Unterwegs zuhause

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Es ist ruhig geworden. Der Reisepass gähnt in der Schublade. Die Kamera fängst Staub statt Momente. Und der Kopf pendelt zwischen vergessen geglaubten Geschichten von der Weltreise und groß gedachten Plänen für die Zukunft. Manche werden geteilt und konserviert wie Marmelade in Einweckgläsern. Andere lässt man wie Störche über den Winter in den Süden ziehen bis sie schließlich in einem unerwarteten Moment zurückkehren. Seit der grossen Reise ist man ein Yunkie. Der zusätzliche Herzschlag unmittelbar bevor der Flieger abhebt, die Schweißperlen auf der Stirn, nachdem man stundenlang durch die staubige Stadt geschlichen ist, die warme Luft auf der Haut, wenn man morgens in der Sonne Kaffee trinkt und der Tag so limitiert ist wie ein Blatt Papier ohne Kanten.

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Es wird Zeit mal wieder, wenn auch nur für ein paar Wochen, aus dem Rucksack zu leben, Währung und Zeitzone zu wechseln, die Lederhülle vom Reisepass zu strapazieren. Man kann kaum erwarten, dass einem die Füsse beim Langstreckenflug einschlafen. Nach einer längeren Trockenzeit wird es hier also bald mal wieder Geschichten, Bilder und Videos regnen. In zwei Wochen wird die Zeitzone schon eine andere sein. Herzschlag, Schweiß und ein Blatt ohne Kanten. Endlich wieder unterwegs zuhause.

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