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Farbfilm best of worldtrip:

Farbfilm Indien:

India from quadratur der reise on Vimeo.

Farbfilm Kambodscha/Singapur:

singapore and cambodia from quadratur der reise on Vimeo.

Farbfilm Vietnam:

vietnam from quadratur der reise on Vimeo.

Farbfilm Thailand:

thailand from quadratur der reise on Vimeo.

Farbfilm Indonesia:

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Farbfilm Tulum Energy:

Farbfilm 100 Tage Rumreiserei:

Farbfilm Bolivien und Peru:

Farbfilm Bolivia – Saltflats:

Farbfilm Argentinien:

Farbfilm Brasilien:

Farbfilm Dubai:

Farbfilm Südafrika:

Mama Africa

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Ob sie stillsteht oder tanzt, ob sie schläft oder hellwach ist, ob sie auf der Sonnenseite steht oder im Regen – Sie ist eine seltene Schönheit. Und in ihrer Gegenwart kann keiner seine Augen von ihr lassen. Und selbst wenn man sie bereits kennengelernt hat, beobachtet man sie heimlich aus dem Blickwinkel weil man sich nicht sattsehen kann an ihr. Und immer wieder verliert man Contenance und Nerven und die Kamera soll schließlich konservieren, was man nicht beschreiben kann. Sie als hübsch zu bezeichnen, wäre eine Beleidigung. Denn sie spielt in einer anderen Liga. Sie besitzt eine Schönheit wie sie nur eine alte Dame haben kann, die vom Leben geschliffen, gebrochen und wieder aufgerichtet wurde. Südafrika.

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Dass viele sich nicht in ihre Nähe wagen, darüber lacht sie nur herzhaft.Sie würde nie jemanden dazu zwingen, ihr einen Besuch abzustatten. Wer es aber wagt, den empfängt sie mit offenen Armen und glühendem Herzen. Und sollte es einem gelingen, sie mit dem Besuch zu überraschen, erwischt man sie vielleicht singend in der Küche. Sie ist so gastfreundlich, dass man am liebsten eine Zahnbürste in ihrem Becher stehen lassen möchte. Noch bevor man richtig angekommen ist, stellt sie einem ein kühles Black Label vor die Nase und es gibt Braii eh man sich versieht. Und dann beginnt sie offenherzig auf eine Weise ihre Geschichte zu erzählen, dass sich jedes Wort wie eine Perle in das Herz legt und dass ganze Schwärme von Gänsen über die Haut fliegen.

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Erst wenn sie von früher erzählt, nimmt man ihre Falten und Furchen im Gesicht wahr. Ihre Hände sind rau von einem harten Leben. Und man sieht ihrem Kreuz an, dass manche Zeiten versucht haben, sie zu brechen. Ihren Kopf trägt sie beim Erzählen immer etwas höher. Das ist jenseits von Arroganz, es ist Stolz. Und immer wenn man fast Mitleid spenden will, lacht sie wieder so lauthals und herzhaft, wie man es noch nie gehört hat. Je länger man bleibt, desto mehr verdreht sie einem den Kopf. Sie braucht kein Mitleid, nur offene Augen und Ohren. Dann ist sie bereit, einem einen Teil von sich zu schenken, den man bis zum Schluss aufheben wird.

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Morgen geht der Flieger nach Dubai und drei Tage später weiter nach Rio. Wenn mir jedes Land so viel Liebe, Demut, gutes Essen und Erkenntnis schenkt wie Südafrika, werde ich in jeder erdenklichen Hinsicht platzen, wenn sich diese Weltreise einmal dem Ende neigt.

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Maßstabhochsprung

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„Der weiteste Weg, den der Mensch zurücklegen muss, sind die 20 Zentimeter vom Kopf zum Herzen.“

Zwei Wochen Garden Route, über Sedgefield, Plettenberg Bay, Jeffrey’s Bay und Port Elisabeth, liegen hinter mir. Und zurück im merk-würdigen Kapstadt, setzen sich alle Eindrücke wie Muscheln im Wasserglas. Dank König Zufall hat man wieder Menschen gestreift, die an der Seele wie Sand an Sonnencreme kleben bleiben.

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In einem Township stand ich in einer Kirche, die man in Deutschland zwischen heruntergekommener Gartenlaube und Bruchbude einordnen würde. Und der Raum, nicht größer als 30qm, war vollgestopft mit dem tiefen Glauben von etwa 40 Townshipbewohnern und deren Kindern. Diese Menschen haben nichts, außer ihrer Religiosität und einen kaputten Ventilator, der nicht im geringsten verhindert hat, dass alle im Raum während des Gottesdienstes Schweiß wie ein Wasserfall vergossen haben. Und sie waren so wahnsinnig aufgeschlossen für alle, die wie aus einer anderen Welt kamen, dass einem gleich mehrere Klöße in den Hals gewandert sind.

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In einem anderen Township in Grabouw nahe Kapstadt wurde gestern gestreikt. Quer über das Township verteilt, haben die Bewohner Brände gelegt. Die Menschen vor Ort sagen, sie wollen auf die schlechten Zustände in den Schulen und Kindergärten aufmerksam machen. Die Zeitung sagt heute, es ginge um Rassismus. Flo, ein Architekturstudent aus Stuttgart, arbeitet dort im „Village of Hope“ und hilft, ein Haus für Helfer und ein Dach für eine Townshipschule in einem Schiffscontainer zu bauen. Denn bisher heizt sich die Luft im Containerinneren im Sommer auf bis zu 50 Grad auf. Finanziert wird das Ganze durch Spenden aus Deutschland. Wenn man im „Village of Hope“ zwischen Kindern steht, deren Hände so viel kleiner als die eigenen sind, aber deren Schicksal so unmessbar schwerer ist als das eigene, wird man demütig.

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Und im Kopf beginnt eine Murmel an die nächste zu peitschen. Die eigenen Sorgen fühlen sich plötzlich mehr als dekadent an. Ich mache mir Sorgen um Sicherheit, im Township machen sie sich Sorgen um Nahrung zum Überleben. Man weiß das alles, wusste es schon immer. Aber diese Nähe zu den Kontrasten lässt einen die Dinge hinterfragen, neu gewichten und bewerten. Mein Leben ist ein gutes, ein phantastisches; ein utopisches für die Menschen im Township. Es geht nicht darum, den eigenen Garten, die eigenen tragenden Wände, die eigene Treppe zur Haustür aus Solidarität komplett abzureißen. Es geht vielleicht einfach nur darum, das Gemüse aus dem Garten häufiger zu teilen, mehr Draußen durchs Fenster reinstrahlen zu lassen und die drei Sicherheitsschlösser an der Tür zu entfernen.
Dieses Land ist ein großartiges. Und es liest einem gehörig die Leviten.

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Reisepubertät

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Es ist naiv, zu glauben beim Reisen würde man automatisch ruhiger, sicherer und gefestigt. Das Gegenteil ist der Fall. Reizüberflutet steht man bis zu den Kniekehlen im Meer der Möglichkeiten und schielt auf jede Welle weil man nicht weiß ob sie die beste ist oder ob man lieber noch abwartet. Und dann springt man vor und zurück und versucht ein Gefühl für die Dinge zu bekommen: weiterziehen, noch dableiben, gehen wenn es am Schönsten ist oder den Teller so lange wie möglich in der Luft behalten.

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Das Reisen ist die Rückkehr der Pubertät. Wohl weil der Kopf ähnlich überfordert ist.
Da gibt es Tage, von denen man überzeugt ist, dass für sie das Wort perfekt erfunden wurde. Gestern war einer davon. Inzwischen auf der Garden Route von Sedgefield über Plettenberg Bay in Jeffreys Bay angekommen, ging es kurz nach Sonnenaufgang in den Addo Elephant Park. Und würde jemand beteuern, dieser Tag hätte 48 Stunden gehabt, ich würde ohne einen Funken Zweifel meine Hand dafür ins Feuer halten. Sich auf einem Gelände, dass wahrscheinlich größer als alle Zoos in Europa zusammen ist, Elefanten, Giraffen und Löwen auf bis zu drei Metern zu nähern, macht einen so demütig, wie man es nicht abschätzen kann. Und als bräuchte man nicht schon dafür 200 Seiten voller neuer Dudenwörter, zieht dann auch noch der Himmel ein Milchstraßenspektakel ab, als hätte er ein halbes Jahr Stromausfall gehabt und würde in nur einer Nacht alle gesparten Stromkosten verballern.

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Zwischen Zooparks und diesem Gelände verhält es sich in etwa wie zwischen durchchoreografierten Drei-Tages-Trips mit einem am hochgehaltenen Regenschirm erkennbaren Gruppenleiter und einer selbstgeplanten Weltreise.
Dieser Tag allein braucht einen Monat Schlaf um verarbeitet zu werden. Und wenn nach nur zwei Wochen Reisen eines schon gelernt ist, dann dass auf so einen Tag meist ein Blues-Tag folgt. Heute war so einer, gepaart mit einer völlig unangemessenen Erkältung. Es ist wie ein Kater nach der ersten Party. Man steht schon gedimmt auf weil man weiß, so was passiert nicht zweimal kurz hintereinander. Und dann schiebt man sich wehmütig durch die Stunden und wartet auf den nächsten guten Tag. Und dann klebt man wieder das alte Plaster drauf: So ein Tag in Moll ist Teil des Ganzen. Sonst wären die atemberaubenden Tage nicht so besonders. Das tröstet. Das ist okay. Das muss wohl so. Und so schwankt man zwischen „Es gibt so viel Schönes“ und „Woanders is auch Scheiße“.

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Das Reisen ist die Rückkehr der Pubertät. Und das Aushalten der Stimmungen ist wohl die Zahnspange. Und mit ein bisschen Glück bleibt am Ende doch ein bisschen Weisheit am Zahn hängen.

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Vorschlaghammerschönheit

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In den vergangenen Tagen habe ich wenig geatmet und das geht ganz allein auf die Kappe vom Cap, der ein guter Räuber ist. Ich habe nachts nicht geträumt, weil ich das hier jeden Tag bereits mache. Und der Hals ist ganz heiser, weil das Herz ständig so hoch schlägt. Die vergangenen Tage waren so vollkommen, dass ich es kaum glauben kann. Am Muizenberg Beach hab ich Blut geleckt. Think, I need to take some surf-lessons! Am Boulders Beach stand ich neben Pinguinen im Wasser, ich stand am Cape of good hope und der Name ist Programm. Und dann ein Sonnenuntergang über dem Ozean, bei dem alle je gesendeten Sonnenuntergänge in kitschigen Liebeskomödien nichts anderes als ein plumper Abklatsch sind.

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Dieses Land ist ein besonderes und so sind es auch die Menschen, denen man aus Zufall, manchmal nur für einen Abend begegnet. Und man beginnt daran zu zweifeln, dass Planung irgendeinen Sinn ergeben könnte. Planung ist der Splitter im Finger Zufall.

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Da wäre der gute Jonathan, von dem ich schon erzählt habe, aus dessen vehementem Appell an Toleranz man nur vermuten kann, wie viel Ablehnung er in diesem Leben schon beim Kassensturz zählen musste. Dann ist da der südafrikanische Polizist mit einem Herz satt vor Weisheit, der bis heute laut wird, wenn er daran denkt, dass er als weißer Südafrikaner seine schwangere farbige Freundin nicht besuchen durfte. Und der immer die Hand am Herz hält, wenn er von der Liebe zu seiner Tochter erzählt, auch wenn sie mit 15 ein breit gefächertes Drogenwissen vorweisen kann.
Dann ist da Toby, der ausgewanderte Hamburger, mit dem es sich vortrefflich nachts im Hostel bei einem Bier über die Finanzkrise diskutieren lässt und der einen bei der Verabschiedung so sehr umarmt, als kennt man sich schon ewig. Und dann ist da dieser Mann, dessen Namen ich mir vor lauter Respektfläche im Kopf nicht gemerkt habe. Dass er 12 Jahre in Robben Island war, erzählt er nie selbst. Nur alle anderen erzählen stolz davon. Er aber steht dabei immer schweigend und aufrecht daneben. Nie würde er selbst erzählen, dass sein Glaube an die Gleichberechtigung und Demokratie so groß war, dass er dafür 12 Lebensjahre hergegeben hat. Heute spaziert dieser Held bescheiden durch die Mall und leistet mir beim Mittagessen Gesellschaft.

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Und: Günther, der mit 70 Jahren im Hostel-Dorm übernachtet. Er nennt es nicht Urlaub, er nennt es Verlagerung des Wohnsitzes. Wenn es in Deutschland kalt ist, verbringt er seine Zeit in Kapstadt und zählt abends die Wellen. Den Mount Everest besteigt er nicht mehr, solche Sachen habe er mit 60 gemacht. Aber jetzt ist er älter. Als erstes hat er sich bei mir ganz freundlich bedankt, weil ich ihm dieses Leben mitfinanziert habe. Das tut er bei jedem Deutschen, der im Hostel aufschlägt, und das mit einer verstörenden Ehrlichkeit, die man erst mit Dreistigkeit zu verwechseln droht. Außerdem ist da Arnulf, der, wie er mich in zwei Minuten dreimal wissen lässt, bald 43 wird. Arnulf befindet sich im Spätsommer seines Lebens in der Blüte seiner Midlife-Crisis, die er abends Gras rauchend an der Hostelbar vergessen machen will. Arnulf redet viel, macht was mit Werbung und wenn Frauen, die er beim zweiten Date mit nach Hause nimmt, sein Alf-Telefon kindisch finden, schickt er sie weg. Und Robert und die beiden Mädels von der Lufthansa, die mich auf die Tou zum Cap mit dem Wagen mitgenommen haben und mit denen ich im Mama Africa fast taub geworden bin, so laut hat die Life-Band neben unseren Tellern getrommelt. Und heute: Luis, mit dem ich sechs Stunden im Bus nach Sedgefield saß und nur englisch gesprochen hab, bis wir gemerkt haben, dass wir beide deutsch sind.

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Einer der feinsten Menschen, die ich kenne, hat mir gesagt, die Seele muss weich werden, damit sie die Dinge aufsaugen kann. Und er behält Recht. Die 14 Tage Garden Route haben heute erst begonnen und alles ist schon phantastischer, als es sich mein deutsches Gehirn hätte ausmalen können.

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„Die Hürde ist ein Luder, das die Stirn gern in Falten und jede Veränderung in Ketten legt. Dabei muss man sie eigentlich nur dazu bringen, ein Glas Träume gemixt mit Mut und Kompromisslosigkeit zu trinken. Dann hat selbst sie ein Einsehen und lässt einen dorthin ziehen, wo einem die Freiheit jeden Morgen wachküsst und jeden Abend zufrieden erschöpft ins Bett fallen lässt.“
Mein Luder hab ich längst hinter mir gelassen.

Baaam – Schwüles Wetter tackert meine Klamotten an die Haut, als ich nach einer schlaflosen Nacht im Flieger in Windhoek umsteige. Dort ist dann auch alles gleich geschmeidiger als in Deutschland. Man durchläuft eine provisorische Kontrolle, bei der ich mich so weit aus dem Fenster zu lehnen wage, dass der Sicherheitsmann keine Gepäckscans auf dem Monitor verfolgt hat, sondern irgendein afrikanisches Fußballspiel. Man darf hier quer übers Rollfeld zum anderen Flieger laufen und das ist ja auch eine Form von Freiheit.

In Kapstadt angekommen, gibt mir der Fahrer ein Rätsel auf. Wir reden über die Fußball-WM und er will den Namen dieser lustigen, deutschen Frau wissen, die man oft gesehen hat. Ich brauche bis zum Fahrtende um auf Angela Merkel zu kommen. Das Hostel ist eines der guten Sorte. Das erkennt man am friedlichen Hund und am kostenfreien Wlan. So, und jetzt? Ja, was eigentlich. Achso: Genießen. Den ersten Tag bringe ich mit Wasser einkaufen (inklusive verlaufen), staunen und skypen. Meine Matratze hat in etwa die Form einer Banane. Aber das muss wohl so für die Hostel-Credibility.

Den zweiten Tag: Robben Island. Schon auf der Fährfaht von der Waterfront zur Insel freue ich mich wie ein Kleinkind, dem man Brausepulver in den Mund schüttet. Das hier ist es. Und das ist erst der Anfang. Und ich weiß schon gar nicht mehr welcher Wochentag, geschweigedenn welcher Monat ist. So muss das sein. Robben Island beherrscht die Kunst zwischen Beklemmung und Aufbruch zu balancieren. Die Reise hier zu beginnen ist in etwa wie aus der Wüste zum Wasser auszubrechen. Hier gibt es etwas abzuholen: Wurzeln, Respekt, Bewusstsein. Ein ehemaliger Inhaftierter führt uns durch das frühere Gefängnis: Er erinnert mich an Bill Cosby, was an dem lustigen Pullover und seinem Humor liegen kann. Kurzum: ich mag ihn. Am Ende steht der Gedanke wie kurz im Vergleich mein Weg zur Freiheit war. So schnell geb ich die nicht wieder her.

Im Hostel dreht mir Jonathan, ein Baum von einem Mann mit langen roten Haaren und einer glasklaren Stimme, eine Kette an. Die Kette ist schön, so ist es nicht. Aber ich habe sie wegen der Story gekauft. Das Material soll aus Weltraumraketenkittstoff sein. Und der Stein hat so viele gute Bedeutungen, dass ich sie nicht wiederzugeben vermag. Aber ich mag Jonathan. Gestern hat er Lotto gespielt. Und er war sicher, dass er gewinnt. Wenn, dann würde er nach Berlin ans Meer (?) ziehen und sich Frau oder Mann (hauptsache schön) suchen und im Adlon wohnen. Nun: Jonathan wird Kapstadt mit seinem Kristallkettenimperium erhalten bleiben.

Ich werde vorerst auch nicht nach Berlin gehen, habe ich mir auf dem Tafelberg überlegt. Dort oben angekommen, wird man demütig vor allem, dem Leben, dieser Flause Weltreise, dem großen Ganzen. Man könnte dort tagelang sitzen und der Natur beim Natursein zusehen. Und man würde am Ende wahrscheinlich total kitschig heulen vor Ergriffenheit. Ich bin rechtzeitig runtergegangen. Dieser Ort macht selig.

Dass man am gleichen Tag 1070 Meter oben stehen kann und kurz darauf unten das Meer zwischen den Zehen spürt ist der Gipfel meiner neugewonnenen Freiheit, die ich mit Tesa an mein Herz geklebt habe. Dieses Baby Weltreise ist erst wenige Tage alt, liegt also noch auf der Säuglingsstation und kann noch nicht einmal 100 prozentig scharf sehen und dennoch werd ich es wie einen Pokal durch die Welt tragen. Und wenn mich jemand fragt, ob es sich lohnt: Es verdichten sich die Hinweise: Ja!

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Fähnchenigel

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Solange ich noch nicht raus in die Welt darf, hole ich sie mir ins Zimmer. Morgens erinnert sie direkt daran, wofür in diesem Jahr aufgestanden werden muss und abends leuchtet sie noch vor sich hin, wenn alles andere schon dunkel ist. Und wenn auf den hinten in die Tage eingenähten Waschanleitungsetiketten nicht Redaktion oder Universität steht, drehe ich den Globus wild um die eigene Achse und werfe enthemmt Fähnchen auf Orte, die ich während der Weltreise unbedingt sehen muss. Und so langsam wird klar, dass sich auch 12 Monate zu kurz anfühlen können. Mit manchen Orten flirte ich noch unverbindlich, andere Länder haben schon einen sicheren Schlafplatz auf meinem Sofa im Kopf. Hier die bisher geplanten Stationen meiner Weltreise [ohne Gewähr, dafür mit Fernweh]:

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EUROPA:
In Deutschland befindet sich erwartungsgemäß der Startpunkt meiner Reise im März 2012 – mit Tränen, 14kg Gepäck und Hummeln im Hintern.

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AFRIKA: (ca.2 Wochen)
Dass der Kontinent das erste Reiseziel ist, liegt an den Wurzeln und irgendwie an der Überzeugung, dass ohne Wurzeln, oben nichts wachsen kann.

Südafrika:
– heulend vorm Kap der guten Hoffnung stehen
– am Boulders Beach unters Pinguinvolk mischen
– den Alltag in Deutschland abschütteln

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SÜDAMERIKA: (ca. 3 Monate)
Der Kontinent, mit dem ich mich als erstes bei den Vorbereitungen beschäftigt habe.

Brasilien:
– vor der Christusstatue auf dem Corcovado-Berg in Rio posen
– in Sao Paulo merken, dass Spanisch nicht Portugiesisch ist
Argentinien:
– bunte Wellblechhäuser von La Boca in Buenos Aires sehen
– im Stadion La Bombonera stehen
– verstehen, warum den Porteños Melancholie nachgesagt wird
– Rindfleisch essen
Paraguay:
– durch Assuncion schlendern
– Freunde und Familie vermissen
Bolivien:
– mit Sonnenbrille durch den größten Salzsee der Welt – Salar de Uyuni – rennen
– neben 3m hohen Kakteen stehen
– in La Paz auf Kokablättern kauen um nicht höhenkrank zu werden
– Meerschweinchen essen
– vorm Titicaca-See stehen und schon wieder weinen
Peru:
– mit einer Mütze aus Alpaka-Wolle von Cusco nach Machu Picchu aufbrechen
– verstehen lernen
Ecuador:
– in Quito gleichzeitig auf beiden Seiten des Äquators stehen
– mit dem Boot auf den Galapagos-Inseln Blaufuß-Tölpel bewundern
– Prioritäten neu setzen

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ZENTRAL- UND NORDAMERIKA: (ca. 3 Wochen)
Der Reisezeitpunkt, an dem ich gerade begonnen haben werde auf Spanisch zu träumen und mich nun auf Englisch umstellen muss.
Mexiko:
– in Mexiko-Stadt 2 kg zunehmen
San Francisco:
– auf der Golden Gate Bridge bei blauem Himmel stehen
– nach Alcatraz fahren
– am Ende der Lombard Street stehen und auf die Stadt schauen
Los Angeles:
– barfuss am Venice Beach langlaufen
– Promi-Villen-Gucken

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OZEANIEN: (ca. 4 Monate)
Hier erwarte ich 3xS: Strand, Schafe, Sonnenbrand.

Fiji:
– mich im 1/2h-Takt liegend um 180 Grad drehen (Stichwort: gleichmäßige Bräune)
Neuseeland:
– über beide Inseln reisen und dabei neben Schafen, Schafen und Schafen auch Auckland, Wellington und Christchurch sehen
Australien:
– die Ostküste entlang fahren mit Stopps in Sydney, Brisbane, Melbourne und Canberra
– versuchen Surfen zu lernen
– mindestens mit einem Koala und einem Känguru Freundschaft schließen
– versuchen Tauchen zu lernen
– die Zeit vergessen

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ASIEN: (ca. 4 Monate)
Bisher habe ich mich hier noch nicht so intensiv eingegroovt. Eigentlich will ich auch noch nach Indonesien und Indien, hmpf.

China:
– in Hong Kong reizüberflutet in eine Karaokebar verlaufen und den ersten englischen Titel in der Liste singen
Thailand:
– über Märkte in Bangkok schlendern
– Insekten essen
– Tauchen auf Ko Tao
Kambodscha:
– Tempel von Angkor sehen
Laos:
– durch Luan Prabang laufen
– Si Pan Don: über das türkise Wasser staunen
Vietnam:
– Ho Chi Minh sehen
– durch die Halongbucht schippern
– in Hanoi wehmütig werden



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