oben ohne

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Wir sind ja unter uns. – Da kann man es ganz offen sagen: Seit nun mehr als zwei Wochen fühle ich mich wie eine sehr, sehr alte Frau, die sich jahrelang nicht mehr bewegt hat als von der Couch zu ihrem Wohnzimmerfenster um sich dann tagein tagaus auf ein Kopfkissen gestützt das Treiben in der Einbahnstraße von oben anzuschauen. Jede Treppe verlangt mir ein Keuchen ab und wenn ich morgens aufstehe, bin ich schon im Badezimmer außer Atem.

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Grund dafür ist diese Höhenlage über dem Meeresspiegel. Hoch oben zwischen 3.000 und 5.000m Höhe muss man gefühlt ohne Sauerstoff auskommen. Es tröstet zwar, dass die stärksten Männer nach einem Treppenaufstieg nach Luft ringen, aber es ist keineswegs ein Dauerzustand. Meine Lunge schreit mit einem Megafon nach Sauerstoff und mein Körper quittiert jede Kleinigkeit – falsches Essen, eine Erkältung, das zweite Bier – mit einer theatralischen Horizontalperformance.

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Eine Woche habe ich in La Paz verbracht. Und diese Stadt ist viel schöner und weniger furchterregend als es einen Reiseführer erahnen lassen wollen. In über 3.600m Höhe haben die Menschen hier tausende Häuser an die Berge geklöppelt. Und die endlosen Märkte ziehen sich wie pulsierende Adern durch die kleinen Gassen. Selbst der Nationale Streik vor Ort konnte einem La Paz nicht vermiesen. Allein die allgemeine Aufzug- und Rolltreppenpflicht hat mir in dieser Höhe gefehlt.

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Am Titicacasee hat die Höhe einem sowohl in Cocacabana als auch auf der Isla del Sol den Rest gegeben. Mit Kopfschmerzen, Magenproblemen und Kurzatmigkeit ist der höchstgelegene See der Welt irgendwie nur eine Blaupause einer richtig atemberaubenden Sache. Und selbst das Drei-Gänge-Menu mit dem langersehnten Fisch für 2Euro macht nicht glücklich.

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Nun, im gemütlichen, peruanischen Cusco angekommen, wagt man sich dank der etwas geringeren Höhe von 3.300m daran, Meerschweinchen zu essen. Aber es war die Sache keineswegs wert. Haustier passt schon. Und ein letztes Mal wird man für eine wirklich einzigartige Sache den Aufstieg wagen. Danach stürzt sich der Körper aber wirklich auf eine Höhe von etwa 2m über dem Meeresspiegel. O2 – it’s the little things in life.

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4 Gedanken zu „oben ohne“

  1. oh ja! schrecklich, diese höhe! und die meerschweinchen-nummer ist einfach nicht zu verstehen, oder? fährst du auch noch weiter nach arequipa? cuidate! und immer schön weiter schreiben. und knipsen. soo toll, deine bilder! will sie mir alle an die wand hängen…. besos katrin

    1. Showman! Es ist mir eine Ehre! Nee, morgen gehts nach Machu Picchu und Donnerstag nach Lima. Und dann: M-E-X-I-C-O! Dankeschön und muchos besos!

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