2-Rucksack-Apartment

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Derzeit wird vom Reisen eine Pause eingelegt. Zurück im alten Leben. Rebürokratisierung auf deutschen Behörden. Rekonstruktion des sesshaften Lebens. Reaktivierung des Fernwehs. Resozialisierung. Eine Sache, die einen wohl am meisten Umstellung abverlangt, ist ein Klingelschild mit dem eigenen Namen. Ich kann mich noch immer nicht daran gewöhnen. Briefkasten, Wohnung, Stromvertrag, Internetanschluss. Farewell Freiheit. Wenn jetzt geputzt wird, dauert das den ganzen Tag, Zimmer für Zimmer. So viel, was man gar nicht braucht. Die chaotische Ordnung des einzigen Hab und Gut während der Reise wird mächtig vermisst. Bei nur zwei Rucksäcken wusste ich stets wo ich alles finde. Nun durchsucht man immer eine ganze Wohnung. Nichts macht so frei und unabhängig wie ein gut sortiertes 2-Ruck-Apartment. Hier nun ein paar Tipps für diejenigen Glücklichen, die kurz vor grossen Reise stehen:

Die Eier legende Wollmilchausrüstung – Muss das sein?

Guter Anfang ist schwer. Man plant eine Reise und die Vorfreude treibt einen immer wieder in diverse Backpackertempel. Denn man ist deutsch und will auf alles vorbereitet sein. Und so tigert man überfordert aber mit grossen Augen durch die Outdoorläden. Und die haben ALLES. Zugegeben, man kann hier locker 2000 Euro lassen. Aber braucht man das alles? Werde ich erfrieren wenn ich keine Jacke kaufe, in der mehr Technologie steckt als in einem Flugzeug? Werde ich verdursten, wenn ich keine Uhr mit eingebautem Kompass kaufe? Werden mich meine Füsse auch ohne Multiatmungsaktive Strümpfe um die Welt tragen? – Die Antwort ist: JA. Wessen Budget also begrenzt ist, sollte die Kreditkarte beim Backpackertempelbesuch lieber zur Sicherheit zu Hause lassen. Doch natürlich habe auch ich Schätze in meinem Rucksack gehabt, die recht schnell wegen Überflüssigkeit wieder rausgeflogen sind. Allen Voran: ein Packsafe. Schon der Name animiert zum Kauf. Wer teueres Equipment dabei hat, wie Laptop oder Kamera wird leicht anfällig für solche Produkte. Das Pacsafe ist im Wesentlichen eine mit Drähten durchwobene flexible Tasche, die man mit Schnur und Schloss an Heizungen befestigen könnte. Das gibt Sicherheit, dachte ich. Wenn man mal schnell duscht, erschwert das Pacsafe den Diebstahl. Die Praxis: Ich habe es nicht einmal benutzt. Denn tatsächlich besitzen mittlerweise fast alle Hostels auf der ganzen Welt Schliessfächer.

Doch auch manche Backpackerklassiker habe ich schnell verbannt. Trekking-Hosen stehen wohl auf jeder Liste. Ich habe sie stehts gemieden. Wenn man lange reist, will man nicht immer wie ein Backpacker aussehen. Also: Jeans rein. Auch Geldkatzen habe ich schnell verschenkt. Die Grundidee ist eine Gute, tatsächlich sieht man diese Taschen jedoch wirklich immer unter den Klamotten. Diebe mit Augen haben also leichtes Spiel. Für mich selbst überraschend: meine Regenjacke habe ich seit dem Packen erst nach der Rückkehr wieder gesehen. Denn nichts ist so erfrischend wie ein gepflegter Tropenregen. Und Wasser tut nicht weh.

Die grosse Packliste:

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Reiseschmeichler – Unverzichtbares und Dinge, die den Reisealltag erleichtern

Flugsack – Er hat mir an so manchem Flughafen Aufschlagskosten fürs Gepäck erspart. Denn wenn der Rucksack in der Eile wenig platzsparend gepackt wurde, kann der Flugsack einem noch zusätzlichen Staurraum verschaffen. Auch wenn der Rucksack noch so prall gefüllt in den Flugsack gepackt wird, für ein Paar Trekkingschuhe findet man im Zwischenraum immernoch Platz. Und auch bei langen Busreisen in alten, Tüv-bedenklichen Bussen, hab ich den Flugsack schätzen gelernt. Während der Sack nach der Fahrt in roten Staub getaucht war, blieb der Rucksack sauber.

Unheimlich Platzsparend und leicht ist ein Travel-Towel. Ein klassisches Handtuch nimmt bei einer Weltreise zu viel Platz. Reisehandtücher sind jedoch leicht und erfüllen dennoch ihren Zweck.

Wer einmal in Dorms geschlafen hat, hasst raschelnde Plastiktüten. Vor allem um 6 Uhr morgens. Zimmergenossenfreundlich ist es also, Unterwäsche und Co in Stoffbeutel zu packen.

In das Kapitel Wie-mach-ich-mir-Freunde-im-Schlafsaal gehört auch die Stirnlampe. Wenn man nachts 3Uhr vorm Aufbruch nach Machu Picchu doch noch was im Rucksack vergessen hat, muss man nicht das Zimmerlicht bemühen. Klingt komisch, ist aber echt nützlich, auch bei nächtlichen Busfahrten, bei denen das Licht der Toilette nicht funktioniert.

Nicht alle Zimmergenossen sind so rücksichtsvoll wie man selbst. Um auch im versehentlich gebuchten Partyhostels etwas Schlaf zu finden, sind Ohropax Gold wert. Auch bei Nachtfahrten im Bus hilfreich, wenn der Fahrer eine Schwäche für Trommelfellgefährdend gepegelte Actionfilme oder vietnamesische Schlager hat.

Es kommt vielleicht lange nicht zum Einsatz. Wenn, dann lernt man sein Schlafsackinlet aber lieben. Der perfekte Kompromiss, wenn man keinen Platz für einen ganzen Schlafsack hat. Das Inlet wärmt bei abenteuerlichen Fahrten in indischen Nachtzügen und beruhigt das deutsche Hygieneempfinden in abgeranzten Hostels.

Ob Duschbad, Shampoo oder Co, Zipbeutel vereiteln hervorragend ein Schaumschlagen im gesamten Rucksack.

Eine Annehmlichkeit, die nicht lebensnotwenig aber doch ganz nett ist. Eine Wäscheleine quer durch den Dormbalkon gespannt macht Freunde. Wenn der Reinigungsservice leider nur bedeutet, dass die eigene Wäsche neben der privaten M im örtlichen Fluss getaucht wird und die Wäsche danach noch mehr riecht, ist eine Wäscheleine Trumpf.

Ein absolutes Muss ist ein eigenes Schloss für den Safe. Fast jedes Hostel hat einen. Um sicher zu sein, sollte man sein eigenes Schloss dabeihaben.

Keine Reise ohne Geld. Der beste Reisebegleiter ist die Kreditkarte. Im besten Fall kann man weltweit kostenlos Geld abheben. Damit haben Travellerchecks entgültig ausgesorgt. Sinnvoll ist es auch für Notfälle eine zweite Kreditkarte dabei zu haben.

Ich selbst wurde zum Glück von Überfällen verschont. Wer weiss das er sich aus Mangel an Alternativen auf berüchtigte Busrouten begeben muss, bei denen es oft zu Überfällen kommt oder wer oft nachts unterwegs ist, kann sich eine Fake-Geldbörse zulegen. Mit abgelaufenen Kreditkarten, etwas Geld in Landeswährung und vielleicht sogar einem Familienfoto bestückt, macht sich der Dieb aus dem Staub ohne wirklichen Schaden anzurichten.

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Falttechnik oder Reinstopfen?

Wenn man alles zusammen hat, kommt die Königsdisziplin. Das Packen. Man muss daraus keine Wissenschaft machen. Dennoch gilt: Wenn man schon von der Zweiraumwohnung auf die Zweirucksackwohnung umsteigt, sollte man eine grobe Logik beim Packen verfolgen. Denn nichts ist so nervig, wie ewig nach dem gesuchten zu kramen. Tipp 1: Den Rucksack nicht so voll packen, als begibt man sich auf einen anderen Planeten. Fast alles lässt sich beim Reisen nachkaufen. Eine Familienpackungen Kontaktlinsenflüssigkeit und Ersatzflipflops sind einfach nicht nötig. Vieles ist in den Reiseländern sogar günstiger. Ausserdem ist das weltweite Netz an günstigen Wäschereien so engmaschig wie das hiesige Apotheken-und-Bäckereifilialen-Überangebot. Hinzu kommt, dass das mancherorts sogar in 2 Stunden erstklassig angeboten wird. Also: Waschen statt den gesamten Kleiderschrank mitnehmen. Tipp 2 : Wenn man dann das ausgewählte Gepäck verstauen will, gilt: Stopfen bedeutet man macht es doppelt. Für mich hat sich die Rolltechnik bewährt. Einfach alle Klamotten zu Würsten rollen und dann nach und nach in den Rucksack stapeln. So spart man wohl den meisten Platz. Tipp 3: Nein, er wird nicht überbewertet: Der Fronteingriff am Rucksack. Er hat mir Nerven und Lebenszeit gerettet. Auch wenn man noch so gut rollt und stapelt, am Ende braucht man ja doch immer das, was sich grad ganz unten im Rucksack befindet. Der Frontaleingriff funktioniert den Rucksack spontan zum Koffer um und spart Zeit beim Suchen und Finden. Tipp4: Es ist wie beim Frühjahrsputz zu Hause in der Heimat. – Immer mal wieder ausmisten, hilft. Papierkram, Tickets, Müll- raus damit. Wenn man hochwertige Fotos schiesst, sollte man die immer mal wieder auf USB-Sticks sichern und vielleicht netten Deutschen mit nach Hause geben. Nichts ist so ärgerlich wie der Verlust von Fotos der drei zuletzt bereisten Länder.

 Dieser Blogeintrag wurde auf Nachfrage von deals.com und weg.de erstellt.

Für immer die Menschen

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Ich habe nachgedacht: Die vergangenen Wochen waren die wertvollsten seit langem. Allein für sie hat es sich gelohnt, diese Reise zu planen. Ich habe für all das Zeit gehabt, was im Alltag sonst hinten runter fällt. Und ich durfte sie mit diesen grenzenlos fabelhaften Menschen teilen, die ich sonst viel zu selten zu Gesicht bekomme. Und diese Reise hat verraten, was sich in dem Umschlag oder hinter dem Tor zu jedem dieser Menschen verbirgt. Und es war nirgends diese unsagbar hässliche Zonkfratze. Diese Wochen haben mir zwar drei vom Zahnarzt kurz vor Abreise panisch verpasste Zahnfüllungen beschert, aber auch die Erkenntnis, wie sehr alle um mich herum auf mich abgefärbt haben. So viele selten gute Herzen auf einem Haufen gegenüber zu haben, lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass ich doch irgendwie auch ein feiner Mensch bin. All die kleinen, bezaubernden Familien, die da entstanden sind, die Paare mit den Plänen für die Ewigkeit, die Menschen mit Sätzen für die Herzinnenwand und die eigene Familie, die meinen Zustand zwischen Hektik und Tiefenentspannung, Nervenzusammenbruch und Verpeiltheit mit so vielen überdimensional großen Tüten Liebe, Kisten Verständnis und Kartons voller „Alles wird gut“ aushält – das alles macht es nicht leichter, diese Schnapsidee nüchtern durchzuziehen. Danke dafür!

Und vor der Tür steht seit Tagen die Vorfreude und drückt schüchtern die Klingel. Und ich traue mich nicht, sie rein zu lassen, weil ich sie doch gar nicht kenne. Sie kann mir ja viel erzählen wie gut das alles wird. Ich habe aber schon ein schönes Leben. Wahrscheinlich sollte ich sie langsam hereinbitten, die Kaffeemaschine anschmeißen und ihr ein Stück Kuchen anbieten. Die letzten drei Tage kann sie ja mit der Familie auf der Couch sitzen und uns alle davon überzeugen, dass das, was da kommt auch nur ein Kapitel im dicken Buch ist, aber dennoch eines mit vielen Abenteuern, auf die es sich zu freuen lohnt.

Ohne Blues kein Schlager

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Jetzt versteh ich, was alle mit „so was“ gemeint haben, wenn sie gesagt haben „Ich könnt so was ja nicht.“
Ein weiterer wichtiger Hering ist aus dem Boden gezogen. Und das hat mich echt kalt erwischt. Plötzlich passt alles in einen popeligen Transporter und mit jedem Meter Entfernung vom bisherigen Leben fürchtet man, dass alles weg ist, wenn man wiederkommt. Vielleicht kann sich keiner mehr an einen erinnern. Die Dinge lassen sich schwerer messen, wenn man plötzlich die Maßeinheit ändert. Ich hatte ein schönes Wohnzimmer, eine großartige Mitbewohnerin, Menschen mit einem Herzen so groß wie ein Erntedankkürbis um mich herum. Ich hatte einen Briefkasten, einen guten Job, ein Flohmarktfahrrad und eine Waschmaschine. All das ist erst mal weg. Und jetzt hab ich nur noch einen Reisepass, ein Schlafsackinlett und ein Breitbandantibiotikum. Diese Bilanz in Bier eingelegt macht Respekt bis Angst. Denn wenn man zurück ist, hält man vielleicht die „Zurück auf Los“-Karte in der Hand. In den Fußnoten dieses Reiseprojekts stand was von Risiken. Derzeit sieht man sie wie durch eine große Lupe.

So umwerfend die Bilanz der emotionalen Inventur vor so einer Weltreise ist, derzeit sind Heliumballons an der Melancholie abhanden gekommen. Aber: Ohne Blues kein Schlager. Und mir bleibt nichts anderes übrig, als dran zu glauben und drauf zu hoffen, dass alles ganz großartig wird, diese Reise das alles wert ist und danach die Menschen, die “reunde” in “amilie” verwandeln konnten und die Chuzpe zum Oberlippenbart haben, noch immer da sind. Könnt ihr also alle bitte noch da sein, wenn ich zurückkomme?!

– Ummelden: checked
– Nachsendeauftrag: checked
– Zugtickets zum Flughafen: checked
– Notfall- und Kontaktlisten erstellen: checked
– Dokumente einscannen: checked
– Reiseapotheke extended Hypochonderversion: checked
– Sagrotanvorrat: checked
– Im Umzugstransporter weinen: checked

Nun also endlich noch ein paar ruhige Tage mit Nestwärme im Vorratspack. Das wird gebraucht.

Der Tag, von dem wir später reden

wolfgang-anneliese

„Will keine Zweifel haben, stell tausend Vergleiche an, wann war wohl die schönste Zeit, 
zu viel das vergessen bleibt.
Ich trau mich kaum die Augen zu schließen, will in Zukunft nichts verpassen, wachsam bleiben und genießen.
Nicht mehr an morgen denken, jeden Moment erleben, heute ist der Tag von dem wir später reden.“

Draufgeschissen, ich bin bekannt für duselige Texte. Und es müsste mit allerhand Beschiss und unpassender Distanz zugehen, wenn gerade der hier nicht auch einer von der Sorte werden würde.

Es war wie der Moment, in dem man sich fünf Lose auf der Kirmes kauft. Davor hat man sich nur für diesen Augenblick morgens aus dem Bett gequält und Zeitung ausgetragen. Nur um das Geld zu verdienen um sich diese fünf Lose leisten zu können. Denn Kirmes ist selten in der Stadt. Und das Glück nur mit den Tüchtigen. Und dann puhlt man diese fünf Lose aus der Kiste während der oberlippenbärtige Verkäufer grimmig mitzählt und seine Frau marktschreierisch im Hintergrund übers Mikro Gewinne anpreist. Und dann hält man sie in den Händen. Vier Nieten.

Und dann setzt man alles in das letzte Los, reißt langsam links und rechts die Perforationslinie ab. Und das ist es dann: der Hauptgewinn. Diesen Moment erleben viele nie. Im Kopf ein Wunderkerzenfeuerwerk und das Herz glüht so sehr, dass man aufpassen muss, dass man sich nicht daran die Finger verbrennt. Diesen Moment hatte ich am Samstag auf meiner Abschiedsparty. Und der Moment war 720 Minuten lang. Diese 12 Stunden bedeuten. Die Gesichter, die rührende Rede, die Geständnisse auf dem Balkon und in der Küche, das superlative Baby auf dem Arm, der leergeputzte Nachtisch, der Limbo, die Filter, durch die man nur rosig sehen kann, die Autogramme und dann leider auch noch Whitney-Gedächtnis-Songs. Ich habe auf dem Balkon gestanden und versucht, mir alles zu merken, was da drin grad passiert. Ich habe schon vermisst, bevor ich weg bin. Und ich war so gerührt, dass mir schwindelig wurde, während ich still da stand. Und ich habe gedacht: das hier ist so besonders, dass es mir unmöglich noch einmal in der Welt begegnen kann.

Und dann waren alle weg. Mit mehr Ringen als eine alte Eiche unter den Augen, wird die Sache jetzt ernst. Und ein bisschen hackt die Milch im Weltreisepudding. Weil da die Frage im Raum steht, ob danach noch alle so sehr dabei sind, wie zuvor. Und irgendetwas lässt mich glauben, dass es so sein wird. Und keine Zeile im kleinen Buch ist bisher gelesen. Nur Auszüge wurden vorgelesen. Und die hatten es schon in sich. Die Seiten werden aufgehoben für den Rien-ne-vas-plus-Moment im Flieger nach Kapstadt. Auf einer Skala von eins bis zehn seid ihr die Skala. Ihr seid der Maßstab. Danke fürs so Schwermachen. Hat ja keiner gesagt, dass es leicht werden würde.

Clueso – Zu Schnell Vorbei from Park17 Filmproduktion GmbH on Vimeo.

Vorhang auf

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Ja, natürlich kommt es auf den Inhalt an. Kein Mensch freut sich zum Geburtstag über die schöne Geschenkverpackung wenn die Schachtel leer ist. Und ein leerer Kaugummiautomat macht noch kein Kinderlächeln. Andererseits sind Berliner ohne Drumrum auch nur Marmelade. Und ich kenne keinen Erwachsenen, der Überraschungseier wegen des Spielzeugs kauft. Das ist nämlich auch nicht mehr das, was es früher mal war. Was zählt, ist die Schokoladenschale. Und niemand, wirklich niemand will im Supermarkt den Liter Milch direkt in den Einkaufsbeutel geschüttet bekommen. Wenn Inhalt also der Text ist, dann ist die Verpackung sozusagen die Melodie, die im Ohr wie Hefe gärt. Und aus diesem Grund, hab ich alle Liebe zum Detail, Schweiß, Geduld&Spucke, Nervennahrung und den phantastischsten Cutter, der auch noch ein ganz großartiger Mensch ist, zusammengetrieben und den Vorspann für die zukünftigen “Quadratur der Reise”-Videos gebastelt. Und herausgekommen, ist eine handgeklöppelte, smarte, mit Liebe vollgestopfte Verpackung, die es verdient, schonmal vorneweg um ihrer selbst willen stolz präsentiert zu werden.
Und jetzt: Ton an und Tadaaa:

vorspann from quadratur der reise on Vimeo.

Wurzelbehandlung

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Die Tage rieseln wie Sand durch die Finger. Und so langsam beschleicht mich der Verdacht, dass, je kürzer die Zeit bis zum Abflug, desto fabelhafter und merk-würdiger ist mein Leben, das ich für die Reise in ein Einmachglas fülle und von Erinnerungen gut bewacht in den Schrank stelle. Es ist, als tunkt einer den ohnehin phantastischen Oreo-Keks noch einmal in weiße Schokolade, als würde auf einer sowieso schon sehr perfekten Party plötzlich „Wonderwall“ aus den Boxen dröhnen und als bekäme man zu einem Sechser im Lotto auch noch Weltfrieden geschenkt. Die knappe Zeit verdoppelt den Wert.

Am Wochenende wurde der Abschied von der Verwandtschaft in Dresden mit mehreren Famililienpizzen gefüttert. Und es war in jeder Hinsicht perfekt. Irgendwie katapultiert einen das “Wo geh ich hin?” scheinbar automatisch auch zum “Wo komm ich her?”. Ich habe noch mal die weltbeste russische Quarktorte gegessen, habe meinen Großvater verschmitzt grinsen gesehen, nach Ewigkeiten in der Bravo meiner Cousinen geblättert und ich habe in Altenberg noch einmal im Schnee bei Minus 15 Grad gefroren.

Wenn man aus den letzten Tagen vor dem Flug etwas lernt, dann, dass man solche Tage im Alltag nicht hinten runterfallen lassen sollte und die Dinge immer so aufsaugen sollte. Der ganze Spaß ist noch nicht mal losgegangen und schon klebt die Erkenntnisstapete am Hinterkopf. Nicht auszudenken, wie weise ich zurückkommen werde von dieser Weltreise. Vor die Reise hat der Planungsgott aber glücklicherweise noch die Abschiedsparty gestellt. Das wird groß.

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Hüpfburgaktionismus

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In 25 Tagen geht mein Weltreiseauftaktflieger und irgendwie verbringe ich die Tage derzeit mit allerhand spaßgeschwängerten Nebenbaustellen. Eigentlich sind da allerhand Dinge, die es zu erledigen gilt: Kleiderschrank auszuräumen, Kartons besorgen, Probepacken, Notfallliste erstellen, Ausweise einscannen, Kameraversicherung abschließen.

Stattdessen fühlen sich die letzten Tage an wie ein großer Kindergeburtstag. Derzeit springe ich nur reizüberflutet in der Hier-und-Jetzt-Hüpfburg rum, stehe mit Bier und Melancholie auf einem Gisbert zu Knyphausen Konzert im Gloria, halte die Zeit mit fundamentalen Freunden an, besuche die verstreute Familie, melde mich als letzter Mensch auf dieser Erde bei Facebook an, beginne zu Twittern und bestelle aufblasbare Palmen und Aloha-Ketten für die Abschiedsparty.

Es sind also elementare Meilensteine der Weltreiseplanung, die ich da derzeit abarbeite. Und genau das war die Absicht hinter dem gemütlichen Zeitfenster zwischen letztem Arbeitstag und Weltreisestart. Für ein paar Wochen kann ich mich den Dingen widmen, zu denen ich vorher viel zu selten kam und auf die ich bald lange Zeit verzichten muss. So, und jetzt werden erstmal Hula-Ketten für die Abschiedsparty bestellt.

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Outtakes – Der letzte Arbeitstag

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Der letzte Arbeitstag vor einer Weltreise ist alles das, was nach der letzten Szene des Kinofilms auf der Leinwand passiert. Dieser Film war ein guter, ein anstrengender, ein anspruchsvoller, sowohl bodenständiges Programmkino als auch Original mit Untertitel. Das letzte Popcorn ist irgendwo in die Sitzritzen oder Zahnzwischenräume gewandert, die Luft ist geschwängert mit Hollywoodmelancholie und Tacogestank und der Großteil der Kinobesucher schlunzt bereits auf direkten Weg zum Ausgang.

Die guten Menschen aber bleiben noch sitzen. Erst einmal ist alles schwarz und das macht irgendwie ratlos, weil man zwar wusste, dass das irgendwann zu Ende geht, aber man hat vergessen auf die Uhr zu schauen, und dann ist man doch irgendwie überrascht. Und dann rollt noch mal Stab und Besetzung an einem vorbei. Und man saugt sich mit den Augen an jedem Namen fest und versucht sich kurz noch einmal an wichtige Momente zu erinnern, bis sie aus dem Bildschirm wandern. Und irgendwie wird einem erst einmal klar, mit wie vielen guten Namen man es da zu tun gehabt hat. Die Augen stolpern von Name zu Name. Und dann wieder schwarz.

Und dann beginnen diese fabelhaften Outtakes, die vielleicht sogar wertvoller sind als der Hauptfilm und die unter die Haut gehen: ein Premiereabend im Ersten, Tischtennis im Keller, eine Currywurst am Berliner Flughafen, eine überdimensional große Flagge im Hof, ein ‚Scheiß die Wand an’ und ein ‚in der Wolle gefärbt’, ein Mittagessen in der Geissel und eine Nacht im Schwarzen Café in Berlin. Und dann wieder schwarz.

Inzwischen gehen schon die Kinomitarbeiter durch die Reihen und puhlen Popkorn aus den Sitzen. Und dann steht man auf und geht; gerührt und versöhnt. Weil jetzt draußen das große Leben in der extended Version auf einen wartet. Und weil es den Film samt Outtakes in der Hirnrinde auf DVD gibt.

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Dreifelderwirtschaft

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Familie ist ja ein weites Feld. So weit, dass da das unterschiedlichste Gemüse querbeet wächst und gedeiht. Das eine wird zum lebenswichtigen, konkurrenzlosen Grundnahrungsmittel, das andere kreuzt nur selten den Weg. Und manche Teile des Feldes liegen jahrelang brach, bis man fast vergisst, dass da noch was in der Erde steckt. Dennoch ist da die Überzeugung, dass sich das Gießen und Pflügen, wenn auch in größeren Abständen, lohnt. Und ich tue gut daran, kurz vor der Weltreise noch mal durch das gesamte Feld zu springen. Dadurch fällt die Ernte ungemein reich aus. Hätte gar nicht gedacht, dass ich derart gerührt auf ein prall gefülltes Gemüsefach schauen kann. Und weil das Feld bis nach Mozambique reicht, und das ja quasi umme Ecke von Südafrika ist, kann ich im Portemonnaie schon mal 10 Rand Probetragen.

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Hals über Kopf

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Da ist es also nun, endlich oder schon. Das ist ja immer so: Man wartet ewig drauf, lunst immer schon aufgeregt durch den Türspion und dann ist man doch völlig durch den Wind wenn es unten klingelt und man den Summer drückt. Oben angekommen, hat es sich dann sehr freundlich vorgestellt, dieses 2012, hat sich sogar die Schuhe am Fußabtreter sauber gestrichen und es hat mir sogar eine kleine Aufmerksamkeit mitgebracht: EINE WELTREISE!

Derzeit bewegt sich die Stimmung zwischen Huch und Yehaa, Hmpf und Wouw. Das scheint mir durchaus angemessen: Denn ich lasse einen mit phantastischen Menschen und Möbeln eingerichteten Lebensabschnitt hinter mir, für den ich sehr gekämpft und in dem ich mich bequem eingerichtet habe. Und ich tue gut daran, so viel wie nur möglich mit in den neuen rüberzuretten. Dennoch: vor mir liegt eine Bambushütte mit einem Dach aus Bananenblättern, die aus den Nähten platzt vor unberechenbaren Augenblicken, Weggefährten, Kulissen und Möglichkeiten.

Die vergangenen Wochen waren ein bisschen wie durch Milchglas gucken. Man deutet Formen und Farben, Verbindlichkeit und Bedeutung von dem, was man dahinter vermutet. Und am vergangenen Freitag hat sich der Hebel umgelegt. Inzwischen sehe ich alles in HD und höre in Dolby Surround. Alles wird aufgesaugt wie von einem Schwamm, ich versuche so viel wie möglich zu speichern. Da will ja auch was vermisst werden, wenn man in Kürze faul an den Stränden dieser Welt liegt und sich im Stress des Welcher-Wochentag-ist-heute-eigentlich?-Alltag suhlt.

Es sind die letzten Tage in der Redaktion, es ist die letzte Sendung im mütterlich-journalistischen Schoß, es sind die letzten Konferenzen mit Arbeitskollegen, die nie Leute sondern immer Menschen waren oder gar Freunde wurden. Letzteres müssen sie unter allen Umständen bleiben. Drunter gehts nicht; geht nichts. Es sind die letzten Tage, an denen ein Anruf bei der Familie kein Ferngespräch ist. Und es sind die letzten Tage, an denen ich in einer WG wohne, in der man sich gegenseitig Überraschungseier als Nachtisch mitbringt.

Und trotzdem, oder deswegen fühlt sich alles sehr richtig an. Man muss an den Seilen ziehen, um zu sehen ob sie halten. Aber wenn sie halten, dann auf ewig. Wenn man so viel Gutes trifft, ist man irgendwann verwöhnt und besoffen von der Vorstellung, dass in jedem noch so toten Winkel dieses Globus’ ein Überraschungsei mit Bastelanleitung auf einen wartet. Für ein paar Wochen schläft dieses 2012 aber noch provisorisch auf der Luftmatratze im Wohnzimmer bevor ich mir den Rucksack schnappe und wir die Tür von außen schließen.