same same, but different

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Man könnte meinen, nach mehr als 30 Stränden steht man irgendwann vor einem und kann damit gar nichts mehr anfangen. Denn im Wesentlichen sind sie alle gleich. Sonne, Sand, Wellen, Strandschirme. Aber irgendwie wird man nicht satt davon. Immernoch steht man nach einer langer Busfahrt im Hostel und es zieht einen als erstes an den Strand. Und im Halbdunkeln sitzt man dann da und freut sich über den weiten Blick, die gute Luft, das Wasser, das nie müde wird, sich alle paar Sekunden den Sand entlang zu hangeln. Und sie sind am Ende auch gar nicht gleich. Schon allein in Thailand: manche sind künstlich mit Strandliegen und Schirmen zugebaut, dass sie an Käseigel erinnern. Andere verstecken sich hinter Palmen. An manchen ist der Sand grosser Mist, an anderen das Müllproblem. An einigen steht eine Holzhütte neben der nächsten. Und am Ende gibt es immer eine Sache, mit der mich ein Strand endgültig kriegt, weil man ja auch nur ein Mädchen ist. Er muss im Westen liegen. Das bedenkt man spätestens bei der zweiten Insel, sowas. Und wenn man dann vor pink-orangefarbenem Himmel sitzt, kommt das breite zufriedene Grinsen. Und auch in Thailand war das wieder mal da.

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Thailand also. Irgendwann hat man dieses Land in der Hirnrinde unter „Mallorca Asiens“ abgelegt. Wenn man im Süden des Landes einerseits ein wenig auf die Socken-in-Sandalen-tragenden Touristen schielt, denen als Urlaubsmotiv ein Foto gemeinsam mit Ronald Mc Donald Figuren genügt, und andererseits das Heer Neonsonnenbrillen tragender Partypeople anschaut, dann ist da durchaus was dran. Aber nach Phuket, Ko Samui und erst recht nach Koh Tao, trifft man so viele Menschen, die aus dem Norden kommen und die versprechen Dinge, von denen man auf Mallorca nur träumen kann.

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Bisher meint es Thailand also sehr gut mit einem, schickt einem einen guten Menschen nach dem anderen vorbei. Und das wurde mal wieder benötigt. Und mit jedem Backpacker mit dem man abends am Strand bei Bier und Sternschnuppenzählen versackt, wächst die Vorfreude auf den Norden. Denn der soll nun aber wirklich mit dem Vorschlaghammer deutlich machen, dass das hier nicht Mallorca ist.

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english version
Normally I would think that after more than 30 beaches, they’re getting boring because in the end they are all the same. But: wrong. After a long bustrip I’m still excited and can’t wait to get to the beach. And then: great view, good air and the waves which are not getting tired of hitting the sand. And in the end, beaches are never “same same”. Some of them got beach chairs, some got palm trees, some got garbage problems. But the most important thing is: they have to be in the west of an island. Its so simple but that makes the difference. It’s the sundowners, baby. And it always happens the same: I’m looking at this great pink and orange of the sky and I’m getting this huge smile. And, yes, Thailand already made me smile.

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I don’t know why but I always thought Thailand is the Mallorca of Asia. Perhaps because of the white socks wearing tourists that are already happy to take a photo together with Ronald Mc Donald sitting on a bank on the one hand and because of the alcohol in buckets drinking party people. But after Phuket, Ko Samui and especially Koh Tao, I met so many people, who promise that in the north of Thailand there are things waiting, which you never gonna find in Mallorca.
However till now Thailand treated me good and sent me one good person after another. And with every night on the beach where I count shooting stars, I cant wait to go north.

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bEAT IT

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Wenn es neben dem Herzen ein Organ gibt, das auf Reisen Muskelkater vor lauter Herausforderung bekommt, dann ist es der Magen. Ab und zu ist er der Headliner beim kulinarischen Reisefestival und verliert sich in Euphorie wenn er die Bekanntschaft mit phantastischem Straussensteak aus Südafrika macht, argentinische Empanadas für sich entdeckt, Lamasteak geniessen darf oder gar nicht genug von den keinesfalls zu hoch gelobten, unvergessenen, legendären, grossartigen mexikanischen Tacos bekommt.
Aber manchmal ist der Magen auch irgendwie der letzte Festivalgast, der verkatert im Zelt rumliegt während alle anderen schon weg sind. Das ist unvermeidbar, wenn man durch Länder reist, die nicht zu den so genannten 1.Welt Ländern zählen. Bezaubernder Weise wachsen einem genau diese Länder aber auch am meisten an Herz und Magen. Ob nun der berühmte Oaxaca-Käse, peruanisches Meerschweinchen, Obst vom lokalen Marktstand oder australisches Bier. – Der Magen dreht sich aus vielen Gründen spektakulär um wenn man reist. Und spätestens wenn man drei Tage unbeweglich im 24er Dorm liegt, lenkt man dann mal eine zeitlang ein und, ja, hält sich ans kleinere aber risikominimierte Übel: Fast Food. Zumindest so lange bis der Magen wieder grünes Licht zum Stage Diving gibt.

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Ein Kapitel für sich sind Insekten. Nachdem die Grashüpfer in Mexico dank Chilli und Zitrone besser als gedacht waren, gabs in den ersten Tagen in Thailand das ganze Programm. Maden, Würmer, undefinierbares Fliegengedöns, bekannte Grashüpfer und – das ist wohl die Königsdisziplin – Kakerlaken. Und der Magen war grosszügig. Dennoch lässt sich die Frage der Frage schwer beantworten. – Es schmeckt nach nicht viel und 99 Prozent des verzerrten Gesichtsausdrucks beruhen auf anerzogene Skepsis und die ungewohnte Vorstellung, dass man nicht Spinat sondern ein Grashüpferbein zwischen den Zähnen hängen hat. Einen Versuch ist es allemal wert.

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Denn auch dafür wird ja gereist. Den Kopf aufmachen, das Herz ebenso und über den berühmten Tellerrand schauen. Und auf dem Teller nebenan liegt halt auch anderes Essen rum. Also: Alles probieren, was einem so über den Teller läut? – NEIN. Ich habe meine kulinarischen Grenzen in Thailand kennengelernt. Wenn man einen lokalen Markt besucht, findet man sehr schnell etwas, das sich unter keinen Umständen dem eigenen Magen nähern wird. Das mag daran liegen, dass in den Märkten, um Freshness-Credibility zu suggerieren, mehr als 50 Prozent der zum Verspeisen angebotenen Tiere noch leben. Weitere 40 Prozent sind bereits tot aber angesichts der Präsentationsform indiskutabel. Dazu zählt etwa halbiertes Huhn, bei dem sämtliche Organe und ungelegte Eier freigelegt sind, Huhnherzspiesse oder aber Frösche, denen bisher lediglich die Haut abgezogen wurde. An Tagen wie diesen tut es auch ein vegetarischer Salat.

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english version

bEAT IT

If there is beside the heart any other organ, that has to do some tough challenges while traveling, it definitely is the stomach. Sometimes this stomach feels like the headliner during a festival, for example when he gets a fantastic steak of ostrich in South Africa or lama in Bolivia, Argentinian empanadas or incredible good, legendary, all time favourite tacos in Mexico.
But sometimes the stomach seems like the last hangover festival visitor, because eating in so called non 1.world countries sometimes means problems. Funny that exactly these countries are the ones my heart and stomach fell in love with. The famous Oaxaca–Cheese, guinea pig in Peru, fruits of some local markets or Australian beer. – There are different reasons why a stomach freaks out sometimes. And after three days of lying in bed I always prefer bad boy fast food as long as necessary.

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Vermin are a special chapter. After I tried grasshoppers with chilli and lemon (of course) in Mexico, Thailand offered me the whole range of vermin. Maggots, worms, grasshoppers, flies and – now comes the premier league – cockroaches. And my stomach has been patient. But to be honest: it all tasted nearly like nothing. The only reason why it’s weird eating things like that is, that we aren’t used to this and the fact that we don’t have spinach in between our teeth but a leg of a cockroach.
In the end that’s one reason why I’m traveling. Open the head, open the heart, and, yes, also the stomach to new things. But that doesn’t mean I’m able to try everything I find on my way. I found my personal No-Go. And that’s easy to find when you enter a local market in Thailand. It may be the fact that more than 50 per cent of the animals in the food market are still living, probably for some freshness-credibility-reasons. Another 40 per cent are already dead but the way they are looking makes it impossible to eat them: half of a chicken, of which you can see all organs and even eggs, chicken-heart-spits or frog without skin. Days like these are perfect for a vegetarian salad.

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Sagrotan-Stadt Singapur

Ich bin unentschlossen. Nach dem ersten Aufenthalt in Singapur weiss ich nicht, was ich von dieser Stadt der Zukunft halten soll. In einem Moment möchte ich mein Zentrum für logisches Denken abschalten, denn das braucht man hier nicht, und mein Nasi Goreng zufrieden vom sauberen Metroboden essen. Und im anderen Moment liegt mir nichts näher, als aus vollster Überzeugung und Blase Kaugummi kauend in einen Fahrstuhl zu pinkeln. Denn, ja, sogar Dinge wie diese sind hier gesetzlich geregelt und damit offiziell verboten. Schon mit dem Import von Kaugummis erarbeitet man sich hier Verbrecher-Credibility.

Wenn man sich 2012 an den Schreibtisch setzt und die Stadt der Zukunft entwirft, kommt man wahrscheinlich unweigerlich bei einem Konstrukt raus, das dem heutigen Singapur ähnelt. Diese Satdt ist sauberer als es ein Operationstisch in Indonesien je sein wird. Parks, Einkaufsstrassen, Malls, Bankenviertel – Dreck ist hier eine bedrohte Art. Alles ist so sauber, dass man sich schon bald dreimal täglich duschen will um dem gerecht zu werden und mithalten zu können. Das alles ist eine gute Sache und wenn man nach so manchem staubigen, stickigen Dorf in diese Stadt fällt, erinnert man sich schnell an die unendlichen Weiten der Definitionsvielfalt von Sauberheit.
Das Metrosystem ist so optimiert, dass man nur noch wie eine Ameise mit der Masse schwimmt. Selbst der Instinkt kann meistbietend verschenkt werden, denn Unmengen an Schildern, Lichtern und Lämpchen reduzieren die Wahrscheinlichkeit, sich zu verfahren auf 0,0001 Prozent. Singapur ist ohne Zweifel eine schöne, durchdacht gebaute Stadt, mit all den Lichtern und Springbrunnen und gebonerten Böden.

Und dennoch: Vor lauter Schildern und formvollendeter Infrastruktur kann ich mich gar nicht mehr verlaufen. Und zu meiner eigenen Überraschung fehlt mir das. Nicht einmal an der falschen Seite der Metro kann ich stehen und erst beim Halten merken, dass der Ausstieg auf der anderen Seite ist. Denn das wird mir gesagt und das wird mir vorher von Lampen signalisiert. Und sicher erinnere ich mich noch an das wütende „Gehts noch?!“ , dass ich in Deutschland im RE1 dem neben mir sitzenden Siebtklässler mit Starwars-Tornister an den Kopf geschmettert habe, nachdem er dreimal wild durch die Bahn genossen hat. Aber ob ich die Singapur-Sensibilisierungs-Offensive bevorzuge, bei der alle Haltestangen und –triangel n in der Metro mit Comic-Bakterien und Comic-Schnodder beklebt sind und wo grossflächig zum Niesen in ein Taschentuch angehalten wird – Ich habe Zweifel.

Ich hänge einfach sehr an der Angewohnheit, zu Denken. Und Pampern ist schön, aber Abhärten doch irgendwie auch. Vielleicht komme ich zu einer abschliessenden Meinung über diese Stadt, wenn ich bald wiederkomme. Aber je mehr ich in diesen Sagrotan-Metros stehe, desto mehr vermisse ich die überfüllte Metro von Mexico City, die mich stets nur schweissgebadet, reizüberflutet, orientierungslos aber stolz, überhaupt angekommen zu sein, liebevoll wieder ausgespuckt hat. (Ja, liebe Menschen, die sich noch an meine hypochodrischen Panikzustände und Sagrotan-Vorräte angesichts der EHEC-Zeit erinnern: traveling changes people!)

english version

Sagrotan-City Singapore

I’m still double-minded. After the first stay in Singapore I don’t know what to think about this city of future. On the one hand I want to switch off my logical thinking (because I really don’t need it here) and eat my Nasi Goreng from the clean floor of the metro. But on the other hand I would appreciate it just for fun to pee in an elevator while chewing chewing gum. Because, yes, they’ve got even for things like that laws here. Even the import of chewing gum increases your crime-credibility.
If you think about how cities gonna look like in future, there’s no other way than end up with Singapore. This city is cleaner than any operation-desk in Indonesia. Parks, shopping streets, malls, financial districts – dirt is hard to find. Everything is clean in a way that I feel like I have to take a shower three times a day to feel like I belong here. That’s a good thing I guess. Singapore sets a benchmark for cleanness. There are so many lights and signs while using the metro – the chance to get lost in Singapore is about 0,0001 per cent. Without a doubt, Singapore is a beautiful city and elaborated built.

But: perhaps I’d like to get lost sometimes. I miss that. The straight ways isn’t always the best one. And yes, I can remember the times when I was sitting in a train in Germany next to a 13-years-old guy screaming to him “are you kidding me?!” when he sneezed all over the train. But I don’t feel more comfortable when they print comic-virus and comic-snot all over the metro to make you remember using a tissue.
I just really like thinking. Perhaps I will get a final opinion about Singapore when I come back in couple of months. But the more I am standing in these Sagrotan-metro the more I miss the crowded metro of Mexico City that made me sweat, losing orientation but proud to finally arrive. (Yes, beloved people back home, still remembering my hypochondriac panic und stocks of Sagrotan when there was EHEC: traveling changes people!)

Faulenz-Festival

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Die Tage laufen derzeit wie Schmuckverkäufer am Strand an einem vorbei. Sie machen kurz halt vor der eigenen Liege, wollen einen vom Vorhandensein des Wunschs nach zehn Armbändern zum Preis von fünf überzeugen, und ziehen dann träge durch den Sand weiter ihre Bahnen zum anderen Strandende.

Ich bin aus der Welt gefallen, hänge irgendwo an einem Fähnchen auf der Weltkarte. Und die Sonne grinst mich täglich ungläubig irritiert an, weil sie mich täglich an einem anderen Fähnchen gelehnt entdeckt.

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Die vergangenen Tage habe ich meinen Bewegungsradius dermaßen eingedampft, meine Beine nennen das nicht einmal mehr Laufen. Mein Bermudadreieck: Doppelbett – Terrasse – Supermarkt. Man muss die Einzelzimmer feiern wie sie fallen. In einem Leben voller Dorms und Bunkbeds lädt sich ein Einzelzimmer umgehend bedeutungsschwanger zu einem Zuhause auf. Innerhalb von 20 Minuten verbreite ich Klamotten, Getränke und Bücher quer im Zimmer. Hallo laut-Musik-hören, hallo Unordnung, hallo Mittagsschlaf.
Auf der Bettinsel liegt alles Benötigte in Reichweite verstreut und einem fällt gerade gar kein guter Grund ein, diese Insel zu verlassen. Ich habe einen Ort gefunden, der bereit ist, mir für ein paar Tage „Zuhause“ ins Ohr zu hauchen. Also spiele ich faulen Sonntag, nur ohne die Waschmaschine anschmeißen zu müssen.

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Nach mehr als 80.000 Kilometern Reisen und fünfmal den Äquator überqueren, ist dieses Faulenz-Festival so willkommen, wie ein Ventilator bei 40 Grad. Ich mache: gar nichts und davon viel. Wie bezaubernd. Dem Reis beim Wachsen zuschauen, ist noch die komplexeste Aktivität in diesen Tagen. Mein Puls verhält sich gerade umgekehrt proportional zum Meeresspiegel. Und genau das macht den Unterschied zum 14-Tage-Mallorca-hat-auch-schöne-Seiten-Urlaub. Ich bin nicht gehetzt. Ich habe Zeit.

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Das süße Nichtstun. Ich darf das. Es hat ja auch seinen Preis. Davon erzählt mir mein Konto ganze Geschichten drüber. Aber ich habe auch viele Dinge eingetauscht dafür, von manchen wusste ich gar nicht. Andere kaufen sich eine Einbauküche, ich freue mich über einen Wasserkocher, der mir Instant-Noodle-Konsum ermöglicht, andere unfassbar gute Menschen bekommen Kinder, ich, wenn ich Pech habe, einen Magen-Darm-Infekt. Das ist der Deal. Und bevor ich in die nächste Großstadt falle und mich wieder mit großen Augen rastlos durch die Straßen staune, professionalisiere ich das Nichtstun noch ein bisschen.

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cinta!

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Indonesien gehört zu den wenigen Menschen, die so unheimlich ausgeglichen in sich selbst ruhen, dass man ihnen am Liebsten erst einmal auf den Flokati kotzen will vor Empörung.
Zeit gilt hier als überbewertete Koordinate. Und Geld ist ein solches Nullsummenspiel, dass einem auf fast jedem der Scheine mindestens fünf Nullen anschielen. Wenn man den Straßenverkehr in Jakarta überlebt, verpassen einem Java und Bali Ohropax, die es in keiner Apotheke gibt. Prambanan und Borobudur – der größte buddhistische Tempel der Welt, erzählen einem, wie die Welt eine bessere sein könnte. Drunter machen sie es nicht. Und das dürfen sie sich auch rausnehmen. Und all diese klugen Gedanken die zwischen die Tempelmauern gespachtelt sind, hallen wie ein Ohrwurm im Kopf nach.

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In das Grün der Reisterrassen verliebt man sich so über beide Ohren, dass man das Grün jeder Ampel in Zukunft nicht mehr wird ernst nehmen können. Wahrscheinlich stürzt man sich an Kreuzungen zufünftig in leidenschaftliche Diskussionen darüber, dass das doch kein Grün sei und man also nun wirklich nicht fahren könne. Und dann riecht Indonesien auch noch in jeder noch so kleinen Gasse so gut, dass man mit der Nase immer heimlich etwas zu nahe nebenher läuft.

Indonesien, wo andere einem einen Termin in drei Monaten geben, steht bei dir schon die Wohnungstür offen und es liegen vor der Türschwelle schon hunderte Paar Schuhe quer übereinander. Und wo andere mit Reden beginnen, schlägst du erstmal Atmen vor. Und durch die Ohropax hört man sich erst einmal selbst so lauf atmen, dass man es kaum erträgt. Und irgendwann legst du einem die Hand auf die Schulter und dieses Hyperventilieren stoppt. Und es ist eine Frechheit, wie entwaffnend du auf alles eine einfache Antwort hast, die gleichzeitig das Klügste seit langem ist.

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Indoniesien, deine Kinder haben das breiteste Grinsen, das ich je gesehen habe. Ein Wunder, dass die Ohren noch nicht kapituliert und den Weg frei gemacht haben. Und wenn ich randvoll mit Zweifeln bin, dann schmetterst du mir entgegen, dass mein Name für dich Liebe bedeutet. Du verlangst von mir nichts, was ich nicht selbst von mir verlangen sollte. Du bringst mich dazu, Zweifel zu essen und von Katzen gekackten Bohnenkaffee zu trinken. Und dann ist beides auch noch gut. Wie gut, dass du mich noch ein bisschen bei dir wohnen lässt.

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Indonesia belongs to the people, who are so scary balanced, that you first wanna throw up on their flokati carpet to voice your indignation.
Time is here classified as an overrated coordinate. And money is here such a zero sum game, that each note has about five zeros after a number. If you survive the traffic of Jakarta, Java and Bali will start to do their magic with you. Prambanan and Borobudur – the world’s biggest buddhistic temple – are telling nothing less than how the world could be a better one. And all the smart thoughts lying in between the rocks of the temples are becoming a catchy song in your head.

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Then you start to be head over heels in love with the green of the rice paddies. Unthinkable that I ever will be able again to drive when the traffic light shows green – because that’s obviously no green anymore. And Indonesia is smelling so good, that you are always walking a bit to close with your nose next to it.
Indonesia, where others tell you, they got time in three months, the door is already open here and there are hundreds of shoes already lying in from of it. And where others start with talking, this country proposes breathing. And once you are in Indonesia you start hearing yourself that loud, that you first hardly can bear it. And what a cheekiness, that Indonesia seems to have a simple answer to everything, which is in the same time the smartest I ever heared.

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Indonesia’s children have the brightest smile that I’ve ever seen. Surprising that their ears haven’t given up yet and cleared the way. And if you’re full of doubts, Indonesia tells you, that your name means love to this country.
Indonesia, all you demand from me, is what I should demand from myself. And you even make me eat my doubt and drink cat-poo-poo-coffee. And unbelieveable: both is even good. I’m so lucky to be allowed to keep on living with you for a while.

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Australia – the video

Sydney Opera, Bondi Beach, Townsville, Brisbane, Cape Tribulation, Magnetic Island, Surfers Paradise, Byron Bay, Nimbin. – Man könnte so manches über all diese Orte sagen. Und irgendwie käme das auf einem Reiseblog gar nicht so unerwartet. Und nicht zum ersten Mal steht die Frage im Raum: Warum schreibt dieses Blogkind nicht einfach nur Tipps zu den Orten, an denen sie war? Und warum zieht sie sich stattdessen immer wieder das Herz aus dem Brustkorb und legt es, nicht einmal zum eigenen Schutz hinter Vitrinenglas, hier auf den Blog? – Die, zugegeben, bessere Frage. Und es ist nicht so, dass ich nicht schon einmal daran gedacht habe hier eine Mauer aus Panzerglas einzuziehen. Man scheitert nur immer wieder bei jedem Beitrag daran. Und das aus Überzeugung.

Dieser Blog ist kein verdammtes Reisemagazin. Und für jeden Eintrag gibt es im Grunde nur ein Gesetz: das Herz soll wie ein Schwamm ausgewrungen werden. Ohne Herz ist das alles doch nur der Buchrücken des Lonely Planet. Das hier ist kein Wandteppich, auf dem nie barfuß rumgesprungen wird, es ist kein Süßstoff sondern Zucker und schon gar nicht ist das hier Malen nach Zahlen. Dieser Blog sollte immer eine pure Hand voll Reis sein, der durch die Finger rieselt und kein Tütenreis mit Perforationsfolie. Und so absurd es sich für einen Reiseblog anhören mag: Es geht hier nicht ums Wo, es geht ums Wie. Ja, das ist ein Herz, das hier immer wieder offen hingelegt wird, mein einziges. Aber man kann nicht anders. Und will auch nicht.

In den vergangenen vier Wochen ist das Herz in Gesellschaft von Familie gereist. Und irgendwie hebelt das alle Konzentration auf Sehenswertes und Superlatives noch mehr aus. Familie macht Orte egal weil sie Eindrücke multipiziert. Insofern hätten die folgenden fünf Minuten durchaus nur auch aus drei Menschen bestehen können. Aber mit seinen Hippies, Koalas und Delphinen hat Australien es doch noch geschafft, unvergessen zu bleiben. Deticated to my sister. Loved it to share one month of this trip with you.

english
Sydney Opera, Bondi Beach, Townsville, Brisbane, Cape Tribulation, Magnetic Island, Surfers Paradise, Byron Bay, Nimbin. – There are some things i could write about these places. And somehow it wouldn’t be surprising if i did so, because this is a travel-blog. And not for the first time there is the question asked: Why does this travelkid not just give some advices for the places? And why is she always putting her heart in between every line of each entry, not even thinking of saving her heart behind bulletproof-glass? – Well, not that i never thought about keepin more distance in my entries. But the way i do it, is the way it feels right.

This blog is no f*ing travel-magazine. And there is only one law for each entry: the heart should be wrung out like a sponge. Without a heart it all would just be the spine of a loney planet. But this is no tapestry, on which nobody ever jumps around barefoot, it’s no sweetener – it’s sugar. This blog always should be a hand full of rice and no boil-in-the-bag rice. And it may sound absurd, but it’s not about „where“ it’s about „how“.

During the last four weeks this heart was surrounded by family. And somehow that made me concentrate less on sights and superlatives. Family makes places equal because impressions are multiplied. That’s the reason why the next five minutes could easily just show three people. But with its hippies, koalas and dolphins even Australia became kind of unforgetable. Deticated to my beloved sister. Loved it to share one month of this trip with you.

VIDEO:

travel-pregnancy

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Im achten Monat. Sieben Monate sind rum. Und dieses Reisebaby ist dermaßen in mir gewachsen, dass man die Klamotten, die früher so gut gepasst haben, abgelegt hat; und das sehr gerne. Rückblickend scheint es, als war damals alles so eng, so Tunnelblick, dass man von jetzt an da nie wieder hereinpassen will. Vor sieben Monaten saß man im Flieger, der Test positiv, sich dafür entschieden, wissend, dass von nun an alles anders wird. Und diese Reise ist so sehr ein Baby, es verändert sich ein Leben, wenn man sich dafür eintscheidet. Inzwischen ist alles dran am Reisekind und es ist theoretisch lebensfähig.

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Und inzwischen sehen es die Menschen mir von weitem an. Ich bekomme Sitzplätze oder vielmehr ein Upgrade im Hostel angeboten. Und Familie und Freunde unterstützen mich mit so viel Liebe, Musik, Worten und Finanzspritzen, dass man noch gefühlsduseliger wird. Und die Anflüge von Was-mach-ich-hier-eigentlich-Übelkeit sind längst Geschichte. Auch der Heißhunger nach Alles-auf-einmal ist inzwischen verflogen. Ich habe Zeit und wenn Geld Blattgold ist, dann ist Zeit ein Goldbarren. Ich bin ohne Zweifel verliebt in dieses Reisebaby. Und es macht mich glücklicher als jede Entscheidung, die ich zuvor gefällt habe. Es lässt mich Dinge anders sehen, Wunder erkennen und Menschen lieben. Es zeigt mir, dass ich nur wenig von all dem wirklich brauche, was ich vorher für bedeutend gehalten habe. Und es bringt mich dem einzigen Ziel näher, das ich habe: Später einmal, kurz bevor der Vorhang fällt nichts zu bereuen.

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english
Being eight months pregnant. Seven months behind me. And this travelbaby has grown so much, that it’s impossible to wear the old skinny clothes i was wearing a long time ago. Seems like everything was so tight, so tunnel view, that i never ever wanna fit in again. Seven months ago i was sitting in the aircraft, test result positive, knowing that everything will change from now on. And this journey became so much a baby, because it changed a life. By now the baby theoretically is ready for living.

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And meanwhile people can see my travelpregnancy. They offer me a seat or even better an upgrade in the hostel. And family and friends are already supporting me with so much love, music, words and cash injections, that i’m getting even more sentimental than i already am. The what-am-i-doing-here-sickness left long ago. Even the all-at-once-munchies is gone now. I got time and if money is beatgold, time is a big gold bar. Without a doubt i’m deeply in love with that travelbaby. And it makes me happier than every decision i made before in my life. It makes me looking different at things, realizing wonders, loving people. And it shows to me, that i need nearly nothing of all the things i thought they would be important in life. And it brings me close the only goal i really got: to regret nothing in the end.

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Raustralien

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Australien, du machst es einem nicht leicht. Irgendwie schwankt man bei dir zwischen „ganz schön hier“ und „gehts noch?!“. Australien, du stehst im Supermarktregal auf Augenhöhe. Du bist das Teuerste weit und breit und jonglierst auf deiner bunten Verpackung mit großen Begriffen wie „Paradies“ und „traumhaftes Reiseland“. Dabei weiß ich doch, dass sich das Paradies nicht in deiner Nähe befindet.

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Australien, dir müsste die Hose im Schritt schon reißen, so sehr machst du auf dicke Hose. Und: Ja, du bist schön, hast so manches zu bieten, was ich nicht missen möchte. Aber das steigt dir so zu Kopfe, dass du alle um dich herum bluten lässt, wenn sie dich haben wollen. Australien, du schneidest mir gerade dermaßen Löcher in die Hosentasche, dass es einem nicht nur vor Rührung die Tränen in die Augen treibt. Australien bisher rechne ich dir drei Dinge hoch an: Du hast mir zum Geburtstag Familie vorbeigeschickt, du hast Koalabärmädchen, die so charmant faul auf Bäumen schlafen, dass man in ihrer Gegenwart beginnt, in Kinderstimmen drölfhundert Mal „cuuuuuute“ zu rufen und du hast das üppig ausgestattete Sydney. Aber ehrlich mal Australien, du verkaufst dich ein bisschen über Wert. Irgendwann greift keiner mehr nach dir im Regal. Und dennoch weiß ich jetzt schon, dass mir das Herz wieder schwer wird, wenn ich dich verlasse. Und ich weiß auch warum: nicht weil ich die teuren Hostels vermissen werde, nicht wegen der teuren Inseln oder wegen des teuren Rests, den du zu bieten hast, sondern weil ich in einen anderen Flieger steigen werde als die Familie.

(Ach ja: Ihr könnt in ner Werbepause oder bei Langeweile oder gar bei Gefallen gern rechts über den orangefarbenen weg.de Link bis zum 18.9. für dieses Blogbaby abstimmen. Das Baby wird vergnügt grinsen vor Freude.)

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stranger new zealand

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Man kann nun vieles behaupten, nicht aber, dass man Neuseeland wirklich kennengelernt hat. Neuseeland war der Gast auf meiner Party, den ein guter Freund mitgebracht hat. Wir haben uns einander kurz vorgestellt, ich hab ihm ein Bier angeboten und wenn er da so auf dem Balkon stand, sein Bier mit dem Feuerzeug geöffnet hat und dabei von seinem bisherigen Leben erzählt hat, hab ich das nur so halb mitbekommen. Ich war abgelenkt, hab mich an der Tür wehmütig von guten Freunden verabschiedet, die die Party schon verlassen und hab mich schon auf Familie gefreut, die jeden Augenblick vorbei kommt.
Neuseeland, ich bin froh, dass du hier warst. Die wenigen Sätze, die wir gewechselt haben, geben eine Ahnung davon, was für ein großartiger Mensch du bist. Aber irgendwie war das Timing schlecht. Zwischen neue Familie vermissen und kennenlernen, arbeiten, Pläne schmieden und auf Besuch freuen, bist du mir irgendwie durch die Lappen gegangen. Und dass wir uns diesmal nicht so richtig kennengelernt haben, tut mir umso mehr Leid, weil die Menschen sagen, du bist bezaubernd. Aber es besteht kein Zweifel, dass wir uns irgendwann mal im Supermarkt an der Kasse treffen und dann werd ich dich sowas von auf ein Bier einladen und erst wieder gehen, wenn ich dich wirklich gesehen und kennengelernt habe.

P.S. Sorry, liebe Vegetarier. Danke für alles, Monika!

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I can affirm a lot, but not that I really got to know New Zealand. New Zealand was the guest at my party, i offered a beer. We shortly introduced ourselves but we never really had enough time to speak to each other. I was too busy with spending time on missing new family, getting to know new family, working a bit, making future plans and being excited for family visiting me in couple of days. New Zealand, somehow it was bad timing. The few sentences we spoke to each other gave me an idea how great and beautiful you are. And there is no doubt, that if i meet you again someday, i’ll invite you to a beer and won’t leave till i really know you. Because, people who know you, told me, you are an amazing guy.
P.S. Sorry to all vegetarians. Thanks to Monika! You made my stay! And don’t forget: It’s just milk.

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