Kurztripjauchzen

amsterdam1

Rucksack packen. Yeah. Das Reiseherz bekommt eine Sauerstoffdusche. Endlich ist der Fisch wieder im Wasser. Gut, nur für ein paar Tage. Aber Ausland ist Ausland. Und in Europa ist die Grenze nie wirklich weit.

Schon die Planung hat viel Schönes. Niederlande, Frankreich, Italien? Alles so nah. Die Übernachtungskostensozialisierung durch Bolivien, Thailand und Indien im Hinterkopf versaut einem aber schnell die Laune. Eine Nacht in Amsterdams Hostels ist eine Woche in Puerto Escondido wert. Was tun? Die letzten lauen Spätsommernächte einfach zwischen Coffeeshops und Krachten in Amsterdam unter freiem Himmel verbringen? Eine Ferienwohnung in Paris buchen? Am Ende wird doch noch ein Schnapper an Land gezogen. Premiere: Hausboot. Und es schaukelt nichts. Zwar kann man in den vier Quadratmeter grossen Doppelzimmern weder aufrecht stehen noch ausgestreckt schlafen, aber die muggeliche Dachterrasse, die Aussicht im Badezimmer aufs Wasser und die richtigen Menschen zum Geburtstag um einen rum, entschädigen mächtig.

amsterdam2

Amsterdam. Wir kennen uns. Es wird viel gelaufen, teuer bezahlt (Amsterdam halt), Käse und Gras gerochen, Gesellschaft genossen und Matjes gegessen.

Und es folgt: Ein Land, von dem ich bis dato nicht mehr kannte, als eine Raststättentoilette, in der ich mich als Kind während der 27 Stunden langen Busfahrt mit der Familie nach Spanien mal eingeschlossen habe. Erinnerungstechnisch bleibt also noch Luft nach oben. Also: Bonjour Frankreich. Ca va Paris. Bezaubernd ist bereits die Anreise. Carsharing im Minibus. Der Fahrer ist Profi. Er hat abgenutzte Kissen dabei, mit denen er ungefragt die müde aussehenden Mädchen versorgt. Und wenn er furzt, sprüht er Raumspray quer durch die Sitzreihen. Schön. Man schmunzelt.

paris3

Und in Paris: Endlich wieder Metro in einer wildfremden Stadt fahren, Stadtpläne entschlüsseln, endlich wieder mit Händen, Füssen und Rückständen vom Schulunterricht kommunizieren, Menschen nur so halb verstehen, endlich wieder kollektives Frühstück, endlich wieder Dorm, endlich wieder – nee, wirklich jetzt? – Bedbugs. Schön, da kommt Wehmut und Juckreiz auf. Man sieht den Eiffelturm, fotografiert Notre Dame, bezahlt sieben Euro für einen Cappuccino, schlendert im Regen auf der Champs-Élysées, trinkt Wein an der Seine, man isst Käse und Baguette und Baguette und Baguette. Paris, du ziehst vom Leder. Und sogar die Liebe verliebt sich in dich.

paris1

Und als würde man sich nicht ohnehin schon vom Reisen ganz reich beschenkt fühlen, werden beim Auschecken dank beeindruckender Bedbug-Beweisfotos die vollen Übernachtungskosten zurückgeholt. Paris for free. Europa geht doch auch günstig. Man freut sich, während man gedankenlos an den 17 Bettwanzenbissen kratzt.

Zurück in Deutschland wird die Heimat noch mal kurz zum Urlaub. Kölsche Kaviar, Dom, Brauhaus. Es ist nicht alles schlecht. Der Besuch ist zufrieden und fliegt mit einem Kaleidoskop voller Europa nach Hause.
Schön wars, Rucksack.

Kurztrip-Kurzfilm:

europetrip from quadratur der reise on Vimeo.

Für die Erwähnung der Option Ferienwohnung gabs ein bisschen Geld. Der Rest ist wie immer unabhängiger, persönlicher Senf.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *