Worum gehts

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Da sind viele Dinge, die man mit 25 Jahren machen sollte: die überfällige Haftpflichtversicherung abschließen, die erste eigene Einbauküche kaufen, Bafög-Schulden abbezahlen, sich dabei erwischen, Wert auf gute Pfannenbeschichtung und eine gute Energiebilanz der Waschmaschine zu legen, erkennen, dass man bisher Samstagabende auf dem Sofa unterschätzt hat oder: sich den Sand aus den Augen wischen um Burgen daraus zu bauen. Mit 25 ist man ein geformter Tonklumpen, der noch nicht gebrannt wurde, Käse, ohne Charakterlöcher, Bundesligist ohne Trainer, Musik ohne Text, Stadt ohne Häuser.

In 25 Jahren habe ich gelernt, zu laufen, Schleifen zu binden, zu schreiben, den Kühlschrank zu füllen und den Müll zu leeren, hinzufallen und aufzustehen, zu lernen. Ich habe studiert, bin vom Osten in den Westen und vom Hörsaal in die Redaktion gezogen. Nach acht Wohngemeinschaften, fast doppelt so vielen Semestern, vier verschiedenen Aufklebern auf dem Personalausweis und vielen 40 Stunden-Wochen steht nur noch eine Zahl mit Edding an der Wand: 365. Ein Jahr Weltreise durch alle Kontinente (Sorry Antarctis). Seit Jahren zwischen den Stirnfalten vergraben, wird das Luftschloss nun in Zement gegossen.

Ich will ein Heer von Gänsen auf der Haut spüren, wenn ich am Kap der guten Hoffnung stehe, will Schweißperlen in Rio, die Boca Juniors in der „Pralinenschachtel“ (La Bombonera) sehen, die Melancholie der Argentinier kennenlernen, die Hostel-Zentralduschen in Cuzco verfluchen, in Boliviens Salzwüste springen, erschöpft in Maccu Picchu ankommen, Durchfall in Peru haben, gleichzeitig auf beiden Seiten des Äquators in Quito stehen, Tortilla in Mexiko essen, an der Golden Gate Bridge Heimweh haben, in Los Angeles spontan Filmstar werden wollen, mich auf den Fiji-Inseln luxuriös langweilen, Rugbyspielern in Neuseeland zuschauen, die Oper in Sydney mit den Bildern aus dem Fernsehen abgleichen, die Oberschenkel von Kängurus bewundern, in Hong Kong die Einsamkeit vergeblich suchen, mich in Thailand an Mückenstiche gewöhnen, Reisplantagen in Laos und Fischerdörfer in Vietnam sehen, in Indien lernen, was Reichtum ist und mit diesem Reichtum in die Heimat zurückkehren.

Das ist der Plan. La cinta wickelt den Bandsalat rund um den Globus. Und er wird keinen Bart, wie die Simpsons, bekommen. Im Frühjahr 2012 geht es los. Bis dahin wollen Bürokratiemonster besiegt, Impfungen abgeholt, Sprachkenntnisse aufgefrischt, Geldscheine gespart, Rucksackinhalte gekauft und Flugtickets gebucht werden. Dieser Blog ist eine Blackbox. Zunächst für die Hürden im Vorfeld: auf Papier und im Kopf. Später für die Geschichten, die es in Text, Bild und Video festzuhalten und zu teilen lohnt. Es geht um einen Plan mit Hand und Fuß, um eine Idee aus Fleisch und Blut, um die Quadratur der Reise. Und der lange Weg bis zum Abflug in dieses Abenteuer beginnt – hmpf – genau jetzt. Und ihr seid bei mir weil hier.

Augenblicke

Wenn ich mein Leben
noch einmal leben könnte, im nächsten Leben,
würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen.
Ich würde nicht so perfekt sein wollen, ich würde mich mehr entspannen.

Ich wäre ein bisschen verrückter, als ich es gewesen bin,
ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
Ich würde nicht so gesund leben, würde mehr riskieren.
Ich würde mehr reisen, mehr Sonnenuntergänge betrachten,
mehr Bergsteigen, mehr in Flüssen schwimmen.

Ich würde an mehr Orte gehen, wo ich vorher noch nie war.
Ich würde mehr Eis essen und weniger dicke Bohnen.
Ich würde mehr echte Probleme als eingebildete haben.
Ich war einer dieser klugen Menschen,
die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten.

Freilich hatte ich auch Momente der Freude,
aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, noch mehr gute Augenblicke zu haben.

Falls du es noch nicht weißt, aus diesen besteht nämlich das Leben,
nur aus Augenblicken.
Vergiss nicht das Jetzt!

Ich war einer derjenigen, die nirgendwo hingingen
ohne ein Thermometer, eine Wärmflasche, einen Regenschirm und Fallschirm.
Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich leichter reisen.

Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn an bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen.
Ich würde mehr Karussell fahren, mir mehr Sonnenaufgänge ansehen und mehr mit Kindern spielen,
wenn ich das Leben noch vor mir hätte.

Aber sehen Sie… ich bin 85 Jahre alt und weiß, daß ich bald sterben werde.

Jorge Luís Borges

14 Gedanken zu „Worum gehts“

  1. Hey Siolita!
    Da wir keine E-mail Adresse von dir gefunden haben versuchen wir es auf diesem Weg. Wir haben uns sehr über deine Gästebucheinträge in unserem Blog gefreut. Als Yasi heute nacht kam waren wir in Cairns, waren aber sicher untergebracht. Alles ist gut überstanden und die Menschen sind wieder auf den Straßen. So sitzen wir also nun gerade vor dem noch geschlossenen MC Do und nutzen das kostenlose WiFi.
    Deine Seite hat uns umgehauen. Du schreibst großartig und deine Bilder sind fantastisch. Wir konnten uns gar nicht davon lösen. Der Plan für deine Weltreise hört sich ebenso spannend an.
    Wir wissen jetzt schon, dass wir nächstes Jahr vor Neid platzen werden, wenn wir deine Reise verfolgen und ganz schön wehmütig, weil wir dann wieder daheim vor unserem PC sitzen und an den nächsten Arbeitstag denken müssen und daran wie kalt es warscheinlich gerade draußen ist.
    Falls du noch ein paar Tipps brauchst kannst du dich gerne bei uns melden. Unsere E-mail Adresse müsstest du mit diesem comment erhalten haben. Auf deiner Reiseroute stehen ja auch Brasilien, Vietnam, Thailand und USA, die wir auf früheren Reisen schon besucht haben. Unseren Tauchschein haben wir übrigens auch auf Koh Tao gemacht und das ist absolut empfehlenswert.
    Wir wünschen dir weiterhin so viel Spaß beim Planen und Austüffteln und freuen uns jetzt schon über eine Nachricht von dir!
    Viele Grüße aus Cairns/Australien
    Stefan und Dani

  2. Hey,

    ich bin über die Reisedepesche auf deinen Blog gestossen.

    Habe mir die ganzen Reiseposts noch nicht angesehen, aber ich möchte trotzdem was loswerden 😀
    Mir ist dein Name direkt ins Auge gefallen. „cinta“ – Woher kommt er, bzw. warum hast Du ihn ausgewählt?

    Vielleicht habe ich eine neue Info für dich 😉

    cinta heißt im indonesischen „lieben“ … also falls Du auf deiner Reise auch in Indonesien vorbeikommst (was ich dringend empfehle), dann solltest Du das einfach mal erwähnen 😛

    Gruß
    -Stephan

    1. Hi, das ist mein zweiter Vorname. (Wurzeln in Afrika)
      Ja, Indonesien ist mit dabei. Sehr schön, danke für die Info! Grüße!

  3. Fantastischer Blog.
    Jedes Mal, wenn ich vorbeischaue ertappe ich wie ich an deinen Worten und Wortspielen haften bleibe.
    Mehr als eine angenehme Lektüre für zwischendurch! Ich bin nämlich seid einer guten Woche von meiner 1 jährigen Weltreise zurück und werde langsam aber sicher wieder in diesen schrecklichen Alltag gezogen…
    Viel Spaß! Ich weiß, wie du dich jetzt gerade fühlst und gönne es dir von ganzem Reiserherzen!

    Chris

    1. Oh, das freut mich ehrlich sehr, wenn der Blog gefällt. Dankeschön. Vielleicht hilft dir der Blog ja in der Anfangsphase als Eskapismus-rosa-rote-reise-Brille! Liebe Grüße, Siolita

  4. Beim Betrachten der Seite spielte sich folgendes in meinem Kopf ab:

    Erst …
    … verdammt, kann die gut schreiben.
    … verdammt, fotografieren kann sie auch. Neid.
    Dann…
    … träumen.
    Dann …
    … nachdenken.
    Was bleibt?
    Verzauberung

  5. Ich bin gerade zufällig auf Deine Seite gestoßen und bin total beeindruckt. Mal davon abgesehen, dass ich jetzt so richig Fernweh habe, lesen sich deine Texte auch wirklich super!!! Ich bin bestimmt nicht zum letzten Mal hier auf der Seite und freue mich schon auf weitere News!

  6. Grad Dank Twitter über deinen Blog „gestolpert“ und begeistert! 🙂 Nur damit es nochmals gesagt ist: Du schreibst fantastisch, werde bestimmt öfters vorbeischauen

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