Impfausflug Vol. I

impfplan

Die Ärztin ist mit ihren Augen den Zettel einmal von oben nach unten abgefahren und hat es am Ende grinsend mit den Worten „Also einmal alles, ja?“ ganz gut zusammengefasst. Auf meiner Liste standen die geplanten Länder, in die ich reisen will. Und auf ihrer Liste standen all die möglichen Impfungen. Und als sie ein Kreuz nach dem anderen machte, schwebte da schnell diese Kostenfrage im Raum. Nach einem „Welche Krankenkasse haben Sie denn zu bieten?“, einem „- Dräger und Hanse BKK“ gepaart mit einem ‘Mein Haus, mein Auto, meine Yacht’-Pokerface und einem Blick in den Computer war klar, dass ich in dieser Sache quasi den Jackpot geknackt habe. Zitat: „Die übernehmen sogar die Japanische Enzephalitis und die Malariaprophylaxe.“

Die ersten zwei Impfungen gab es direkt heute, der große Rest folgt bei mehreren Terminen Ende des Jahres. Die meisten Impfungen fallen für Südamerika und Asien an. Zusammengefasst bin ich am Ende quasi unkaputtbar was Hepatitis A+B, Tollwut, Gelbfieber, Typhus und die Japanische Enzephalitis angeht. Eine Impfung gegen Heimweh war nicht vorrätig.
Aber nun ja: „Ein Schiff ist im Hafen sicher, dafür wurde es aber nicht gebaut.“

2o11 – the next year year

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Das Aufregende an 2o11 ist definitiv die Tatsache, dass dieses Jahr prall gefüllt mit Vorbereitungen sein wird. Während bisher alles mit “Ach, is ja noch Zeit” brach liegen bleiben konnte, muss ich 2o11 den Pflug übers Feld schieben: Impfungen abholen, Ausrüstung einkaufen, Round the world Ticket buchen, Behörden- und Bankenmarathon. – Schon der Gedanke daran fühlt sich an wie Mentos in Cola.
Es wird also das Jahr, in dem ich an Geburtstagen, Feiertagen, stressigen Tagen und langweiligen Tagen immer daran denken werde, wo ich in genau einem Jahr sein werde, wie spät es dort sein wird, wie warm oder kalt, wie hoch, wie fremd, wie aufregend. Damit werde ich viele Menschen unendlich gern nerven. Und das Jahr wird schlaflose aber schöne Nächte bereit halten, wenn das alles immer verbindlicher wird. Dann werde ich mit Nervenflattern Knöpfe vom Bettbezug knubbeln und mir von Freunden die eigene Zurechnungsfähigkeit bestätigen lassen, Listen schreiben, was ich vermissen werde und mich fragen, was mich da geritten hat. Und ich werde Gründe an dünnen Haaren herbeiziehen, warum das alles nur eine Schnapsidee ist und verworfen werden sollte. Und wenn der Moment vorbei ist, kommt wieder dieses breite Grinsen ins Gesicht, wenn die Sonne morgens die Weltkarte in zwei Hälften teilt.
Dies ist der absolut indiskutabelste und wahnsinnigste Plan, den ich je geschmiedet habe und 2o11 wird das Jahr in dem der Plan in Stein gemeisselt wird. Und es wird ein Jahr, in dem ich alle großartigen Tage und Nächte mit Freunden und sogar die Familienfeiern bewusster genießen und die Erinnerungen daran in einer kleinen Schachtel aufheben werde. Und die Quadratur der Reise hat 2o11 auch mehr zu bieten: Kurven, Köpfchen und Kuchenstücke die geteilt werden wollen. Insofern wird sich noch mehr vom Rockzipfel der großen Schwester gelöst und sich im Sandkasten allein gegen Förmchendiebe gewehrt.

Thank you for this terrific birth, 2o1o and farewell! Welcome home, 2o11!

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Rückgrat

globetrotter

Zugegeben, da kommt derzeit wenig Glitter aus dem Weltreisetischfeuerwerk. Aber ich kann versichern: ich will mich hier nicht mit kalt gewordenen Füßen rausmogeln aus der virtuellen Verbindlichkeit des Goliathgroßen Plans. Im Gegenteil: Jeden Tag wird ein bisschen dafür getan. Anfang Oktober hab ich mich zum Beispiel mit meiner geduldigen Homebase in die größte Globetrotterzauberbutze Deutschlands begeben. Dort wurden dann schon mal gefühlte drölfhundert Rucksäcke aufgesetzt und Probe getragen. Hier ein kleiner Auszug des Beratungsgesprächs inklusive meiner ausgeklügelten Argumentationskette:

Ich so: “Hallo.”
Der geduldige Mitarbeiter so: “Hallo.”
Ich so: “Ich will eine Weltreise machen.”
Er so: “Schön, kann ich bei der Rucksackwahl weiterhelfen?”
Ich so: “Jaha. Also vorneweg: das is ja so ‘n Huhn-Ei-Dilemma – erst alles andere kaufen und dann gucken in welchen Rucksack alles passt; oder erst den Rucksack kaufen und dann den Content?”
Er so: “Hm, erst Rucksack. Was dann nicht reinpasst, muss hierbleiben.”
Ich so: “Aha. Ja. Nun. Also ich hab gelesen, man soll nicht mehr als 40L Volumen und damit ca. 14 kg durch alle Kontinente schleppen.”
Er so: “Hm, naja, bisschen wenig.”
Ich so: “Hm.”
Er so: “Also die meisten Mädels kaufen 55L große Rucksäcke. Da haste auch noch Platz für Souvenirs. Und du MUSST ihn ja auch nicht voll packen.”
Ich so: “…Souvenirs will ich eh per Post zwischendurch immer mal nach Deutschland schicken. Und: Ich bin doch ein Mädchen! Wenn ich so viel Platz hab, dann pack ich das auch voll.”
Er grinsend so: “Hm.”
Muddy alias Homebase: lacht
Ich so: “Is doch so.”
Er dann so: “Ja, aber der hier hat besonders stabile …Fachtermini… und robuste …Fachtermini… und flexible …Fachtermini… und …Fachtermini…, …Fachtermini… und …Fachtermini….”
Und ich dann so: “Hm. Überzeugt. Den will ich haben.”

Herausgekommen ist dieser Weggefährte. Gekauft wurde er noch nicht. Aber er steht auf der Liste ganz oben. Nun liegen erst mal dicke Kataloge im Wohnzimmer rum, in die exzessiv Eselsecken gemacht werden. Tausend Dinge werden nächstes Frühjahr gekauft. Und weil ich mich (dank großartiger Schwester) brav durch die Steuererklärung gequält habe, ist für das Equipmentbudget bereits gesorgt. Das wird ein Fest im kommenden Frühjahr. Und ich werde einen kompletten Tag lang einen geduldigen Mitarbeiter in Anspruch nehmen. Yeah.

Währungsreform

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Ach, es ist irgendwie unvermeidbar, nicht heute schon ab und an ein bisschen anders zu sein, wenn einem solche Flausen aus dem Kopf wachsen. Sogar zum Geburtstag war die Wunschliste mehr als monoton. Und sogar die eigene Schwester hat kurz nach Zwölf laut gelacht, als ich mir mit den Worten “20 Euro sind ein Tag in Bolivien” lediglich Geld gewünscht hab. Und inzwischen wird alles in Weltreisetagen berechnet. Eine Kinokarte macht eine Nacht im Hostelschlafsaal in Kapstadt und ein langer Abend beim Düsseldorfer Italiener mit anschließender Taxifahrt nach Hause entspricht einem bunten Tag in Hong Kong. Nicht, dass ich mir das alles nicht mehr gönnen will – Ich will. Nur vielleicht ein bisschen seltener und dann aber so was von bewusster. Und das fällt noch nicht einmal schwer, wenn ich mir sich vorstelle, wie das Sparschwein irgendwann satt, zufrieden und mit Doppelkinn auf dem Rücken rollt.

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Die Familienpizza unter den Reisen

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Leider werden manche Wörter in Nachmittags-Telenovelas so inflationär genutzt, dass sie, nimmt man sie mal in den Mund, an Glanz verloren haben und nur noch als lose Fetzen unbeeindruckend aus dem Mundwinkel hängen. Man stelle sich also vor, dieses Wort zum ersten Mal im Leben zu hören und es sich auf der Zunge zergehen zu lassen wie Vanilleschotenpunkte im Vanilleeis: Es ist ein Traum, der Traum, mein Traum. Eine Weltreise.

Vor Jahren habe ich es lediglich bis ins Reisebüro und Gesundheitsamt geschafft. Dann kamen aber Berufschancen, die genutzt werden mussten. Und der Traum wurde zwischen den Umzugskartons im Keller verstaut.
Vor einigen Monaten klingelte es dann an der Tür im vierten Stock und vor mir stand wieder diese Idee, dieser Traum. Und seitdem sitzen wir jeden Tag zusammen am Küchentisch. Am Anfang habe ich versucht, ihn mit Argumenten (“Das wäre Wahnsinn, da müsste so viel geplant werden und außerdem: Das wäre Wahnsinn.”) zurück in den Keller zu quatschen.

Inzwischen wissen wir beide, dass er hier oben gut aufgehoben ist. Und so rutschen wir täglich aufgeregt auf unseren Stühlen herum, reden über Geld, Behörden, Routen, Impfungen, Ängste, Vorfreuden und zählen die Zeit. Außerdem ist er schrecklich hungrig, will so groß und dick werden, dass ich nicht doch noch auf die Idee komme, ihn wieder zwischen Kisten zu verstauen. Inzwischen passt er schon nicht mehr auf einen Barhocker, mit seinen runden Hüften und breiten Schultern käme er gar nicht mehr durch die Wohnungstür. Es ist also klar: Dieser Traum geht nicht mehr weg.

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Der Entschluss zur Weltreise steht also fest und alle Argumente, die dagegen sprechen, sind zu schwach, um mit 80 Jahren in den Spiegel zu schauen und sich selbst zu glauben, dass es damals einfach nicht ging, die Umstände dem Traum ein Kopfkissen ins Gesicht gedrückt haben. Das hier muss gemacht werden. Und der Zeitpunkt wird nie wieder so günstig sein. Ich plane also eine Weltreise – den Trüffel unter den Reisen und das All-you-can-eat-Angebot der Flugtickets.

„Reisen können, ist eine der schwierigsten Künste. Eigentlich müßte man es im Hauptberuf betreiben.“ – Gleiches gilt bereits für die Planung. Seit einigen Monaten wacht man mit dem Gedanken daran auf und schläft damit abends wieder ein. (Ich habe eine Wette gegen den Traum verloren. Seitdem darf er also mit ins Bett. Irgendwie gehört er da ja auch hin.) Auch wenn es erst im Frühjahr 2012 losgehen soll – Schon jetzt lohnt es sich, mit dem Pläneschmieden zu beginnen, herauszufinden, woran gedacht werden muss und auch das Geld vermehrt sich nicht wie potente Kaninchen. Es gilt also, sich einen Überblick zu verschaffen, nicht zurückzuschrecken und an alles zu denken, was geklärt werden muss. Nicht umsonst trägt dieser Blog seinen Namen. Erstmal wird hier also über Etappenerfolge der Planung berichtet und dann gibts hier die große weite Welt zu sehen. Das ist der Plan. Und der wird aber sowas von realisiert. Cheers.