Über den Dächern

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Es ist nicht so, dass man es nicht gewusst hat. Im Gegenteil. Man hat einfach gehofft, dass es schon gut werden wird. Und irgendwie ist es das wohl.
Zwei Tage nachdem ich Puerto Escondido verlassen habe, kam der Hurrikan. Das Hostel ist derzeit unbewohnt – entwurzelte Bäume, kein Strom, kein Wasser. Das Paradies ist also eine Kombination aus Ort, Menschen und Timing. Und selten kommt alles zusammen. Und Mexiko versteht es, einem oft mindestens zwei der Koordinaten zu bieten.

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San Cristobal de las Casas war in einer so überfordernden, großartigen Weise perfekt, dass man sich dort einen Kleiderschrank und Briefkasten hätte kaufen können. Und dabei hat es dort manchmal so sehr geregnet, dass Menschen mit Blasenschwäche gar nicht mehr vom Klo runtergekommen wären. Und die Wolken haben auf den Bergen Pause gemacht, weil sie so schwer vor lauter Wasser waren. Auf den Märkten haben die Händler das Obst und Gemüse zu Pyramiden gestapelt, tote Hühner hingen kopfüber vom Stand und kleine Jungs haben im Spiderman-Pullover Schuhe von Passantan für Kleingeld geputzt. Nicht alles davon ist gut, aber das Herz verliebt sich wie in Menschen ganz irrational in Orte. Und irgendwas hat man dort gelassen.

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Die Kirchen in den Dörfern der Umgebung sind so voller Leben, dass man im Vergleich die Religion in Deutschland für klinisch tot erklären muss. Dort waren Musiker, die wie in Trance stundenlang ihre Instrumente spielten und nur kurz pausierten um Tequila zu trinken, tausende von brennenden Kerzen haben den Boden gewachst, Männer haben Stoffe vorm Kreuz gebügelt, Frauen haben Hühner als Opfer mitgebracht und ein alter Mann hat so tränenüberströmt gebetet, dass es einem das Herz zerreißt. Und all der Lärm wird von brennenden Räucherkerzen eingewickelt.

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San Cristobal war Süßwarenabteilung und Schlag ins Gesicht. Man weiß nicht ob man hätte einfach dort bleiben sollen oder schon zu lange geblieben ist. Dort gab es Katzen, die aus Angst vor Treppen auf den Dächern leben. Und vielleicht ist manchmal ein Dach schon alles, was es braucht.

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2 Gedanken zu „Über den Dächern“

  1. Hola Siola,
    aus Fernweh heb ich auf deiner website rumgeschnueffelt und es ist nur noch groesser geworden! Wie gut es tat wieder Menschen lachen zu sehen! Ich habe das Dach verlassen, aber nur um ganz schnell zurueckzukehren. Zukunftsplaene? Es kommt doch eh immer alles anders als man denkt und auch wenn viele denken dass ich weltfremd geworden bin, fuehle ich mich weltnaeher denn je. Schoen zu sehen, dass es dir gut geht und die Welt mit offenen Armen entfaengst! Danke fuer die halbe Stunde woanders sein!

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