Ohne Zeiger und Zahlen

Neues Jahr also. Irgendwie ist man den Zeitzonenwechsel und das damit verbundene Hinterherhinken der Seele gewohnt. Und man mag es sogar sehr, dieses Dasein ohne Spiegelbild in den ersten Tagen wenn man nach einem Flug irgendwo angespült wird, dieses Rumlaufen ohne Kompass und Ziel. Aber Weihnachten und Silvester war in diesem Jahr nicht nur eine andere Zeitzone. Man war out of space.

Die Zeit war spendabel und hat einen Flug von Saigon nach Bali inklusive Flughafennacht in Singapur mit dem Herunterfallen von Zeiger und Zahlen belohnt. Auf Bali gab es keine Zeit und es gibt auch keine Worte. Man könnte nun Frühstück am Strand, Weihnachtsdeko in der Hitze, breites Grinsen in jedem Gesicht und grossartiges Essen anführen, aber das ist nur ein Bruchteil dessen, was zu beschreiben wäre. Sogar alle Zutaten für Kartoffelsalat mit Würstchen hat diese Insel bereitgehalten. Und jeder Tag war in einer Vollständigkeit ohne Fussnote perfekt, dass man eigentlich 10 schlechte Weihnachten befürchten müsste.

Und Silvester in Singapur, diese Tage haben einen selbst mit dieser Stadt versoehnt. Man hat Ecken gefunden, die einen diese Stadt mehr mögen lassen als man es beim ersten Aufenthalt vermutet hat. Besuch aus Deutschland, Naan und Butter Chicken in Little India, das Feuerwerk. Und allem voran diese Hand in meiner. Und diese Zeit schlägt hohe Wellen, die bis nach Deutschland und vor allem in mein Rückgrat reichen. Da war mächtig viel los in Kopf und Herz und ist es immernoch. Kaum Zeit zum Konservieren von Momenten, die sich ohnehin nur in blasser Kopie festhalten lassen; als gäbe es einfach nicht genug Druckerfarbe im Kopierer um das alles wiederzugeben. Und alles, was diese Tage noch am ehesten im Bild reflektieren kann, ist dieses Grinsen im Gesicht, welches man in 27 Jahren selten im Spiegel entdeckt hat.

Faulenz-Festival

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Die Tage laufen derzeit wie Schmuckverkäufer am Strand an einem vorbei. Sie machen kurz halt vor der eigenen Liege, wollen einen vom Vorhandensein des Wunschs nach zehn Armbändern zum Preis von fünf überzeugen, und ziehen dann träge durch den Sand weiter ihre Bahnen zum anderen Strandende.

Ich bin aus der Welt gefallen, hänge irgendwo an einem Fähnchen auf der Weltkarte. Und die Sonne grinst mich täglich ungläubig irritiert an, weil sie mich täglich an einem anderen Fähnchen gelehnt entdeckt.

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Die vergangenen Tage habe ich meinen Bewegungsradius dermaßen eingedampft, meine Beine nennen das nicht einmal mehr Laufen. Mein Bermudadreieck: Doppelbett – Terrasse – Supermarkt. Man muss die Einzelzimmer feiern wie sie fallen. In einem Leben voller Dorms und Bunkbeds lädt sich ein Einzelzimmer umgehend bedeutungsschwanger zu einem Zuhause auf. Innerhalb von 20 Minuten verbreite ich Klamotten, Getränke und Bücher quer im Zimmer. Hallo laut-Musik-hören, hallo Unordnung, hallo Mittagsschlaf.
Auf der Bettinsel liegt alles Benötigte in Reichweite verstreut und einem fällt gerade gar kein guter Grund ein, diese Insel zu verlassen. Ich habe einen Ort gefunden, der bereit ist, mir für ein paar Tage „Zuhause“ ins Ohr zu hauchen. Also spiele ich faulen Sonntag, nur ohne die Waschmaschine anschmeißen zu müssen.

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Nach mehr als 80.000 Kilometern Reisen und fünfmal den Äquator überqueren, ist dieses Faulenz-Festival so willkommen, wie ein Ventilator bei 40 Grad. Ich mache: gar nichts und davon viel. Wie bezaubernd. Dem Reis beim Wachsen zuschauen, ist noch die komplexeste Aktivität in diesen Tagen. Mein Puls verhält sich gerade umgekehrt proportional zum Meeresspiegel. Und genau das macht den Unterschied zum 14-Tage-Mallorca-hat-auch-schöne-Seiten-Urlaub. Ich bin nicht gehetzt. Ich habe Zeit.

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Das süße Nichtstun. Ich darf das. Es hat ja auch seinen Preis. Davon erzählt mir mein Konto ganze Geschichten drüber. Aber ich habe auch viele Dinge eingetauscht dafür, von manchen wusste ich gar nicht. Andere kaufen sich eine Einbauküche, ich freue mich über einen Wasserkocher, der mir Instant-Noodle-Konsum ermöglicht, andere unfassbar gute Menschen bekommen Kinder, ich, wenn ich Pech habe, einen Magen-Darm-Infekt. Das ist der Deal. Und bevor ich in die nächste Großstadt falle und mich wieder mit großen Augen rastlos durch die Straßen staune, professionalisiere ich das Nichtstun noch ein bisschen.

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cinta!

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Indonesien gehört zu den wenigen Menschen, die so unheimlich ausgeglichen in sich selbst ruhen, dass man ihnen am Liebsten erst einmal auf den Flokati kotzen will vor Empörung.
Zeit gilt hier als überbewertete Koordinate. Und Geld ist ein solches Nullsummenspiel, dass einem auf fast jedem der Scheine mindestens fünf Nullen anschielen. Wenn man den Straßenverkehr in Jakarta überlebt, verpassen einem Java und Bali Ohropax, die es in keiner Apotheke gibt. Prambanan und Borobudur – der größte buddhistische Tempel der Welt, erzählen einem, wie die Welt eine bessere sein könnte. Drunter machen sie es nicht. Und das dürfen sie sich auch rausnehmen. Und all diese klugen Gedanken die zwischen die Tempelmauern gespachtelt sind, hallen wie ein Ohrwurm im Kopf nach.

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In das Grün der Reisterrassen verliebt man sich so über beide Ohren, dass man das Grün jeder Ampel in Zukunft nicht mehr wird ernst nehmen können. Wahrscheinlich stürzt man sich an Kreuzungen zufünftig in leidenschaftliche Diskussionen darüber, dass das doch kein Grün sei und man also nun wirklich nicht fahren könne. Und dann riecht Indonesien auch noch in jeder noch so kleinen Gasse so gut, dass man mit der Nase immer heimlich etwas zu nahe nebenher läuft.

Indonesien, wo andere einem einen Termin in drei Monaten geben, steht bei dir schon die Wohnungstür offen und es liegen vor der Türschwelle schon hunderte Paar Schuhe quer übereinander. Und wo andere mit Reden beginnen, schlägst du erstmal Atmen vor. Und durch die Ohropax hört man sich erst einmal selbst so lauf atmen, dass man es kaum erträgt. Und irgendwann legst du einem die Hand auf die Schulter und dieses Hyperventilieren stoppt. Und es ist eine Frechheit, wie entwaffnend du auf alles eine einfache Antwort hast, die gleichzeitig das Klügste seit langem ist.

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Indoniesien, deine Kinder haben das breiteste Grinsen, das ich je gesehen habe. Ein Wunder, dass die Ohren noch nicht kapituliert und den Weg frei gemacht haben. Und wenn ich randvoll mit Zweifeln bin, dann schmetterst du mir entgegen, dass mein Name für dich Liebe bedeutet. Du verlangst von mir nichts, was ich nicht selbst von mir verlangen sollte. Du bringst mich dazu, Zweifel zu essen und von Katzen gekackten Bohnenkaffee zu trinken. Und dann ist beides auch noch gut. Wie gut, dass du mich noch ein bisschen bei dir wohnen lässt.

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english
Indonesia belongs to the people, who are so scary balanced, that you first wanna throw up on their flokati carpet to voice your indignation.
Time is here classified as an overrated coordinate. And money is here such a zero sum game, that each note has about five zeros after a number. If you survive the traffic of Jakarta, Java and Bali will start to do their magic with you. Prambanan and Borobudur – the world’s biggest buddhistic temple – are telling nothing less than how the world could be a better one. And all the smart thoughts lying in between the rocks of the temples are becoming a catchy song in your head.

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Then you start to be head over heels in love with the green of the rice paddies. Unthinkable that I ever will be able again to drive when the traffic light shows green – because that’s obviously no green anymore. And Indonesia is smelling so good, that you are always walking a bit to close with your nose next to it.
Indonesia, where others tell you, they got time in three months, the door is already open here and there are hundreds of shoes already lying in from of it. And where others start with talking, this country proposes breathing. And once you are in Indonesia you start hearing yourself that loud, that you first hardly can bear it. And what a cheekiness, that Indonesia seems to have a simple answer to everything, which is in the same time the smartest I ever heared.

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Indonesia’s children have the brightest smile that I’ve ever seen. Surprising that their ears haven’t given up yet and cleared the way. And if you’re full of doubts, Indonesia tells you, that your name means love to this country.
Indonesia, all you demand from me, is what I should demand from myself. And you even make me eat my doubt and drink cat-poo-poo-coffee. And unbelieveable: both is even good. I’m so lucky to be allowed to keep on living with you for a while.

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in bewegt, bunt, mit Ton und kostenlos

Farbfilm best of worldtrip:

Farbfilm Indien:

India from quadratur der reise on Vimeo.

Farbfilm Kambodscha/Singapur:

singapore and cambodia from quadratur der reise on Vimeo.

Farbfilm Vietnam:

vietnam from quadratur der reise on Vimeo.

Farbfilm Thailand:

thailand from quadratur der reise on Vimeo.

Farbfilm Indonesia:

Farbfilm Australia:

Farbfilm New Zealand:

Farbfilm Cook Islands:

Farbfilm USA:

Farbfilm Mexico:

Farbfilm Tulum Energy:

Farbfilm 100 Tage Rumreiserei:

Farbfilm Bolivien und Peru:

Farbfilm Bolivia – Saltflats:

Farbfilm Argentinien:

Farbfilm Brasilien:

Farbfilm Dubai:

Farbfilm Südafrika:

Impfausflug Vol. I

impfplan

Die Ärztin ist mit ihren Augen den Zettel einmal von oben nach unten abgefahren und hat es am Ende grinsend mit den Worten „Also einmal alles, ja?“ ganz gut zusammengefasst. Auf meiner Liste standen die geplanten Länder, in die ich reisen will. Und auf ihrer Liste standen all die möglichen Impfungen. Und als sie ein Kreuz nach dem anderen machte, schwebte da schnell diese Kostenfrage im Raum. Nach einem „Welche Krankenkasse haben Sie denn zu bieten?“, einem „- Dräger und Hanse BKK“ gepaart mit einem ‘Mein Haus, mein Auto, meine Yacht’-Pokerface und einem Blick in den Computer war klar, dass ich in dieser Sache quasi den Jackpot geknackt habe. Zitat: „Die übernehmen sogar die Japanische Enzephalitis und die Malariaprophylaxe.“

Die ersten zwei Impfungen gab es direkt heute, der große Rest folgt bei mehreren Terminen Ende des Jahres. Die meisten Impfungen fallen für Südamerika und Asien an. Zusammengefasst bin ich am Ende quasi unkaputtbar was Hepatitis A+B, Tollwut, Gelbfieber, Typhus und die Japanische Enzephalitis angeht. Eine Impfung gegen Heimweh war nicht vorrätig.
Aber nun ja: „Ein Schiff ist im Hafen sicher, dafür wurde es aber nicht gebaut.“