Leben, jetzt! – Ein Jahr auf Reisen

Seit einem Jahr wird nun schon rumgereist, sich rumgetrieben im wohl besten denkbaren Sinne. Und dieses Jahr hatte sogar 366 Tage. Und da fliesst was in den Adern, dass da vorher nicht war. Die Lungen atmen was, was sie vorher nicht kannten. Der Mund summt eine Melodie, die vorher fremd war. Und das Herz schlägt in einem Rhythmus, den es vorher nicht kannte.

Reisen füttert die Sinne wie eine reiche Tante dicke Kinder mit Kuchen. Und man wird nie so richtig satt. Nicht dauerhaft. Ab und zu ein paar Fastentage. – Zurückziehen im Hotel, Fernsehen, Fast Food, aus der Welt fallen. Und nie hat man die Entscheidung bereut, die Einbauküche gegen Reisebesteck einzutauschen.
Die Reise hat mich bisher durch alle Kontinente geweht, in 17 Ländern stranden lassen und 8 Mal über den Äquator springen lassen. Und das alles ist immernoch nichts im Vergleich zu der Reise, die der Kopf bei einem solchen Abenteuer unternimmt.

Aber ja, alles hat seinen Preis. Man verpasst Hochzeiten, Geburtstage und sogar Geburten, bei denen man hätte im Lande sein wollen. Man sieht bedeutende Menschen in Pixeln, nicht in Echt. Aber ja, man glaubt daran, dass das die Sache wert ist. Denn wenn es einen irgendwann in die Heimat spühlt, wird man glücklicher sein und vielleicht sogar ein besserer Mensch. Vielleicht kann man dann aber auch nur Familie und Freunde mit manifestierten Flausen und Harter-Tobak-Geschichten an warmen Sommertagen bei Wein und Käseigel unterhalten und zum Schmunzeln bringen.
Diese Reise ist nun ein Jahr alt. Feiern, jetzt! Leben, jetzt!

India – Die Hand auf der Herdplatte

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Indien. Die Hand auf der Herdplatte, der 10-Meter-Turm im Schwimmbad, der Rock-Olymp für den Backpacker. Indien ist Kopf oder Zahl. Man trifft selten Menschen, die dieses Land bereist haben und beim Erzählen davon gelangweilt am Tischdeckenbeschwererobst puhlen.

Indien fühlt sich erst einmal wie ein Kampf an. Kampf gegen ein Heer von Bettwanzen in Nachtbus, Kampf für den Magen, denn im Wesentlichen haben 90 Prozent der Lebensmittel hier die Blütezeit ihrer offiziellen Haltbarkeit seit mehreren Monaten hinter sich. Indien ist vor allem aber ein Kampf mit sich selbst und der im bisherigen Leben erworbenen Bequemlichkeit und Gewöhnung an ein Grundmass an Ordnung. Indien zerschlägt all das wie eine Abrissbirne in Kleinteile oder direkt zu Schutt und Asche.
Und irgendwann kommt man an den Punkt an dem man das Land mit wehenden Fahnen, tiefem erleichteren Einatmen verlässt. Oder aber: man bleibt und springt ins Chaos. Wenn man aufhört dagegen anzuschwimmen, treibt einen Indien wie Strandgut vorbei an Plätze, die einen die Augen mit Tränen und die Taschen mit Bergen von Erfahrung füllen.

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Indien, das ist Aufspringen auf fahrende Nachtbusse und Abspringen von rollenden Zügen, inklusive Fall auf den Bahnsteig. Indien bedeutet vor allem auch selbst zur Sehenswürdigkeit zu werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind auf den Kameras indischer Männer mehr Fotos von einem selbst als auf der eigenen. Und man kann es versuchen, aber übel nehmen, kann man den Indern wenig. Spätestens wenn sie beim Feilschen nach zehn Minuten Debattieren über „Good Luck“ kapitulieren und sich mit diesem atemberaubenden, herzerwärmenden Kopfwiegen mit dem Preis einverstanden erklären, möchte man sie gern auf einen Chai einladen und sogar mehr als vereinbart bezahlen.

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Indien lädt einen gern auf Butter Chicken und Roti ein, aber die Regeln macht der Gastgeber. Indien tut den Teufel und richtet sich auf Touristen ein. Sobald man in einem kleinen Dorf aufschlägt, wird die Suche nach Geldautomaten, Gehwegen, Wasser, Kaffee und für den europäischen Mimosenmagen verträgliches Essen zur Tagesaufgabe. Doch Indien tut gut daran. Ich: Gast hier. Ich gehöre hier nicht hin. Ich darf hier nur mal reinschnuppern. Indien ist Original, keine backpackereske Lonely Planet Pampers, die sicherstellt, dass nichts daneben geht.

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Indien ist ein Land, es ist aber vor allem eine andere Welt. Wenn man alle Lasten, die die Gewöhnung an Bequemlichkeit mit sich bringt abwirft, wird der Türschlitz Indien dann immer grösser. Man kommt an Orte wie Munnar, die einen erstmal nur wegen der Temperaturunterschiede bei der Ankunft nachts Gänse auf die Haut treiben. Recherche macht klug. Und Flip Flops noch keinen Sommer. Und dann am nächsten Morgen findet man sich wieder auf Märkten voller Gewürze, die der Nase Flügel verleihen. Und die Landschaft aus Teeplantagen und Bergen straft die herkömmliche Farbpalette Lügen.
Der Nachtzug nach Goa schenkt einem dann neben einer ausgewachsenen Erkältung und Schlafmangel auch Geschichten, die einem selbst keine noch so gute Doku bieten kann. Vor allem aber beginnt man den Menschen hier näher zu kommen. Manchmal auch näher als einem lieb ist. Aber Augen, Füsse, Nase und Herz gewöhnen sich an alles. Zwei Schwestern und ihre Nichte fahren nach Mumbai zu einer Familienhochzeit und haben Verpflegung für drei Wochen und gefühlte 300 Mäuler dabei, unsere inklusive. Wer nicht schläft, bekommt selbstgemachte Kartoffelchips, Zwiebelringe, Bananenchips, heisses Wasser und Milchreiskuchen angeboten. Und immer läuft es gleich ab: freunliches Ablehnen, sie bestehen aber darauf, denn man hat sie vorher auf einen Chai eingeladen, man greift also bescheiden zwei Stücke heraus, woraufhin einem freundlich aber bestimmt die gesamte Hand mit dem Essen vollgeladen wird. Wenn man Glück hat, schmeckt es, wenn nicht, lächelt man mutig, versucht sich im indischen Kopfwiegen und konzentriert sich darauf, ein Stück nach dem anderen in Richtung Magen zu lotsen. Wer schläft, kann einen der Gänge nur verzögern, nicht aber umgehen. Denn sobald ein Auge geöffnet ist, bekommt man das verpasste Essen umgehend auf die Hand geladen. Das ist Indien. Das macht die Liebe aus.

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Angekommen in Goa dehnt sich die Zeit wie guter Kaugummi. Wenn man es nicht besser wüsste, man könnte vermuten, die Menschen laufen nicht nur langsam sondern rückwärts. Und man selbst befindet sich umgehend in diesem Modus. 50 Meter zum Strand werden zum Tagesausflug und die Luft ist geschwängert mit rotem Staub, Kuhmist, Grasgeruch und dem Glauben an den Zen. Wenn man hier nicht gerade die erste Yogastunde nimmt, die phantastischen Flohmärkte leerkauft oder wegen besagtem Mimosenmagen mit Fieber im Bett liegt, macht man in erster Linie Nichts. Und das ist grosses Kino. Denn jeder macht hier nichts. Und das ist hier eine Menge.

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Wenn man dann ins kochende Mumbai fällt, wird das Hotelzimmer zur Insel. Sobald man aber auf der Strasse steht, brennen die Sicherungen durch. Der Strassenverkehr, das ewige Feilschen, die Menschen, die Menschen, die Menschen. Und nachdem der Magen erst sehr verliebt in die Namen von Gerichten wie Tikka Masala, Naan und Dosa war, zieht einen der Überlebenswille nach zahllosen Magenkrämpfen erstmal zu Fast Food Ketten, die an Orten wie diesen und in Momenten wie diesen von der Mageninnenwand vergöttert werden. Der Körper ist geschwächt. Der Magen wird Kompass.

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Und die Klamotten, vollgesaugt mit Staub und Gerüchen von Müll, Urin und Nachtbussen, wollen gewaschen werden. In Mumbai passiert das in der grössten Laundry der Welt. Mehr als 1 Million Teile werden hier täglich in Betonwannen per Hand gereinigt. Und wenn man einmal die über Jahrzehnte bei dieser Arbeit aufgeweichten Füsse des 75-Jährigen Arbeiters gesehen hat, stellt sich nicht die Frage ob ein Jahreslohn von rund 650Euro angemessen ist.

Indien tut weh und Indien schlägt einen ins Gesicht. Indien ist die Hand auf der Herdplatte – Man kann sich die Finger hier mächtig verbrennen, aber in jedem Fall lernt man dabei Dinge, die einen kein anderes Land lehrt. Und wenn man sich darin übt, nicht nur zu sehen sondern auch zu erkennen, schenkt Indien einem dieses entwaffnende Kopfwiegen und diese Geschichten, die einen beten lassen, jedes Detail bis zum letzten Tag nicht zu vergessen.

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Vorgenommene Unvoreingenommenheit

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Kambodscha. Je länger man durch Asien reist, desto dicker wird die Kontur dieses allgegenwärtigen „same same but different“. Bei Kambodscha liegt die Betonung allerdings auf „different“. Siem Reap ist dabei der touristische Ballermann des Landes. Sobald man rauskommt aus dem Backpacker-Pampers-Gebiet, haut einem Kambodscha das echte Land um die Ohren. Auf den Strassen rollen Busse, die in Deutschland dank TÜV schon gänzlich verrottet wären und hupen sich den Weg in die kleinen Orte frei. Und sobald man auch diesen Städtchen mal die kalte Schulter zeigt, wird einem ganz warm ums Herz. Reisfelder, rote Erde, Märkte, auf denen man den Mund offenstehen hat, auch wenn man den wegen der Fliegen lieber schliessen sollte.

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Man vergleicht Länder eigentlich nicht. Das hat man gelernt. Es wird dankend angenommen, was einem ein Land anzubieten bereit ist. Das ist die Liebe zum Reisen, die Bereitschaft zum Hineinfallen, die vorgenommene Unvoreingenommenheit. Man ist nicht verliebt in Perfektion und Berechenbarkeit. Beides ist das Gegenteil vom Reisen. Und genau das macht den Zauber.

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Kambodscha jedenfalls hat den Schwamm mit all seinem roten Staub in der Luft, den Kühen am Wegesrand, den im gewässerten Reisfeld badenden Kindern, dem guten Essen und Angkor Wat wieder ein wenig schwerer gemacht. Ob der Schwamm nach 15 Ländern noch aufsaugen kann? – Es gibt Tage, da muss erstmal liegengelassen, in der Sonne getrocknet werden. Und dann passiert, was man vielleicht erst erfährt wenn Reisen zum Alltag wird: Der Schwamm wächst und wächst und dann ist wieder Platz für neue Wunder. Und es fühlt sich noch immer so an, als könnte es noch ewig so weitergehen.

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Man bleibt hungrig. Man will noch dankbarer, demütiger, bescheidener, reich an Geschichten und Erinnerungen werden. Man muss. Und der Magen knurrt wieder. Und diesmal so sehr wie lange nicht. Denn in ein paar Tagen legt man sich, den Kopf, das Herz, den Magen und den Geist in die Hände eines Landes, welches als erstes auf der Liste stand, als man damals beschlossen hat, den Traum in Zement zu giessen. Man ist so aufgeregt wie ein kleines Kind, dass am 24.12. durchs Schlüsselloch lunzt. Man meint eine Ahnung zu haben, was einen erwartet, im Positiven wie Negativen. Und natürlich weiss man, dass man eigentlich keinen blassen Schimmer hat und dass einem dieses Land jede Erwartung links und rechts um die Ohren haut. Und da ist sie wieder, die Liebe zum Reisen und die Bereitschaft, sich von Ländern all seine Vorurteile, Hoffnungen und Befürchtungen in Grund und Boden stampfen zu lassen. Indien, ich bin bereit dafür.

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Ohne Zeiger und Zahlen

Neues Jahr also. Irgendwie ist man den Zeitzonenwechsel und das damit verbundene Hinterherhinken der Seele gewohnt. Und man mag es sogar sehr, dieses Dasein ohne Spiegelbild in den ersten Tagen wenn man nach einem Flug irgendwo angespült wird, dieses Rumlaufen ohne Kompass und Ziel. Aber Weihnachten und Silvester war in diesem Jahr nicht nur eine andere Zeitzone. Man war out of space.

Die Zeit war spendabel und hat einen Flug von Saigon nach Bali inklusive Flughafennacht in Singapur mit dem Herunterfallen von Zeiger und Zahlen belohnt. Auf Bali gab es keine Zeit und es gibt auch keine Worte. Man könnte nun Frühstück am Strand, Weihnachtsdeko in der Hitze, breites Grinsen in jedem Gesicht und grossartiges Essen anführen, aber das ist nur ein Bruchteil dessen, was zu beschreiben wäre. Sogar alle Zutaten für Kartoffelsalat mit Würstchen hat diese Insel bereitgehalten. Und jeder Tag war in einer Vollständigkeit ohne Fussnote perfekt, dass man eigentlich 10 schlechte Weihnachten befürchten müsste.

Und Silvester in Singapur, diese Tage haben einen selbst mit dieser Stadt versoehnt. Man hat Ecken gefunden, die einen diese Stadt mehr mögen lassen als man es beim ersten Aufenthalt vermutet hat. Besuch aus Deutschland, Naan und Butter Chicken in Little India, das Feuerwerk. Und allem voran diese Hand in meiner. Und diese Zeit schlägt hohe Wellen, die bis nach Deutschland und vor allem in mein Rückgrat reichen. Da war mächtig viel los in Kopf und Herz und ist es immernoch. Kaum Zeit zum Konservieren von Momenten, die sich ohnehin nur in blasser Kopie festhalten lassen; als gäbe es einfach nicht genug Druckerfarbe im Kopierer um das alles wiederzugeben. Und alles, was diese Tage noch am ehesten im Bild reflektieren kann, ist dieses Grinsen im Gesicht, welches man in 27 Jahren selten im Spiegel entdeckt hat.

Vietnam – the video

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Nun, manche von euch werden dieses Video vielleicht wegen der Bilder von Halong Bay, Ninh Binh und Phu Quoc mögen. Ich werde nicht müde, das Video anzuschauen, wegen den zwei unglaublichen Ladies, die diese drei Wochen Vietnam unvergesslich gemacht haben. Danke, Ladies.

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Well, some of you might like this video because of the pictures of halong bay, ninh binh or phu quoc. I love this video because of the two amazing girls who made three weeks in Vietnam unforgetable. Impossible to forget these weeks. Thank you, ladies.

vietnam from quadratur der reise on Vimeo.

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Taschen voller Zeit

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Wenn einen der Flieger in Saigon oder Hanoi ausspuckt, verschluckt einen erst einmal der Verkehr. Auch wenn man das schon aus Bangkok kennt, man gewöhnt sich einfach nicht so richtig daran. Das verhält sich wie mit Lebkuchen im Supermarkt ab Ende August. Die unter der StVO in Vergessenheit geratenen Urinstinkte kochen hoch, eine Straße zu überqueren, bläht sich zum Leben-am-Limit-Gefühl auf. In fünf Sekunden jagen 60 Scooter an einem vorbei, plus Autos, plus Radfahrer, plus Staub – und das aus allen Richtungen. Es ist stickig, es ist Smog, es ist der Geruch von frittiertem Chicken, es ist Lärm, es ist Vietnam. Und auch im Zug wird einem schnell klar, dass Rücksichtnahme hier kleingeschrieben wird. Das Leben ist hart und wer nicht Backpackerrucksäcke vom Verstauungsfach runterreißt um seine Reissäcke anschließend dorthin yu hieven, der bleibt auf der Strecke. Schön auch, muss man nur wissen. Freundlichkeit ist in den Großstädten Vietnams so rar gesäht wie gute Luft.

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Und dann kommt man in die kleinen Orte. Ninh binh, Hoi An und wie sie alle heißen. Und plötzlich bekommt man diesen wunderbaren Muskelkater im Handgelenk, weil man all den Kindern zurückwinkt, die einem lächelnd ein „hello“ schenken. Und in Restaurants hat man plötzlich sehr viele Freunde, wenn man beim Bestellen, nur um sicher zu gehen, Chicken, Kühe, Ziegen und Schweine aufmalt. Die Menschen sind gut. Man muss sie nur finden. Und allein die Tatsache hier mit zwei Freunden zu reisen, die nur drei Wochen Zeit haben, beschleunigt all diese Eindrücke. Ihre Neugier ist so gierig, wie es das Wort bedingt.

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Meine Neugier braucht mehr Zeit. In neuneinhalb Monaten Reisen wird der Affe Neugier zu einer Schildkröte. Das kann man dann Trägheit nennen, oder aber Tiefenentspannung. Das einzige, was meine Taschen ausbeult ist seit einigen Monaten die Zeit. Ich habe so viel davon, dass man damit hunderte Ballons aufblasen und Richtung Himmel steigen lassen kann. Der Körper hat sich an den ersten Gang gewöhnt. Und schon der zweite macht mir inzwischen schon zu schaffen. Durch dicken Nebel kann man sich noch an die Dauer-Rotation in Deutschland erinnern. Und das ganze Damals ergibt, mit dieser räumlichen und zeitlichen Entfernung nun gar keinen Sinn mehr. Irgendeine Erkenntnis muss dennoch noch unter den Strich geschrieben werden. Aber es ist Dezember und ich bin langsam geworden, im Denken, im Entscheidung fällen, im Entscheidung fällen wollen. Und wenn einen diese Reise eine Erkenntnis mit Edding hinter die Ohren schreibt, dann, dass sich morgen vielleicht ohnehin alles fügen kann. Eine gewisse Grundaffinität zum Aussitzen von Entscheidungen scheint also irgendwie angebracht bis weise.

english version

Pocket full of time

If the plane spits you out in Saigon or Hanoi, the traffic eats you immediately. Even though I know that from Bangkok, its still hard to get used to that. Its like gingerbread in the supermarket in august. And the caveman instincts that seemed to be lost because of the highway traffic act in Germany are coming back when I try to cross a street in Vietnam. Scooters, cars, bicycles, smog.

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And in the trains nothing is as wrong as consideration. One woman just took our bags, threw them into a corner and put her bags full with rice on the place instead. Okay, I got it, Vietnam. Kindness is as rare as fresh air in the big cities.
And then I went to the smaller places. Ninh Binh, Hoi An and some other villages. And BOOM, here I got these beautiful aching muscles because I was waving to the children all the time. And in the restaurants I suddenly had plenty of friends because we were drawing pigs, cows, goats and chicken on a piece of paper to order the right meals. The people are good. You just need to find them. And the fact that I m traveling with two friends, who only got three weeks, fast-tracks these experiences. Their curiosity is hungry.

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My curiosity needs more time. During nine months of traveling the monkey curiosity became a turtle. You can call that idleness or deep relaxation. The only thing that makes my pockets big, is time. I got plenty of it. And after all these months I can hardly remember the time back in Germany when I was rotating like a carousel. And with geographical and temporal distance that makes no sense at all anymore. And behind that thought there has to be a decision I guess. But now its December and I learned to be slowly in thinking, in making decisions, in wanting to make any decisions. And this trip taught me that every problem maybe solves itself by the time. Time will show. So trying to sit something out seems to be advisable and even wise.

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Rock’n’Roll in Vietnam

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Thailand. Boom. Und dann fliegt man raus aus Bangkok. Übermüdet, mit Übergepäck im Burstkorb und dann auch noch bei Regen. Und irgendwie ist trotzdem alles gerade unheimlich famos. Damit kommt man sich vor wie in einem Mittelklasseroman, der es auf Bestsellerlisten zwar nie bis ganz nach oben schafft, sich dank schmökerfreudiger Best-Ager-Frauen aber über Jahre stets in der Liste hält. Vietnam, also. Saigon. Und man wird aufgeregt. Hier wartet nicht nur ein fremdes Land sondern auch Freunde, auf die der Begriff Familie ohnehin viel besser zutrifft. Und diese Familie meint es gut mit einem, bucht ein Vier-Sterne-Hotel für eine Nacht. Es ist ein Kodakmoment, wenn man dann da schwitzend mit Backpackerrucksack und 2Dollar-FlipFlops reinschlunzt. Und dann nimmt einem der Portier den Rucksack ab, man wird in die weichen Polster der Lobbysessel komplimentiert und bekommt auch noch einen Welcomedrink in die Hand gedrückt. Diese Welt ist surreal und mir seit neun Monaten fremder geworden denn je. Aber irgendwie ist das RocknRoll und dann gibt man sich seinem Schicksal hin. Im Zimmer bekomme ich dann die Eigenheiten diverser Geräte erklärt. Spätestens seit ich die Dusche beim Schielen ins Badezimmer entdeckt hab, ist an Zuhören aber nicht mehr zu denken. Das Ding erinnert an vieles: Star Trek Beamer, Zeitmaschinen, stehende Solarien. Aber Duschen geht wohl auch. Dann macht man das mal.

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Und dann kommen die Mädels und handeln erstmal die Kioskmutti mit dem Bierpreis gekonnt runter. Als dann im Hotelzimmer Original Lidl-Wein aus der Tasche gezogen wird, menschelt es ausufernd. Das ist Freundschaft. Neben Hotelzimmerverwüstung (Stichwort: Rock n Roll Credibility) wird die ohnehin schon fortgeschrittene Gefühlsduseligkeit nun endgültig von der Leine gelassen. Ein Video mit Freunden und Familie aus der Heimat. – Man braucht nun definitiv mehr Wein und Bier. Die Minibar wird geleert und dann mit günstiger gekauftem Kioskbier wieder aufgefüllt. Profis, die Beiden.
Am Morgen danach wird am Frühstückstisch über das weitere Vorgehen der Hotelangestellten mit unserem Zimmer nach dem Checkout gemutmasst. Eine zweitägige Quarantäne kommt uns dabei nicht abwegig sondern vielmehr angebracht bis wahrscheinlich vor. Rock n Roll ist aber kein Rock n Roll ohne Bademantel. Deshalb wird vorm Auschecken noch mal ne Runde im Hotelpool auf der Dachterasse gedreht. Das süsse dekadente Leben. Fast wäre es einem abhanden gekommen. Die letzten Minuten werden dann im Zimmer ausgeschöpft bis die Rezeption einen freundlichen Checkoutaufforderungsanruf tätigt. Aber es braucht halt Zeit, bis man das doch eigentlich auch bezahlte Duschbad, Shampoo, Rasierer, Nagelfeilen, Conditioner, etc. im Backpackerrucksack verstaut hat. Für Bademantel und Hauspuschen war leider kein Platz.

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Und dann fällt man wieder in ein Dorm, tropfende Aircon, Gedränge im Bad, quietschende Bunkbeds aus Metall. Und irgendwie ist es doch auch wie nach Hause kommen. Und diesmal mit ein bisschen Familie. Und mit der will man ja auch was sehen. Also ganz oben stand Halong Bay auf der Liste. Und was soll man sagen, grosses Kino, vor allem wenn das Wetter mitspielt. Und wieder: RocknRoll in der Kajüte. (Ja wirklich, diese beiden vorangegangenen Sätze sind alles, was es in diesem Eintrag über Halong Bay zu lesen gibt. Ja, das ist ein Reiseblog. Aber nein, es ist nicht der Lonely Planet.)
Danke schon jetzt fürs Besuchen, für dieses Hotel, für diese offenen Ohren, fürs Familiesein, fürs Verständnis in diesen Tagen in denen ich neben mir stehe und für den RocknRoll.

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Thailand – the video


Thailand, irgendwie ist das schief gelaufen. Man hätte definitiv mehr von dir einfangen können mit der Kamera. Aber irgendwie war man abgelenkt. Aber am Ende kann man sich die Zeit in Thailand nicht besser wünschen. Phuket, Ko Samui, Koh Tao, Bangkok, Sukhothai, Chiang Mai – Jeder dieser Orte meisselt mir ein breites Grinsen ins Gesicht. Vielleicht hätte man das alles ohnehin nicht angemessen festhalten können. Aber zumindest hat man es versucht. Nachtmärkte, Sternschnuppen, Schwarze Farbe, Karottensaft, Sushi, lange Bustrips, Lichterfest, Kaffee am Morgen, Elefanten. Das war alles bezaubernd. Und auch wenn ich mit Worten eigentlich ganz gut kann, versuch ich erst gar nicht, dass irgendwie in welche zu fassen. Danke Thailand. Ich komme irgendwann zurück.

english version
Thailand, I feel sorry. Somehow I got the feeling I could have catched more of you for this video. But somehow I was distracted. But also: in the end, I couldnt imagine a better time or video. Phuket, Ko Samui, Koh Tao, Bangkok, Sukhothai, Chiang Mai – I cant think about these places without a big smile. And that made me simply forget to take the camera. Perhaps it wouldnt have been possible to catch all that magic anyway. But at least I tried. Night markets, shooting stars, buying black color, carrot juice, sushi, long bus trips, light festival, morning coffee, elephants – I loved it all. And even though Im not bad with words, I decide not to try to put it into words. Thailand, thank you and ill be back, someday.

thailand from quadratur der reise on Vimeo.

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Part 1

Neun Monate also. Neun Monate Wachsen, Reisen, Lernen und vom Leben so hungrig sein, dass man Gefühle für zwei isst. Nach irgendeinem Kalender wäre diese Reiseschwangerschaft also bald vorbei. Das Kind fertig, mit Kultur aus so vielen Ländern in den Adern, dass Heimat höchstens nur noch auf den Begriff Erde eingegrenzt werden könnte.
Doch dieses Reisebaby ist vieles, nur kein Mensch. Und deshalb dauert die Schwangerschaft hier zum Glück viel länger als neun Monate. Diese Reisebaby versucht an die Schwangerschaftsdauer von Elefanten ranzukommen. Dass der neunte Monat vollgestopft mit Thailand war, konnte besser nie passieren.
Thailand, du hast mich erwischt – erst auf dem falschen Fuss, dann in einem schwachen Moment und nun hast du dem Reisebaby noch was mitgegeben, wonach man sucht, womit man aber zur Schadensbegrenzung des angeschlagenen Muskels nicht gerechnet hat. Vor lauter Chaos hat man sogar oft vergessen, die Dinge mit der Kamera zu streifen. Das Beste lässt sich unmöglich angemessen abbilden. Das fängt keine Kamera ein. Aber genau diese Dinge, sind so sehr in die Hirnrinde gebrannt, die wird man dir nie vergessen.

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Thailand, Pferde kann jeder. – Du hast mich auf den Rücken von Elefanten geworfen. Und das im neunten Monat. Nach dem Trip: Der schönste Muskelkater meines Lebens.
Und Thailand, du hast dem Kind die versteckteste Ecke im Definitionsschrank der Begriffe Zufall und Fügung gezeigt. Vielleicht sind die Schubladengriffe manchmal einfach klebrig vor lauter Emotionskeule. Soll mal einer im neunten Monat reiseschwanger sein und sein Herz nicht wild schlagend wiederfinden. Dieses Herz ist nicht grösser als andere, es wird vom Reisen nur schwerer, vor lauter guten Menschen, vollgesaugt wie ein Schwamm. Dieses Gewicht mit sich rumzutragen, macht die Dinge zwar nicht leichter, aber um nichts in der Welt will man auf diese Pfunde Gewicht je wieder verzichten.
Thailand, du hast mich zwischen “Kapitulation” und “All in” hin- und hergeschleudert. Und du hattest Recht: Dieses Reisebaby ist ein All-Inn-Kind.

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Nine months growing, learning, with hunger for life. Somehow this travel-pregnancy should be over soon. But THIS kid is no human being. Its more like an elephant, so I got so much more time.
Spending the 9. month in Thailand was the best thing that could happen to me. And, BOOM, Thailand you not just surprised me, you totally got me. You showed me accident in mirror writing and you pushed yourself through until you reached the big muscle that didn’t want to let you in.
Thailand, so many things you showed me and I forgot my camera so often. But, to be honest no camera can keep these things but I wont ever forget them. Seems like Im soo gooey right now, but hey, this is nine months travel-pregnancy. This heart isn’t bigger than others. It just became heavier because of the people. And I love every pound of my heart. And If I can choose between “capitulation” and “all-in”, I definitely have to say: this travel-baby is an all-in-baby.

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