Paradise-Credibility: Video Cook Islands

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Ja, sie haben mich durchgescannt, die Cooks. Wenn man nicht gerade unheimlich in sich ruht, schieben diese Inseln die Kuh an die dünnste Stelle auf dem Eis, werfen das Kind in den Brunnen und stellen Schäfchen in den Regen. Die Cook Islands waren Virenscanner, MRT, Rechtscheibprüfung,TÜV, Darmspühlung, Klassenarbeit, GEZ-Besuch , Verkehrskontrolle und Wind für ein Kartenhaus. Sie reißen ein, was ohnehin nicht auf festem Fundament steht. Aber: Sie setzen die Steine auch wieder neu aufeinander.
Die Cooks waren mein erstes Ashram auf dieser Reise und, man weiß noch nicht genau was, aber sie haben etwas mit einem gemacht.
Zu behaupten, die Cooks seien die atemberaubende, unglaublichste, surrealste, bezauberndste, großartigste, famoseste, unfassbarste real existierende Wandtapete, ist natürlich auch nicht falsch. Für die paradise-credibility gibt’s sogar den Videobeweis. Genau hier:

Nacktscanner Cook Islands

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Wenn man sich im Flieger auf die Cook Islands umsieht, trifft man vieles: wieder einmal zahlreiche Deutsche, Paare Mitte 50 mit Gürteltaschen und Hawaiihemd, frisch verheiratete Pärchen, die es kaum erwarten können, ihren Bettlakenschwan im 5 Sterne-Resort zu zerwühlen. Und dann war da ich. Unglücklich als würde ich einer Zukunft auf Alcatraz und Robben Island zusammen entgegen fliegen.

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Man hat gelernt sich nicht zur Vorfreude zu zwingen in solchen Momenten. Weil es nicht funktioniert. Man reist seit nunmehr fast sechs Monaten und wer das nicht selbst getan hat, kommt nicht umhin dieses Verhalten als undankbar, Leiden auf hohem Niveau und unangebracht zu bezeichen. Und jeder tut richtig daran. Es ist aber auch so, dass man sich nach sechs Monaten ab und an in Momenten verliert, in denen man mehr zurück als nach vorn schaut, in denen man Menschen will und keine Orte, in denen das Weiterziehen temporär verhasst ist wie 7 hungrige Mücken und 7 ausdauernde Schnarcher in einer Dormnacht auf einmal. Und das ist nicht gut und auch nicht schlecht. Das ist einfach so.

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Und dann stand man da, morgens sechs Uhr auf Rarotongas Flughafen und mächtige Männer mit mikrigen Ukulelen bestätigen nächtliche Urlaubsreportagen auf Phoenix. Der Flughafen kommt in seiner Größe etwa der Küchenabteilung im kleinsten vorstellbaren Ikea gleich. Ukulelenmänner, Blumenkettenfrauen – Cook Islands also. Rarotonga ist die Rush Hour der Cook Islands. Als größte Insel pulsiert hier im Vergleich zu den kleineren Inseln der Cooks das Leben. Das bedeutet nicht mehr als dass es eine Straße gibt, die kreisförmig die Insel umrundet und auf der stündlich ein Bus in beide Richtungen vorbeibremst. Rasen wäre hier völlig unangemessen. Ich gebe mein bestes und versuche den Slow Motion Rhythmus der Insel in mich auszusaugen. Für den Kaffee am Morgen brauche ich in den folgenden Tagen drei Stunden – vom Entschluss Kaffee zu kochen bis zum Spühlen der Tasse. Ich bin stolz darauf.

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Das Hostel liegt direkt am Strand. Die Olympischen Spiele wirken hier dank der Griesbreiempfangsqualität wie eine Dokumentation über die Spiele zu Blütezeiten Athens. Und 50MB Internet kosten hier 15Dollar. Aber die Menschen sind gut. Jeder winkt von seinem Roller und lächelt. Wer hier ernst guckt, muss große Probleme haben. Während man also auf Rarotonga neben den erblindend türkis farbenen Stränden allerlei Menschenkontakt hat, nachts im Sand unter den Sternen schläft, neue Palmenblätter ins Strandlagerfeuer wirft, mit lieb gewonnenen dreibeinigen Hunden um seinen Platz auf der Decke im Sand kämpft (erfolglos) oder nachts von der Town (3 Bars) zum ersten Mal im Leben zum Hostel trampt (erfolgreich), denn die Insel zu umrunden sind immerhin doch 32km, wartet mit Aitutaki der Nacktscanner für Seelen auf mich.

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Der Flug erinnert ein bisschen an Kai Pflaume. Alles ist so surreal und Sonntagabendwehmütig, dass man erwartet, gleich wird Olaf-Torben von seiner Silke überrascht, die dölfhundert Blumenketten quer über die Insel in Herzform gelegt hat. – Meine Fernsehkonsumvergangenenheit holt mich immer wieder ein. Wie auch immer. Ich habe Sitz 1A. Und das ist er auch. Meine Kamera schielt die gesamten 50 Flugminuten aus dem Fenster. Meer, Meer, Meer und dann: Palmen, so viele dass man nur schwer Sandboden sehen kann. Wir landen. Der Flughafen erinnert in seiner Größe nun nur noch an einen dieser blauen Ikea-Tüten. Dennoch: Blumenkettenfrauen und pfundige Ukulelenmänner. Auch das Tempo ist hier noch einmal mehr gedrosselt. Rarotonga ist der Usain Bolt der Cooks im Vergleich. Ich passe mich dem an. Meine Schilddrüsenunterfunktion kommt mir dabei zu Gute.

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Im Guesthouse angekommen, stelle ich zufrieden fest, dass ich der einzige Gast bin. Gut so, ich bin so unschlagbar im Menschen-Vermissen. Und das tue ich gerade sehr. Also brauche ich nicht noch mehr Menschen, die ich ohnehin bald erneut vermissen werde. Ich habe ein Doppelbett und keine Dormgenossen. Mein Rücken und meine Ohren sind im Paradies. Wären da nicht die Hähne, die jeden Morgen in einer Lautstärke krähen als wollten sie Menschen in Grönland wecken. Die folgenden Tage umrunde ich die Insel mit dem Fahrrad, schleuse mich erfolgreich als vermeintlicher 5-Sterne-Hotelgast auf kleine eigene Inseln, peitsche meine Pigmente zum Hauttyp Schwarzafrikanerin oder stürze mich mühelos in finanzielle Unkosten: Burger=8Dollar, Internet=15Dollar. Was ich aber vor allem mache, ist in einer Weise allein sein, wie man es wohl irgendwann im Leben mal sein sollte. Den gesamten Tag an einem einsamen Strand zu verbringen, zieht einem die emotionalen Schuhe aus. Was war damit wurde, was ist? Was war gut? Was soll nie wieder sein? Wer will ich sein und wenn ja, wo? Aitutaki zerschlägt mich in tausend Teile und ich verbringe die Tage damit, mich wieder zusammenzubasteln, Stück für Stück. Ab und zu kommen kleine Jungs vorbei und angeln ein paar Fische. Ab und zu kriechen ein paar Muscheln vorbei. Ab und zu weiß ich was ich will. Ab und zu weiß ich dass ich nicht weiß was ich will. Ab und zu drehe ich mich in der Sonne liegend um gleichmäßig zu verbrennen. Man muss das aushalten können. Man kann das lernen. Oder man kapituliert für einen Tag und kauft sich für 36 Dollar 150MB Internet. Dort im Post Office trifft man beim Surfen dann auch gleich wieder fünf Deutsche und mag dann doch wieder zurück zum Grübeln an den Strand.

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Aitutaki ist ein Nacktscanner für die Seele. Manch einer kommt lachend hierher und erhält sich das, manch einer fällt unbedarft hier ein und merkt, erst einmal auf sich selbst zurückgeworfen, dass da doch die eine oder andere Flüssigkeit mit mehr als 100ml abgegeben werden muss und manch einer kommt traurig hier an, wird tagelang zum alternativlosen Grübeln gezwungen, und verlässt die Insel mit einem klareren Kopf. Vor allem aber mit Bildern von einem Türkis, dass sich durch die Pupillen direkt in die Hirnrinde brennt, und das auf Lebenszeit.

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