jeans rein. Auch Geldkatzen habe ich schnell verschenkt. Die Grundidee ist eine Gute, tatsächlich sieht man diese Taschen jedoch wirklich immer unter den Klamotten. Diebe mit Augen haben also leichtes Spiel. Für mich selbst überraschend: meine Regenjacke habe ich seit dem Packen erst nach der Rückkehr wieder gesehen. Denn nichts ist so erfrischend wie ein gepflegter Tropenregen. Und Wasser tut nicht weh.

Die grosse Packliste:

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Reiseschmeichler – Unverzichtbares und Dinge, die den Reisealltag erleichtern

Flugsack – Er hat mir an so manchem Flughafen Aufschlagskosten fürs Gepäck erspart. Denn wenn der Rucksack in der Eile wenig platzsparend gepackt wurde, kann der Flugsack einem noch zusätzlichen Staurraum verschaffen. Auch wenn der Rucksack noch so prall gefüllt in den Flugsack gepackt wird, für ein Paar Trekkingschuhe findet man im Zwischenraum immernoch Platz. Und auch bei langen Busreisen in alten, Tüv-bedenklichen Bussen, hab ich den Flugsack schätzen gelernt. Während der Sack nach der Fahrt in roten Staub getaucht war, blieb der Rucksack sauber.

Unheimlich Platzsparend und leicht ist ein Travel-Towel. Ein klassisches Handtuch nimmt bei einer Weltreise zu viel Platz. Reisehandtücher sind jedoch leicht und erfüllen dennoch ihren Zweck.

Wer einmal in Dorms geschlafen hat, hasst raschelnde Plastiktüten. Vor allem um 6 Uhr morgens. Zimmergenossenfreundlich ist es also, Unterwäsche und Co in Stoffbeutel zu packen.

In das Kapitel Wie-mach-ich-mir-Freunde-im-Schlafsaal gehört auch die Stirnlampe. Wenn man nachts 3Uhr vorm Aufbruch nach Machu Picchu doch noch was im Rucksack vergessen hat, muss man nicht das Zimmerlicht bemühen. Klingt komisch, ist aber echt nützlich, auch bei nächtlichen Busfahrten, bei denen das Licht der Toilette nicht funktioniert.

Nicht alle Zimmergenossen sind so rücksichtsvoll wie man selbst. Um auch im versehentlich gebuchten Partyhostels etwas Schlaf zu finden, sind Ohropax Gold wert. Auch bei Nachtfahrten im Bus hilfreich, wenn der Fahrer eine Schwäche für Trommelfellgefährdend gepegelte Actionfilme oder vietnamesische Schlager hat.

Es kommt vielleicht lange nicht zum Einsatz. Wenn, dann lernt man sein Schlafsackinlet aber lieben. Der perfekte Kompromiss, wenn man keinen Platz für einen ganzen Schlafsack hat. Das Inlet wärmt bei abenteuerlichen Fahrten in indischen Nachtzügen und beruhigt das deutsche Hygieneempfinden in abgeranzten Hostels.

Ob Duschbad, Shampoo oder Co, Zipbeutel vereiteln hervorragend ein Schaumschlagen im gesamten Rucksack.

Eine Annehmlichkeit, die nicht lebensnotwenig aber doch ganz nett ist. Eine Wäscheleine quer durch den Dormbalkon gespannt macht Freunde. Wenn der Reinigungsservice leider nur bedeutet, dass die eigene Wäsche neben der privaten M im örtlichen Fluss getaucht wird und die Wäsche danach noch mehr riecht, ist eine Wäscheleine Trumpf.

Ein absolutes Muss ist ein eigenes Schloss für den Safe. Fast jedes Hostel hat einen. Um sicher zu sein, sollte man sein eigenes Schloss dabeihaben.

Keine Reise ohne Geld. Der beste Reisebegleiter ist die Kreditkarte. Im besten Fall kann man weltweit kostenlos Geld abheben. Damit haben Travellerchecks entgültig ausgesorgt. Sinnvoll ist es auch für Notfälle eine zweite Kreditkarte dabei zu haben.

Ich selbst wurde zum Glück von Überfällen verschont. Wer weiss das er sich aus Mangel an Alternativen auf berüchtigte Busrouten begeben muss, bei denen es oft zu Überfällen kommt oder wer oft nachts unterwegs ist, kann sich eine Fake-Geldbörse zulegen. Mit abgelaufenen Kreditkarten, etwas Geld in Landeswährung und vielleicht sogar einem Familienfoto bestückt, macht sich der Dieb aus dem Staub ohne wirklichen Schaden anzurichten.

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Falttechnik oder Reinstopfen?

Wenn man alles zusammen hat, kommt die Königsdisziplin. Das Packen. Man muss daraus keine Wissenschaft machen. Dennoch gilt: Wenn man schon von der Zweiraumwohnung auf die Zweirucksackwohnung umsteigt, sollte man eine grobe Logik beim Packen verfolgen. Denn nichts ist so nervig, wie ewig nach dem gesuchten zu kramen. Tipp 1: Den Rucksack nicht so voll packen, als begibt man sich auf einen anderen Planeten. Fast alles lässt sich beim Reisen nachkaufen. Eine Familienpackungen Kontaktlinsenflüssigkeit und Ersatzflipflops sind einfach nicht nötig. Vieles ist in den Reiseländern sogar günstiger. Ausserdem ist das weltweite Netz an günstigen Wäschereien so engmaschig wie das hiesige Apotheken-und-Bäckereifilialen-Überangebot. Hinzu kommt, dass das mancherorts sogar in 2 Stunden erstklassig angeboten wird. Also: Waschen statt den gesamten Kleiderschrank mitnehmen. Tipp 2 : Wenn man dann das ausgewählte Gepäck verstauen will, gilt: Stopfen bedeutet man macht es doppelt. Für mich hat sich die Rolltechnik bewährt. Einfach alle Klamotten zu Würsten rollen und dann nach und nach in den Rucksack stapeln. So spart man wohl den meisten Platz. Tipp 3: Nein, er wird nicht überbewertet: Der Fronteingriff am Rucksack. Er hat mir Nerven und Lebenszeit gerettet. Auch wenn man noch so gut rollt und stapelt, am Ende braucht man ja doch immer das, was sich grad ganz unten im Rucksack befindet. Der Frontaleingriff funktioniert den Rucksack spontan zum Koffer um und spart Zeit beim Suchen und Finden. Tipp4: Es ist wie beim Frühjahrsputz zu Hause in der Heimat. – Immer mal wieder ausmisten, hilft. Papierkram, Tickets, Müll- raus damit. Wenn man hochwertige Fotos schiesst, sollte man die immer mal wieder auf USB-Sticks sichern und vielleicht netten Deutschen mit nach Hause geben. Nichts ist so ärgerlich wie der Verlust von Fotos der drei zuletzt bereisten Länder.

 Dieser Blogeintrag wurde auf Nachfrage von deals.com und weg.de erstellt.